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„Schnee ist eine psychologische Sache”

20.02.2010 | 07:00 Uhr
„Schnee ist eine psychologische Sache”

Das Sauerland freut sich über die gute Skisaison. Warum der gefühlte Rekordwinter aber keiner ist, weiß Michael Beckmann

Die Wintersport-Arena Sauerland meldet Schnee satt seit mehr als 50 Tagen. Doch was im Flachland und in den Städten nach Rekordwinter aussieht, „ist auf dem Kahlen Asten nichts Ungewöhnliches”, weiß Michael Beckmann, Vorsitzender der Wintersport-Arena Sauerland.

Herr Beckmann, gefühlt erlebt Deutschland einen Rekordwinter. Auch im Sauerland?

Beckmann: Nein. An die 120 Schneetage vom Vorjahr werden wir nicht herankommen. 90 Betriebstage sind realistisch. Auch die Schneehöhe von 1,50 Meter aus der Saison 2005/2006 ist noch nicht erreicht. Dafür ist es aber einer der kältesten Winter seit langem.

Aber die Saison ist ein Riesenerfolg.

Beckmann: Ja, weil wir bei den Besuchern in diesem Jahr kein Januarloch zu verzeichnen hatten.

Wieso das?

Beckmann: Das ist eine psychologische Sache: Wenn in Köln, Düsseldorf und im Ruhrgebiet Plusgrade herrschen, 6 oder gar 9 Grad Celsius im Dezember, dann können wir noch so viel Werbung machen, es fällt uns schwer die Menschen für Schnee zu begeistern. Liegt aber Schnee in den Städten, dann sind alle in Winterstimmung und wollen von sich aus auf die Bretter. Man glaubt sozusagen ungesehen, dass bei uns ideale Skibedingungen herrschen.

Wie sieht es mit den Besucherzahlen aus?

Michael Beckmann

Beckmann: Besser als im Vorjahr. Genaue Zahlen haben wir zwar noch keine. Aber bedingt durch die konstant gute Schneelage konnten die Betriebe sowohl zu Weihnachten, im Januar als auch jetzt im Februar gute Geschäfte machen. Und jetzt fangen in den Niederlanden die Krokusferien an. Dann sind fast die Hälfte unserer Gäste aus Holland. Über die Saison gesehen machen unsere Nachbarn 30 Prozent der Übernachtungen aus.

Also haben sich die Investitionen der vergangene Jahre gelohnt?

Beckmann: Ja. Private Investoren haben seit dem Jahr 2002 insgesamt 50 Millionen Euro investiert. Möglich geworden ist das aber erst durch einen Masterplan das Landes Nordrhein-Westfalen, das Mittel in Höhe von rund fünf Millionen Euro zur Verbesserung der Infrastruktur zur Verfügung gestellt hat. Das Ergebnis ist aus meiner Sicht eines der erfolg-reichsten touristischen Förderprojekte in NRW.

Was heißt Infrastruktur?

Beckmann: Schneekanonen wurden vom Land selbst nicht bezuschusst. Aber Leitungen und Teiche. 2005 lief die Förderung des Landes dann aus. Aber aus der Privatwirtschaft gehen die Investitionen weiter. Geplant sind weitere Modernisierungen der Liftanlagen, Wellnessangebote und weitere Winterwanderwege.

Meinen Sie denn, dass das Geld gut angelegt ist? Immerhin geht ein Großteil der Klimaexperten davon aus, dass mittelfristig gar kein Wintersport mehr in den Mittelgebirgen möglich sein wird.

Beckmann: Eine Studie der Universität Köln geht davon aus, dass bis 2030 im Winter ausreichend Schnee fallen wird. Auch kalt genug zum Beschneien soll es bleiben. Es geht also weiter. Dieser Winter jedenfalls gibt Grund zu Optimismus.

Christian Leetz

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