Die Sache mit dem Sand
16.10.2009 | 09:41 Uhr 2009-10-16T09:41:00+0200
Für die Unseco ist Fraser Island Weltnaturerbe. In der Sprache der Ureinwohner das Paradies
Egal in welche Richtung Peter Meyer das Lenkrad einschlägt, es geht erst einmal weiter geradeaus. In der Spur gehalten wird der Jeep durch eine Kombination aus fahrerischem Leichtsinn und hohen Furchen, die andere Wagen in die Wege gepflügt haben. Spuren, in denen es sich mit Vollgas herrlich durchschliddern lässt. Oder auch nicht. Der Gruppe dort vorne ist der Spaß vergangen. Stecken geblieben. Bedröppelt steht der Mann in Khakihose neben seinem Gefährt. Die Töchter beobachten mit wenig Hoffnung die Anstrengungen des Vaters die Räder freizuschaufeln.
Nur zwei Minuten dauert die Aktion, dann sind Fahrer und Wagen aus dem Schlamassel gezogen. Von Peter Meyer. Mit Abschleppseil und einem kräftigen Ruck.
Meyer hat da viel Routine. Der Ranger vom Kingfisher Bay Resort, dessen Eltern 1994 aus dem Ruhrgebiet nach Australien auswanderten, darf auf Fraser Island als der perfekte Abschlepper bezeichnet werden. Vor allem aus Brisbane kommen sie mit ihren Golfplatz erprobten Geländewägen, um mal so richtig auf Allrad umzuschalten. Um sich mal so richtig durch den Sand zu wühlen. Und um manchmal so richtig auf die Schnauze zu fallen.
Fraser Island ist die größte Sandinsel der Welt, 190 Kilometer nördlich von Brisbane gelegen. Sie gilt vielen als riesiger Abenteuerspielplatz, „und da liegen die Leute nicht falsch”, sagt Meyer. Schließlich könne man hier Dinge machen, die anderswo längst verboten sind: Mit dem Auto durch den Urwald fahren zum Beispiel, am Pazifik langbrettern oder mit Flugzeugen am Strand landen, dort zelten, in glasklaren Flüssen baden und sich fühlen wie der erste Mensch. Klingt nach Paradies.
Ist es auch. Zumindest nennen die Aborigines Fraser Island in ihrer Sprache „Kgari”, was soviel wie Paradies bedeutet. Allerdings wurde im Jahr 1904 der letzte Ureineinwohner von der Insel vertrieben.
Begonnen hatte das Drama, so erzählen es sich heute die 250 Bewohner von Fraser, als sich ein Holzfäller namens Yankie Jack in eine Ureinwohnerin verliebte. Es muss um das Jahr 1890 gewesen sein. Der Schotte wollte die Schöne zur Frau. Skandal. Aufruhr bei den Aborigines. Eine bereits Versprochene und der Holzfäller?
Es kam wie es kommen musste: Yankie Jack trat gegen den Verlobten der Schönen zum Kampf an. Der Verlierer sollte Schande und Schmach mit in die Hölle nehmen. Jack verlor. Und starb. In der Folge jagten die Holzfäller die Ureinwohner von der Insel. Bis 1991 schlugen die Holzkonzerne auf Fraser weiter Bäume, vor allem Satinay-Pinien waren gefragt. Ein Jahr später wurde die Insel zum Weltnaturerbe erklärt.
Anreise: Mit Singapore Airlines www.singaporeair.com ab Düsseldorf über Singapur nach Brisbane. Mit Korean Air www.koreanair.com ab Frankfurt über Seoul nach Brisbane.
Weiter mit Qantas www.qantas.com.au nach Hervey Bay und mit der Fähre nach Fraser.
Einreise: Mit Visum der Australischen Botschaft
030/700 12 91 29
und Reisepass.
Veranstalter: Explorer Fernreisen
0211/99 49 01 www.explorer.de legt eine 12-tägige Mietwagen-Rundreise mit Flug und Hotels ab 1225 Euro auf. TUI www.tui.com bietet eine 15-tägige Flugreise mit Bustour entlang der Ostküste und Hotels ab 3800 Euro.
Infos: Tourism Queensland
089/759 69 88 69
Am Lake McKenzie liegt ein junges Paar im Sand. Hosen und T-Shirts hängen über einem Ast, daneben Rucksäcke. Vielleicht haben sie hier übernachtet. In schönerer Kulisse kann man morgens seine Augen jedenfalls nicht öffnen: Der See will einem mit seinem Blau glauben machen, am schönsten Flecken der kroatischen Adria zu sein. Der Urwald ringsum könnte wiederum auch in Malaysia stehen. Und der Sand kommt so puderfein und weiß daher, als hätten reiche Saudis ihn erst für ein neues Superprojekt erfinden lassen und hergekarrt.
„Ist aber alles echt”, sagt Peter Meyer. Er muss es wissen. Fünf Jahre lang lichtete der Hobby-Fotograf die Insel ab. Aus zigtausend Bildern entstand ein faszinierender Bildband. In dem sieht man dann, was man währends eines Besuchs gar nicht alles sehen kann: Fraser aus der Vogelperspektive, einen der Hundert Süßwasserseen in gespenstischem Morgenlicht. Meyer hat auf den Auslöser gedrückt, wenn die Dingos im Sonnenuntergang mit heraushängenden Zungen über die Strände trappeln. Er hat die Momente gebannt, in denen Buckelwale vor der Küste die Flossen strecken. Das Wrack der Maheno, ein im Jahr 1935 am Strand auf Grund gelaufener Luxusliner, umspielen auf seinen Bildern Wellen wie Seidenkleider Frauenkörper. Und Sand: in all seinen Formen und Farben, als Schattenspieler und abstrakter Inselerschaffer.
„Weltnaturerbe ist das hier”, sagt das Mädchen zu einer Freundin und legt den Reiseführer weg, in dem sie eben geblättert hat. Dann geht sie schwimmen in einem Flusse, der glasklar aus dem Urwald direkt über den Strand in den Pazifik fließt. Während sie da so im Wasser liegt, bauen ein paar Jungs im Hintergrund ein kleines Zelt auf, das vor den Jeep gespannt wird. Der Grill ist schon an. In einer Kühltruhe liegt jede Menge kaltes Bier. Das Mädchen macht keine Anstalten demnächst aus dem Fluss zu kommen. Was K´gari bedeutet, weiß sie also auch ohne Reiseführer. Paradies.
10:21
Fraser Island ist sicher ein Erlebnis. Ich war über die Naturschönheit sehr beeindruckt. Faszinierend ist aber auch das Wrack der Maheno. Während der Stahlrumpf bis auf wenige Millimeter abgerostet ist, sind die im oberen Teil vorhandenen Holzplanken noch fast wie neu.
22:00
Da krieg ich doch Fernweh, bei dem Wetter hier...
20:29
Wer genug Kies hat, kann zum Sand fliegen.
18:58
ich lebe in deutschland und wache jeden morgen neben einer schlange im bett auf...aaaaaaaaaahahahahahahahahaaaa
15:22
tja, wenn ich sowas lese fange ich immer an zu träumen, aber wenn ich an die ganzen viecher denke die es da gibt bleib ich doch lieber zu hause. hab echt keinen bock morgens neben ner schlange oder so aufzuwachen
14:29
@1 du outback turnbeutelvergesser...tzz
13:41
Feine Geschichte! Doch ich kann gerne auch die Bilder von gewaltigen Brown-Snakes schicken, die in diesen Flüssen sehr gerne baden. War dort und habe es gesehen! Na, dann viel Freude. Und die Dingos können in der Gruppe anstrengend werden, besonders wenn man zeltet. Weiter gibt es Tankstellen, in denen die Wände vollgeflastert mit Bildern umgestürzter Jeeps sind. Diese Unfälle gehen häufiger tödlich aus. Selbst wir gerieten, wenn auch nur langsam fahrend in eine extreme Schieflage. Nur eine beherzte Reaktion innerhalb des Jeeps verhinderte eine Katastrophe.