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Großspurig durchs Tölzer Land

06.02.2009 | 11:10 Uhr
Großspurig durchs Tölzer Land

Riesentreter auf dem Vormarsch: Mit Schneeweiß und auf Schneeschuhen in eine verborgene Welt wandern

In diesen Riesentretern folgt man traditionsreichen Fußstapfen: Als Fridtjof Nansen 1888 als erster Mensch Grönland durchquerte, war er überwiegend auf Schneeschuhen unterwegs, ebenso die meisten späteren Expeditionen zu Nord- und Südpol. Vor Jahrhunderten bauten die Inuit in Alaska die großspurigen Gehhilfen aus fellbespanntem Holz, inzwischen sind die Urmaterialien strapazierfähigem Kunststoff oder Aluminium gewichen. Nur 750 Gramm wiegen moderne Schneeschuhe.

Es ist früh morgens an der B 13 ein paar Kilometer südlich von Lenggries. Neben der Straße liegt tief im frisch gefallenen Schnee versunken eine eigene Welt. Am Parkplatz bei der Ortschaft Fleck werden aus dem Kofferraum die Schneeschuhe geangelt und mit den Riemen an den Winterstiefel festgeschnallt. Das genügt als Eintrittskarte in die Welt abseits der ausgetretenen Pfade: In weniger als fünf Minuten ist die Gruppe startfertig.

Wohl wenige Wintersportarten sind so vielfältig und dabei einfach zu erlernen wie das Schneeschuhgehen. Es sind nur ein paar Schritte hinein in den verschneiten Winterwald und schon liegt der Verkehrslärm weit zurück. Die mit Neuschnee beladenen Bäume schaffen eine Atmosphäre tiefer Stille. Im leichten Schnee schwimmen die Schuhe oben und tragen den Läufer. Nach einigen hundert Metern bleibt der Wald zurück und es geht über die verschneiten Wiesen bergauf. Körpergewicht und Schneebeschaffenheit bestimmen die Wahl der geeigneten Schneeschuhe. Einige Modelle lassen sich mit Ansatzstücken verlängern, falls der Schnee besonders pulvrig ist. Die Länge einer Schneeschuhwanderung kann vom Spaziergang bis zur Weitwanderung über mehrere Etappen reichen.

An diesem Morgen ist das Ziel der 1621 Meter hohe Schönberg - eine eher gemütliche Tour, die durch Waldabschnitte und verschneite Wiesen bergauf führt. „So normal wie möglich” sollen sich Wanderer auf den Untersetzern fortbewegen, empfiehlt Experte Christian Schneeweiß. Der Weg geht über in steileres Gelände: Hier ist es ideal, den Hang frontal anzugehen. Die modernen Schneeschuhe sind dazu mit Harschzacken bewehrt, die sich in die Schneedecke klammern.

Im Gegensatz zum Skilanglaufen sind Schneeschuhgeher nicht an Loipen gebunden. Anders als Skitourengeher müssen sie auch keine technisch versierten Abfahrer sein. So bieten Schneeschuhe viele Freiheiten. Gerade diese vielfältigen Einsatzmöglichkeiten führen aber zu der Versuchung, auf eigene Faust in unwegsames Gelände vorzustoßen. Orientierung und Lawinenschutz sollten daher besonders beachtet werden.

Der Blick zurück fällt auf die eigenen Spuren, die sich unten über die Weiten des Hanges ziehen. Hin und wieder durchkreuzt von zierlichen Spuren der Waldbewohner wie Rehen oder Hasen, wirken die überdimensionierten Abdrücke, als hätte sich der Yeti hier seinen Weg durch den Schnee gebahnt. Kurz unterhalb des Gipfels wird es nochmals anspruchsvoll, in engen Kehren geht es in einer Spalte die letzten Meter aufwärts.

Das Kreuz steht am Schönberg nicht auf dem Gipfel, sondern aus unerfindlichen Gründen einige Höhenmeter unterhalb. Dort angekommen gibt es Brotzeit und ein paar Schluck aus der Thermoskanne, dazu den Blick auf das benachbarte Seekarkreuz und die weiter entfernten Doppelgipfel von Ross- und Buchenstein.

Dann geht es ins Tal hinab. Im Abstieg empfiehlt es sich sportlicheren Gehern, im Gleitschritt abwärts zu joggen. Etwas vorsichtigere Läufer überwinden den Abstieg im Zickzackkurs. Wird der Hang zu steil, lässt es sich auch auf dem Hosenboden abfahren.

Info
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Tölzer Land

Anreise: Von Bad Tölz auf der B 13 in Richtung Lenggries. Bei der Ortschaft Fleck links abbiegen Richtung Hohenreuth bis zum Wanderparkplatz.

Reisezeit: Dezember bis März.

Kontakt: Gästeinformation Lenggries, 08042/501 80, www.lenggries.de 

Winterurlaub in Bayern: Tagesaktuelle Schneeberichte der wichtigsten Winterziele Bayerns im Internet unter www.schneebayern.de

Wohl kaum eine andere Wintersportart hat eine so vielschichtige Fangemeinde. Vom Spaziergänger auf weißen Feldern bis zum Sportler. Teils nutzen auch Snowboarder, die abseits der Pisten abfahren möchten, Schneeschuhe als Aufstieghilfe. In vielen Skiorten werden geführte Touren angeboten, die bis ins hochalpine Gebiet führen oder auch Mondscheintouren.

Zum kulinarischen Abschluss bietet sich der Landgasthof Papyrer in Fleck oder eines der Restaurants im nahen Lenggries an. Wer nach ein paar Wanderungen auch sonst richtig auf den Geschmack gekommen ist, dem bleibt als ultimative Herausforderung noch der alljährliche Nordpolmarathon. Der Lauf - Anmeldegebühr 11 900 Euro - führt auf 42,195 Kilometer mit Schneeschuhen bei Temperaturen um minus 25 Grad um den Pol. Der Rekord steht übrigens bei 3 Stunden 36 Minuten 10 Sekunden.

Jochen Hägele

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