Kufen und Leinen fest im Griff
06.01.2010 | 16:16 Uhr 2010-01-06T16:16:00+0100
Nashörnle, Blauhörnchen oder Mörderkufe: Die Rennsaison der Hornschlitten hat begonnen
Mit bis zu 100 Stundenkilometern ins Tal rasen, das ist nur was für den Hackl Schorsch. Von wegen! Jedes Jahr beweisen hunderte Wagemutige in Bayern, Thüringen, im Harz oder Schwarzwald das Gegenteil: bei Hornschlittenrennen. Dabei stürzen sich die Teilnehmer mit einem robusten Holzschlitten unterm Hintern ins Tal. Klar ist dabei nur eins: Irgendwie und irgendwann kommt jeder unten an. Ob man meterweit über eine Sprungschanze fliegt, unterwegs schieben muss oder der Schlitten über die Bahn hinausschießt, ist je nach Rennstrecke unterschiedlich.
Nashörnle, Blauhörnchen oder Mörderkufe nennen sich die Schlitten. Und in den kommenden Tagen starten wieder die mit fantasievollen Namen belegten Schneegleiter, ein Spektakel, das auch tausende von Zuschauern anzieht. Reinhold Schwörer, Leiter der Hornschlittenabteilung des Skiclubs Menzenschwand, organisiert ab Mitte Februar wieder die größten Wettkämpfe der Region. Anmelden kann sich jeder, „der so ein Gefährt besitzt”, sagt er. Rund 50 Herren- und Damenzweier, aber auch gemischte Doppel gehen an den Start. Viele „nur um dabei zu sein”, betont der passionierte Rennleiter. Zwar werde auf Zeit gefahren, „aber die spiele eigentlich keine Rolle”.
Bei ausreichenden Schneeverhältnissen finden in der Saison 2010 folgende Hornschlittenrennen statt (Auskunft bei den Tourist-Informationen):
6. Januar, St. Märgen
07669/91 18 17, www.st-maergen.de
31. Januar, St. Peter
07660/91 02 24
7. Februar, Altglashütten (Feldberg)
07655/80 19
14. Februar, St. Blasien-Menzenschwand
07672/414 30 15.
21. Februar, Waldau bei Titisee-Neustadt
07651/980 40,
28. Februar, Elbenschwand
07629/228.
7. März, Schönwald
07722/86 08 32
14. März, Neustadt
07651/980 40,
21. März, Bühl-Neusatz
07223/93 53 32
Dass es hier nicht allzu ernst zugeht, zeigt auch die Stimmung im Festzelt und abseits der Pisten: Zu Live-Musik, Hornwürsten, Hornschnaps und lokalen Leckereien feuern die Schaulustigen ihre Favoriten an und helfen ihnen, nach oft harmlosen aber auch spektakulär aussehenden Stürzen, wieder auf die Beine.
1975 am Stammtisch nach Vorbildern aus dem Allgäu ausgeheckt, starteten in Menzenschwand vor 35 Jahren die ersten Abfahrtsläufe, erinnert sich der heute 63-Jährige an die damals noch junge Wintersportart. Anfangs fuhren nur alte Schlitten mit denen die Bergbauern bis in die 1920er Jahre Heu und Holz transportierten. Einige besonders wurmstichige, die Jahrzehnte unbeachtet in Scheunen und Tennen vor sich hingerottet hatten, zerbrachen auf der Strecke, lacht Schwörer. Heute sei das anders: Da werden die Schlitten gepflegt und für die neue Saison gewachst. Außerdem „ist ein Team eingespielt”, sagt der aktive 46-jährige Hornschlittenrodler Bernhard Schlegel, der mit seinem elf Jahre älteren Teamkollegen Dieter Böhler jährlich rund fünf Rennen fährt.
Ob in Elbenschwand, im Mittelschwarzwaldörfchen Bühl-Neusatz oder beim Neustädter „Hornochsenrennen” – jedes Jahr von Januar bis März nutzen sie die vielen Möglichkeiten an entsprechenden Events teilzunehmen. Auch in Bayern und in der Schweiz starten in dieser Zeit eine Vielzahl von Rennen.
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