Drohnen bieten Hobby-Fotografen neue Möglichkeiten

Fotografieren mit einer Drohne ist inzwischen möglich.
Fotografieren mit einer Drohne ist inzwischen möglich.
Foto: Stephan Mahlow
Viele Touristen halten jedes Urlaubserlebnis mit der Kamera fest. Nun bieten sich mit den Drohnen völlig neue Möglichkeiten der Fotografie.

Essen.. Jeder kann sie kaufen, jeder darf sie fliegen, und ihre Möglichkeiten sind enorm: Flugdrohnen. Auf ambitionierte und technikbegeisterte Fotografen wie Stephan Mahlow üben sie derzeit eine große Faszination aus. Ein Gespräch über den Reiz des Fliegens, unvernünftige Manöver und Nackte in Nachbars Garten.


Herr Mahlow, viele Reisende sind ambitionierte Hobby-Fotografen. Drohnen bieten da ganz neue Perspektiven. Wie hoch sind die Kosten für Einsteiger?
Stephan Mahlow: Man kann für unter 200 Euro eine Drohne kaufen. Wobei wir Flieger lieber Copter sagen, zum Beispiel Quadrocopter bei vier Propellern. Der Begriff Drohne ist militärisch negativ besetzt, da denkt man gleich ans Töten. Günstige Geräte haben aber natürlich viele Einschränkungen.


Wie viel Geld muss man anlegen, um gute Ergebnisse zu erzielen?
Mahlow: Für rund 900 Euro bekommt man schon gute Fluggeräte inklusive Fernsteuerung und Kamera mit HD-Qualität. Die Kamera überträgt die Bilder zum Beispiel direkt aufs Tablet.


Als ich mir Ihre Videos aus New York angeschaut habe, dachte ich immer zuerst: wow! Dann fiel mir auf, dass der Aktionsradius doch sehr beschränkt ist.
Mahlow: Das hängt mit den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Leistung des Fluggeräts zusammen. Der von mir für dieses Video eingesetzte Copter hat einen Radius von 400 Metern. In der Höhe ist man gut beraten, ohnehin nicht so hoch zu fliegen. In Deutschland beschränken die Luftaufsichtsbehörden der Länder die Flughöhe in aller Regel auf 100 Meter. In den USA soll man laut der US-Luftaufsicht FAA 400 Fuß nicht überschreiten, das sind rund 122 Meter. In Deutschland und vielen anderen Ländern gilt außerdem das Sichtflug-Gebot: Man darf nur so weit fliegen, wie man den Copter mit dem bloßen Auge noch sehen kann. Was ja auch sinnvoll ist. Man sollte sich generell immer gut über die Gesetzeslage informieren.

„Bei allen muss ankommen, dass man eine ganz besondere Verantwortung trägt“

Zumal das Hobby ja auch nicht ganz ungefährlich sein kann.
Mahlow: Absolut. Auf Youtube sieht man leider die abenteuerlichsten Manöver: Copter, die in belebten Straßenschluchten gegen Hochhäuser fliegen und abstürzen etwa. Auch auf der A40 ist neulich ein Quadrocopter in ein fahrendes Auto geflogen. Zum Glück ist es dadurch nicht zu einem Verkehrsunfall gekommen. Nach dem Besitzer der Drohne wird soweit ich weiß noch gesucht. Es sind leider genau diese Unverantwortlichkeiten, weshalb Städte wie New York bereits ein generelles Drohnenverbot für Privatpersonen einführen wollen. Sehr schade aus Fotografensicht. Bei allen, die auf diese Weise Bilder oder Videos produzieren wollen, muss ankommen, dass man eine ganz besondere Verantwortung trägt. Denn im Unterschied zum Modellflug, startet man sein Gerät nicht auf einer grünen Wiese, sondern oft vor viel besuchten touristischen Highlights.

Wie reagieren denn die Leute, wenn Sie in Koblenz zum Beispiel am Deutschen Eck Ihre Kamera abheben lassen?
Mahlow: Es gibt zwei Gruppen. Die eine ist neugierig, technikbegeistert und stellt viele Fragen. Die andere hat Vorbehalte. Viele wollen einfach nicht gefilmt werden. Man steht auf jeden Fall gleich im Mittelpunkt.

Gilt denn die gleiche Rechtslage wie für normale Fotografen? Die dürfen ja auch nicht alles und jeden einfangen?
Mahlow: Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind die gleichen. Aber bedingt durch die anderen Möglichkeiten ergeben sich für Copterpiloten neue Probleme. Zum Beispiel gelten die Eigentumsrechte eines Grundstücks für den kompletten Luftraum, also bis in 100 Kilometer Höhe. Man braucht also gegebenenfalls Überflugrechte, wenn man über touristische Highlights wie Schösser oder Burgen fliegen möchte. Oft sind diese ja in Privatbesitz. Und der Blick in den Hinterhof, also in von außen nicht sichtbare Bereiche, ist nicht gestattet. Oder wenn ich mein Haus mal von oben filmen möchte – und die Nachbarin liegt oben ohne im Garten. Das kann heikel werden. Generell würde ich dazu raten, nicht in Wohngebieten zu fliegen.


Was macht denn den Reiz dieser Art des Fotografierens aus?
Mahlow: Ganz klar die Perspektive. Dir bekannte Orte zeigen sich auf einmal ganz neu. Das Auge fliegt mit.


Kann jeder in den Laden gehen und einen Kopter kaufen?
Mahlow: Ja. Bislang ist hier nichts reglementiert. Aber der Gesetzgeber ist in meinen Augen gefordert.


Wie geht man vor, wenn man einsteigen möchte?
Mahlow: Sich gut informieren und nicht gleich irgendetwas kaufen. In jedem Fall braucht man eine spezielle Haftpflicht-Versicherung. Die günstigste Variante wäre hier über einen Modellflug-Verein zu gehen, die haben spezielle Vereinbarungen. Und damit beim Fliegen keine Unfälle passieren: üben, üben, üben. Und zwar auf freien Flächen. Erst, wer die Technik beherrscht, sollte auf Fotoflugsafari gehen.