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Mykonos

Der Taxifahrer, der die Mykonos-Promis persönlich kennt

06.04.2013 | 08:30 Uhr
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Der Taxifahrer, der die Mykonos-Promis persönlich kennt

Mykonos.  Mykonos ist das St. Tropez Griechenlands, ein Ort mit hoher Promidichte. Mariah Carey, Mick Jagger oder Anastacia entspannen und feiern regelmäßig auf der Insel. Wer etwas über dieses schöne Eiland erfahren will, sollte sich mit Manolis treffen - dem König der Taxifahrer und Chauffeur der Stars.

Manolis hatte sie nicht erkannt, als sie schräg hinter ihm in seinem schwarzen Mercedes Platz nahm. Lust zu plaudern hatte er an diesem Mittag keine und drehte stattdessen die Musik ein wenig lauter – bis er sich über ihr immer breiteres Lächeln im Rückspiegel wunderte und sie ihm plötzlich doch irgendwie bekannt vorkam. Er hörte Mariah Carey „I´ll be there“ aus dem Radio singen – und sie saß leibhaftig hinter ihm. Beide lachten. Und plötzlich hatte er doch Lust auf Smalltalk, aufs Charmantsein, auf Späßchen. Es muss gut angekommen sein. Denn am Abend brauchte sie wieder ein Taxi. Und in der Nacht. Und immer fragte sie nach Manolis.

Der Mann mit dem grauen Haar, mit blütenweißem Hemd und Jeans ist so etwas wie der König der Taxifahrer von Mykonos. Weniger als 30 Fahrer gibt es auf der Insel. Manolis ist hier geboren, sitzt seit über 30 Jahren hinterm Steuer. Es gibt keinen Feldweg, den er nicht kennt, keine Abkürzung, die ihm unbekannt wäre. Seinen Nachnamen hat er längst abgeschafft, auch auf der Visitenkarte steht nur „Manolis“. Und die Telefonnummer.

Er erzählt die Mariah-Carey-Story mit einem Lachen: „Du kannst sie nicht alle erkennen. Es sind so viele. Und sie sehen oft ganz anders aus als im Fernsehen.“ Plötzlich klingelt das Handy: Mariah am Apparat. Ein Wagen zur Ferienvilla nach Agios Ioánnis, in zehn Minuten. Bitte Manolis selbst. Geht klar.

Mykonos ist so etwas wie das St. Tropez Griechenlands. Das Edel-Ibiza der Kykladen. Ein Eiland ohne viele Regeln. 85 Quadratkilometer Stein und Strand und Kubus-Häuschen im östlichen Mittelmeer. Wo sich niemand umdreht, wenn zwei Männer Händchen halten, zwei Frauen sich küssen oder Bikini-und-Badehosen-Familien es sich ausgerechnet am Nudistenstrand gemütlich machen. Die Insulaner hatten genügend Zeit, sich an alles zu gewöhnen: Seit den 1960er-Jahren ist Mykonos eine Ferieninsel.

Wohin Manolis sie jeden Tag fährt? Vom Hotel zum Surf-Strand bei Panormos, vom Shopping in Mykonos-Stadt zum Baden an den Kalafáti Beach. Und von dort zum Feiern zurück in die Stadt.

Immer dort sein, wo am meisten los ist

Wer auf Mykonos Urlaub macht, ist viel unterwegs: um immer dort zu sein, wo gerade am meisten los ist. Was das für Leute sind? „Stars, arabische Prinzessinnen, Millionäre. Leute wie Du und ich.“ Er lacht. In Wirklichkeit sind die Normalen auch in der Hochsaison in der Mehrheit. „Aber die Promis fallen mehr auf“, grinst Manolis.

Sharon Stone und Roman Polanski kommen zum Feiern, Anastacia und Mick Jagger zählen zu den Stammgästen, halb Hollywood und jede Menge italienische und französische Stars, dazu die Truppen aus den Klatschpostillen mit Gloria Estefan, Roberto Cavalli und Co. Sie lieben die engen Gassen in Mykonos-Stadt mit den schrillen Boutiquen, den stylishen Bars, den stimmungsvollen Innenhof-Restaurants wie das „Chez Maria´s Garden“.

404 051 Kilometer zeigt der Tacho von Manolis Mercedes. Alles gefahren auf einer Insel, die vom äußersten einen zum entferntesten anderen Punkt in der Länge 14 und in der Breite 8,5 Kilometer misst. Und die das Fahrzeug nach der Anlieferung als Neuwagen vor fünf Jahren nie wieder verlassen hat. Mykonos bringt es gerade mal auf ein Straßennetz von gut 300 Kilometern – manchen Feldweg mitgezählt.

Und fast immer kann Manolis spät aufstehen und morgens lange im Kafeníon am Hafen mit Blick auf die Windmühlen sitzen und einen Kafé Métrio nach dem anderen trinken. Und er kann endlich plaudern, ohne dass sein Handy dauernd klingelt. Denn erst gegen Mittag erwacht Mykonos während der Saison, richtig Schwung ins Geschehen kommt erst am Nachmittag.

Mitte September ist der Rummel auf einen Schlag vorbei. Die meisten Hotels schließen im Oktober. Manolis nippt an seinem Kaffee, bestellt süßen Kuchen und lehnt sich zurück: „Dann kannst Du das Summen der Bienen hören, Du riechst die Blumen. Und Du schaust Dich erschreckt um, wenn eine reife Orange herunterfällt.“ Weil aus keiner Musikbox, aus keinem Autoradio mehr Frau Carey, Herr Jagger oder Anastacia Songs schmettern...

Helge Sobik

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