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Wo Natur noch Natur sein darf

01.03.2010 | 09:21 Uhr
Wo Natur noch Natur sein darf

Der Nationalpark Eifel bietet Hunderten von bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum – und Besuchern Erholung

Der Schnee unter den Schuhen knirscht bei jedem Schritt. Durch die Wipfel der umstehenden Buchen weht ein eisiger Wind, der immer wieder kleine Schneewolken auf die Besucher herabrieseln lässt.

Es ist Winter im Nationalpark Eifel, doch das ist kein Grund, einen Besuch in Nordrhein-Westfalens einzigem Nationalpark zu verschieben. „Alle Jahreszeiten haben ihren besonderen Reiz”, sagt Malte Wetzel, Sprecher des Nationalparkforstamtes Eifel. Gerade im Winter könnten Naturliebhaber die Ruhe im Nationalpark genießen und besonders gut vom Alltag abschalten.

Auf den zahlreichen schneebedeckten Wegen lassen sich die Spuren Hunderter Tiere verfolgen, die im Park ein Zuhause gefunden haben. Wer nicht alleine über das rund 110 Quadratkilometer große Gelände streifen will, kann sich einer der beinahe täglich angebotenen kostenlosen Führungen anschließen. Fachkundige Ranger führen die Besucher dabei unter anderem in das Reich der Spechte und zeigen, wo sich Mauereidechsen und Schlingnattern besonders wohlfühlen. Wer Glück hat, sieht vielleicht auch einen Milan, der über den Stauseen seine Kreise zieht, oder ein anderes Tier, das vom Aussterben bedroht ist.

Info
Eifel

Anreise: Wer aus dem Ruhrgebiet mit Bus und Bahn zum Nationalpark Eifel fahren möchte, hat zwei Möglichkeiten: Die Züge fahren nach Kall und nach Heimbach. Die Fahrt nach Kall dauert von Essen aus gut zwei Stunden, nach Heimbach sind die Züge knapp drei Stunden unterwegs. Von beiden Bahnhöfen aus starten dann mehrere Buslinien zum Nationalpark Eifel.

Besonderheiten: Neben zahlreichen Führungen bietet der Nationalpark in diesem Jahr zum zweiten Mal sein „Junior-Ranger-Programm” an. Ein Jahr lang streifen die Nachwuchs-Ranger dabei regelmäßig mit erfahrenen Nationalpark-Führern durch Wiesen und Wälder des Schutzgebiets und lernen die Tier- und Pflanzenwelt kennen. Das Programm richtet sich an sieben- bis 15-Jährige und kostet pro Person und Jahr 50 Euro. Bewerbungen werden noch bis zum 30. April angenommen.

Kontakt: Nationalpark Eifel

02444/9 51 00

www.nationalpark-eifel.de

„Über 1000 gefährdete Tier- und Pflanzenarten wurden im Nationalpark Eifel bereits nachgewiesen”, berichtet Wetzel. Das ist immerhin fast ein Viertel aller im Schutzgebiet bislang registrierten Flora- und Faunaarten.

Zahlreiche Rundwege sind so angelegt, dass auch Kinder oder Familien mit Kinderwagen an den Wanderungen teilnehmen können. Darüberhinaus gibt es spezielle Angebote für Rollstuhlfahrer.

Ein besonderes Highlight: die Kloster-Route. Die rund fünfstündige Führung ist speziell für erfahrene Wanderer gedacht. Auf verschlungenen, teils sehr steilen und unbefestigten Wegen führen Nationalpark-Ranger die Besucher durch Buchenwälder zur Abtei Mariawald, die um 1475 als Wallfahrtsort entstanden ist. Heute ist sie das einzige Trappistenkloster Deutschlands. Die Klosteranlage selbst kann zwar nicht besichtigt werden, nach Absprache wird Besuchern jedoch eine Dia-Schau angeboten. Außerdem ist die angeschlossene Kirche für Gäste geöffnet.

Auf der anderen Seite des Nationalparks, bei Erkensruhr, wird es dieses Jahr ebenfalls spirituell: „Von Februar bis November organisiert Nationalpark-Seelsorger Georg Toporowsky monatlich eine Wanderung auf dem neuen Schöpfungspfad ‚Dem Leben auf der Spur'”, berichtet Wetzel. Biblische und literarische Texte entlang des rund drei Kilometer langen Pfades laden zum bewussten Wahrnehmen und Meditieren in der Natur ein.

NS-Dokumentationszentrum Vogelsang

Doch nicht nur für Naturliebhaber ist die Region einen Besuch wert. Auch für Geschichtsinteressierte lohnt sich ein Ausflug. Denn umgeben vom Nationalpark Eifel liegt die ehemalige „Ordensburg” Vogelsang, die von den Nationalsozialisten ab 1934 errichtet wurde und der Schulung der künftigen nationalsozialistischen Führungselite dienen sollte. Nachdem das Gebiet rund um die ehemalige „Ordensburg” nach dem Krieg als Truppenübungsplatz genutzt wurde und damit militärisches Sperrgebiet war, stehen die Gebäude heute unter Denkmalschutz und sind seit 2006 für Besucher zugänglich. Interessierte können entweder einem der markierten Rundgänge folgen oder sich einer 90-minütigen Führung durch die Gebäude anschließen. Im Ausstellungsbereich erfahren die Besucher zudem, wie es mit Vogelsang weitergehen soll – nämlich regional und international zugleich.

So ist geplant, Vogelsang bis 2013 zu einem internationalen Lern- und Begegnungsort auszubauen, in dem unter anderem eine regionalgeschichtliche Ausstellung untergebracht wird. An die ehemalige Bestimmung des Ortes wird dann nur noch eine Dokumentation über das nationalsozialistische Ausbildungssystem erinnern.

Tonia Haag

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