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Der Wohlklang der Stille

11.02.2010 | 14:47 Uhr
Der Wohlklang der Stille

Ein Loipenbericht aus den einsamen Weiten des Nationalparks Rondane, wo der Langlauf zur Expedition wird

Wegessicher rauscht Pål-Erik über die Schneefelder Richtung Horizont. Längst ist die befahrbare Straße in unendliches Weiß übergegangen. Das Sichtfeld aus dem Schneetaxi heraus ist auf ein paar Zentimeter freie Frontscheibe beschränkt. Pål-Eriks vierjähriger Sohn Aalen sitzt stolz auf Vaters Schoß, kratzt das Glas unaufhörlich Zentimeter um Zentimeter frei. Gut nur, dass kein Gegenverkehr herrscht und weit und breit kein zweites Taxi auf dieser Strecke zu erwarten ist.

Pål-Eriks Schneetaxi ist eine einzigartige ahrzeugmischung aus Ente und Pistenraupe des Baujahres 1966. Sein Vater hatte das Gefährt vor vielen Jahren eigenhändig aus Kanada mitgebracht. Dort hatte es als Militärfahrzeug in den Gletschergebieten gedient. Deshalb auch ist es nicht nur einfach ein „Taxi” – nein, Pål-Erik redet von seinem „Kanadier” und tätschelt dabei liebevoll das Armaturenbrett. Der gute alte Kanadier bekommt im Nationalpark Rondane sein Gnadenbrot, ist dafür aber noch immer richtig fit auf den Achsen. Mit 160 PS und 20Stundenkilometern bringt er die Skiabenteurer aus der kleinen Hofsiedlung Høvringen am Rand des Nationalparks sechs Kilometer weiter nach Smuksjøseter.

Einsam eingeschneit liegt diese Wanderhütte in den Weiten von Mittelnorwegen, irgendwo im Nirgendwo zwischen Lillehammer und Trondheim. Hier, an der Taxi-Endstation, ist der ideale Einstiegspunkt für Langlauf-Touren durch Norwegens ältesten Nationalpark. Die „Trollløypa” (Troll-Loipe) startet in Rondane, führt quer durch den Nationalpark 170 Kilometer bis nach Trondheim und bietet eine beschauliche Strecke für Mehrtagestrekking. Fürs erste aber soll eine 15 Kilometer lange Tagestour bis zur Siedlung Mysusætter am südlichen Ende des Nationalparks genügen.

Info
Norwegen

Anreise: Mit SAS

01805/11 70 02

www.flysas.com

oder Lufthansa

01805/80 58 05

www.lufthansa.com

nonstop von Düsseldorf nach Oslo. Von dort aus weiter mit dem Flughafenbus, der samstags fährt und vorab gebucht werden muss (0047/6123/37 17) oder mit der Dovrebahn, die täglich zwischen Oslo und Trondheim verkehrt. Ausstieg in Otta, von dort am besten die Abholung per Taxi (0047/6123/05 01 ) oder durch das Hotel vereinbaren.

Veranstalter: Der Skandinavien-Veranstalter „Ski und mehr”

0431/2 59 70 30

www.ski-und-mehr.de

organisert Wintersportreisen u.a. nach Høvringen/ Rondane. Hotelunterkunft z.B. im Berggasthof Oigardseter ab 83 Euro pro Person und Nacht. Wanderhütte Smuksjoseter mit Anfahrt im Schneemobil

0047/ 6123/ 37 19

www.smuksjoseter.no

Kartenmaterial zum Loipennetz gibt es vor Ort am Kiosk oder als Download unter

www.hovringen.no

Kontakt: Norwegischer Fremdenverkehrsverein Hamburg

040/2 29 41 50

www.innovationnorway.no

Schlagartig ändert sich die Perspektive: Einmal auf Skiern, macht sich eine anfänglich unheimliche Stille breit. Das gleichmäßige Klick-Klack der Bretter und das immer wiederkehrende Flupp der Steckenspitzen im harten Frost der Schneedecke führen schnell eine Harmonie der eigenen Bewegung mit dem Rhythmus der Natur herbei. Einmal, einen Tag nur, darf es sich so anfühlen, als könne man auf der Bühne von Scott und Amundsen das Land neu entdecken und für sich erobern. Und vielleicht ja in den Spuren von Feen, Trollen und ähnlichen Geschöpfen das große individuelle Abenteuer finden. Keine Seele, die einem die Weite streitig machen könnte. Nur die eigene, die immer größer wird. Größer, offener, reiner. Und durchgepustet vom kalten Nordwind, der auf der flachen Hochebene unbeirrt seine Wege weht.

Wuchtige Wolken wälzen sich zwischen sanft geschwungenen Hügelformen und Horizont hindurch. Und vielfältige Weißtöne wiegen sich in der leisen Landschaft.

Nach einer Stunde ist das erste Etappenziel erreicht, kann geistig die erste Nationalflagge für die Entdeckung der „Peer Gynt Hytta” gehisst werden. Hier soll sich der Sagensammler Christian Asbjørnsen um 1840 das Märchen erzählt haben lassen, aus dem wenige Jahre später Henrik Ibsen für sein Versdrama „Peer Gynt” schöpfte. Der Sagenheld selbst, so heißt es, habe den Troll Bøygen hier in der Umgebung von Høvringen getroffen.

In der kleinen Steinhütte herrscht Winterruhe, sie ist nur im Sommer geöffnet. Der Reiz des Abenteuers kriecht unaufhaltsam ins Gemüt und schickt den Skiwanderer weiter, ins Innere des Nationalparks, dessen Wege sich langsam auf einer Höhe zwischen 1200 und 1600 Meter einpendeln, während viele Gipfel über 2000 Meter erreichen. Täglich fährt ein Spurgerät die über 100 Loipenkilometer frisch ab. Manchmal umsonst. Der Wind verweht die Spuren oft schnell. Doch selbst dann weisen zahlreiche Stangen und Holztafeln noch den Weg. Das klassische Laufen, wie es der Langläufer sonst in präparierten Loipen gewohnt ist, wird zur wanderähnlichen Fortbewegung, die den Geist zur Ruhe zwingt: Der Atem fährt vom dramatischen Presto ins gemächliche Andante hinab. Und wer sich Mühe gibt, kann dem wohlklingenden Duett von Stille und Einsamkeit lauschen. Etwa vier Stunden später freut sich der Laien-Abenteurer wieder über Anzeichen der Zivilisation: Man hat zwar nicht die Arktis, aber den Nationalpark Rondane durchquert. Man muss auch nicht seine Schlittenhunde oder tiefgefrorenen Wegproviant verzehren, sondern darf bei Elchburger und Preiselbeer-Sirup den Tag am Kamin zu Ende bringen. Allein die Trolle, die man unterwegs gesehen und die Geister, die man besiegt hat – die sind immer noch die gleichen geblieben.

Uta Leidenberger



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