Cowboy hütet Winterurlauber auf seiner "Dude-Ranch"

Was wir bereits wissen
Auch im Wilden Westen kann es mitunter knackig kalt werden. Doch auch dann kommen zahlreiche Urlauber auf die Dude-Ranch von Cowboy Bill Fisher.

Granby.. Auch Cowboys kriegen kalte Ohren. Armer Bill! Weiße Flocken schweben auf die breite Krempe seines Hutes und bleiben in kleinen Häufchen liegen. Doch Bill Fisher grinst nur, hängt den Hut an den Nagel und schnappt sich eine Schirmkappe mit Ohrenklappen. Der drahtige Mittsechziger mit kantigem Kinn und Wangengrübchen ist noch immer Chef-Cowboy auf der C Lazy U Ranch in Granby, zwei Autostunden nordwestlich von Denver. Hier war einmal ordentlich Ranchbetrieb. Heute sind keine Rinder mehr zu hüten, sondern Feriengäste. Wenn widerspenstige Salbeibüsche durch die glitzernde Schneedecke stechen, ist lediglich eine Handvoll hoffnungsloser Ranch-Romantiker mit den Cowboys unter sich.

Nicht auf Besucherwellen vorbereitet

Schon in den Zwanzigern sattelten die ersten C-Lazy-U-Besitzer auf das Konzept "Dude Ranch" um. Aber was ist überhaupt ein Dude? "Ein Stadtmensch wie du, der vom Landleben keinen Schimmer hat", sagt Bill. Angelockt von abenteuerlichen Geschichten über tapfere Indianer, tollkühne Revolverhelden und staubige Weite, suchten Möchtegern-Cowboys schon vor 100 Jahren Abstand zu den grauen Steinwüsten der Ostküste. Massenhaft rollten sie in Transkontinentalzügen gen Wilden Westen. Dort war man auf die Besucherwellen nicht vorbereitet. Die paar Hotels waren schnell ausgebucht. Rancher wurden mit Anfragen überhäuft, auch die C Lazy U, wo man geschäftstüchtig ausbaute. Heute umringt eine Reihe Blockhäuschen die Hauptlodge. Es gibt Ställe und Reithalle, Eishockey-Teich und Whirlpool, dazu Feinschmeckerkost und Spa mit Massagen für gestresste Reiterpopos. Viele Ranches sind mehr Resort als rustikal.

[kein Linktext vorhanden] Die meisten der 185 Pferde stehen zwischen Raureif verhüllten Weidenbüschen, die den zugefrorenen Willow Creek säumen. In langen Reihen stapfen die Tiere hinter dem Futterschlitten her. Cowboy Garrett Brauer - er trägt eine Wollmütze - wirft die Heuballen runter. Nachmittags hat der Trecker Pause. Fred und Barney, die mächtigen Belgischen Kaltblüter, ziehen einen roten Holzschlitten. In Decken gewickelte Wintergäste sitzen drin. Andere schlittern lieber selber und rasen auf Rennrodeln die verschneite Zuwegung runter oder lassen sich per Snowmobil auf mit Luft gefüllten Snow Tubes den Hausberg raufziehen.

Doch Reiten kann man immer noch, ganz einfach, hinauf zum Hausberg der Ranch, einer Ansammlung kurioser Felsnasen. Vorsichtig treten die Pferde in die Stapfen des Vordertieres. Es schneit aus eisgrauem Himmel. Leise ist es hier oben, nur der Schnee knirscht. Weit weg scheint die Welt mit ihren Wirren. Ob echter Cowboyhut oder Wollmütze, das ist egal: Der Winterwind pustet den Kopf frei. Deswegen sind die "Dudes" hier.(dpa)