Costa-Kapitän Schettino bezeichnet Schiffsunglück als "banalen Unfall"

Im Januar lief die "Costa Concordia" vor der Insel Giglio auf Grund und kenterte. Mehr als 30 Menschen starben.
Im Januar lief die "Costa Concordia" vor der Insel Giglio auf Grund und kenterte. Mehr als 30 Menschen starben.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Die folgenschwere Havarie der "Costa Concordia" im Januar, bei der mehr als 30 Menschen starben, war in den Augen von Kapitän Francesco Schettino ein "banaler Unfall". Er sehe sich selbst als "Opfer des Systems", sagte Schettino in seinem ersten Interview nach dem Unglück.

Rom.. Der Kapitän des vor der italienischen Küste gekenterten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" hat das Unglück als "banalen Unfall" bezeichnet. "Es war ein banaler Unfall, der wegen des Zusammenspiels menschlicher Handlungen tödliche Folgen hatte", sagte Francesco Schettino am Dienstagabend in seinem ersten Interview seit dem Unglück vor einem halben Jahr.

Er sei selbst "Opfer des Systems" und glaube nicht, "ein Verbrechen begangen zu haben", sagte Schettino dem Privatsender Canale 5. Dennoch laste das "Gewicht der 32 Todesopfer" auf seinem Gewissen, und er wolle "alle um Vergebung bitten".

Schettino soll fürs Interview 50.000 Euro erhalten haben

Die Costa Concordia war am 13. Januar mit über 4000 Menschen an Bord vor der Toskana-Insel Giglio auf einen Felsen gelaufen und gekentert, 32 Menschen kamen ums Leben. Schettino soll das Unglück verursacht haben, weil er zu nah an die Küste von Giglio heranfuhr. Anschließend soll er die Evakuierung verzögert und das Schiff vorzeitig verlassen haben.

Vor einer Woche wurde er aus dem Hausarrest entlassen, sein Redeverbot gegenüber den Medien wurde aufgehoben. Für das Fernsehinterview soll er italienischen Medienberichten zufolge 50.000 Euro erhalten haben, der Sender dementiert dies allerdings.

"Costa Concordia"-Kapitän wurde durch Anruf abgelenkt

In dem Interview sagte Schettino weiter, er sei zum Zeitpunkt des Unglücks von einem Telefonanruf abgelenkt worden. Doch hätten andere Crew-Mitglieder sehen müssen, wie nah das Schiff bereits an den Felsen vor der Insel gewesen sei: "Es war, als hätten alle Gehirne und Instrumente an Bord einen Kurzschluss gehabt". Er wolle, dass die ganze Wahrheit über das Unglück ans Tageslicht komme, versicherte Schettino.

In einer ersten Reaktion zeigte sich der ermittelnde Staatsanwalt Francesco Verusio verärgert über die "Lügen" des Unglückskapitäns. Die Geschehnisse auf der Brücke sprächen eine deutliche Sprache, sagte der Ermittler der Zeitung "La Stampa". Nach seiner Festnahme habe Schettino noch gesagt, er habe eine Dummheit begangen und jetzt stelle er sich als perfekter Schiffsführer dar - "das ist einfach unglaublich", sagte Verusio. In dem Interview bekräftigte Schettino, er habe mit "Gottes Hilfe" durch ein rasches Manöver Schlimmeres verhindert. (afp)