Check-In zur Kreuzfahrt - Willkommen in der Servicewüste
13.02.2012 | 08:47 Uhr 2012-02-13T08:47:00+0100
Essen.Stundenlanges Warten in kalten Terminalhallen, kein Café weit und breit. In amerikanischen Häfen können Check-In und Einschiffung zeitlich weit auseinanderliegen. Die Schalter sind zwar meist schon recht früh geöffnet, lange bevor man das Schiff wirklich betreten kann. Es gelten jedoch auch in den Häfen der USA strengere Sicherheitsvorschriften, so dass grundsätzlich erst alle Passagiere der vorigen Kreuzfahrt das Schiff verlassen haben müssen, bevor neue Gäste einsteigen dürfen.
In den USA ist es immer etwas aufwendiger, bestätigt auch Hapag Lloyd. Kommt das Schiff also mit Verspätung an oder zieht sich die Zollabfertigung länger als gewöhnlich hin, kann man zwar schon einchecken, wartet dann aber noch eine Weile, bis man an Bord darf. Nicht unbedingt das, was man sich unter einem schnellen Check-In vorstellt.
Die Reedereien verweisen bei Anfragen zu Wartezeiten beim Einchecken meist aber auf die Größe des jeweiligen Hafens und der dort gebotenen Logistik. In den meisten Fällen werden die Kreuzfahrtterminals nämlich von den Häfen betrieben, wie Monika Richter von MSC erläutert. Da variiere auch das Angebot an Shops und Cafés sehr stark.
In Dubai wird alles größer und größer
In Venedig gehört das Terminal der italienischen Reederei. So wird zur Überbrückung der Wartezeit für die Gäste ein Shuttle-Service zum Markusplatz angeboten. Und im Gebäude ist ein Café. Sebastian Ahrens von Hapag-Lloyd erkennt allerdings keinen Trend, dass Kreuzfahrtterminals zukünftig große Einkaufsmöglichkeiten bieten werden – wie zum Beispiel Flughäfen. „Gäste sollten sich so kurz wie möglich im Terminal aufhalten“, findet er.
Ein Blick in die Emirate: Dubai gehe, was einen Terminal der Zukunft betrifft, mit gutem Beispiel voran, meint Alexa Hüner von Tui Cruises: „Viel Fläche für einen individuellen Check-In, Cafés, eine gute Ausschilderung, Personenleitsysteme und ausreichende sanitäre Anlagen.“ Dort dauere der Check-In meist nur fünf bis 15 Minuten. Und der Terminal wird größer und größer: Bis Ende des Jahres soll das 3450 Quadratmeter große Cruise Terminal erweitert werden – und dann über eine Kapazität für die gleichzeitige Abwicklung von sechs Kreuzfahrtdampfern verfügen.
Derzeit kann Dubai parallel vier Schiffe abfertigen. Geträumt wird jedoch bereits von Platz für sieben Dampfer gleichzeitig. Jeder dritte Passagier kommt in der Wüstenstadt aus Deutschland: Aida und Costa bieten bereits seit 2006 wöchentliche Kreuzfahrten ab Dubai im Arabischen Golf an, Tui Cruises wird dieses Jahr dazu kommen.
Bessere Beförderungsmöglichkeiten schaffen
In Dubai wie in Kiel ist die Abfertigung eines Kreuzfahrtdampfers eine komplexe logistische Leistung. Sie bedarf daher klar definierter Prozessabläufe für Passagiere und Gepäck wie auch für Versorgungsgüter. Der Umschlag an einem Schiff entspricht schon zurzeit etwa zehn bis zwölf Jumbo-Fliegern (bei 250 Tonnen Ladung pro Dampfer). Und die Schiffe werden immer größer. „Klar strukturierte Abläufe gibt es jedoch leider bisher bei den wenigsten Reedereien“, meint Stefan Behn, Vorstandschef vom Hamburg Cruise Center. Er plädiert dafür, dass Reedereien und Häfen zukünftig noch mehr an einem Strang ziehen sollten.
Generell gibt es aber bei den Reedereien Bestrebungen, den Service in den Terminals der Abfahrtshäfen zu verbessern. Bei Hapag Lloyd vor allem hinsichtlich der Gepäcklogistik und der Passagiertransfers.
„Hier gilt es, bessere und schnellere Beförderungsmöglichkeiten zu schaffen, um im Passagieraustausch noch serviceorientierter zu sein“, erklärt die Hamburger Reederei.
Kaum Wartezeiten beim Check-In in Kiel
Ein 2800-Passagiere-Schiff hat im Vergleich ein Gepäckvolumen von sieben bis acht Boeing 747 – eine ordentliche Menge, die es zu bewältigen gilt. Wenn 60 Busse ankommen, müsse einfach geschaut werden, so Ahrens von Hapag Lloyd, dass die An- und Abfahrtswege so optimal wie möglich sind. Die direkte Innenstadtlage in Kiel ist ein positives Beispiel: Die Passagiere brauchen quasi nur die Straße zu überqueren, um vom Bahnhof zum 2500 Quadratmeter großen Terminal zu gelangen.
„12.000 Passagiere können bei uns täglich abgefertigt werden“, weiß Ulf Jahnke vom Seehafen Kiel. Meist lassen die Reedereien ihre Gäste schon vormittags an Bord, so dass kaum Wartezeiten beim Check-In entstehen würden. Und wenn es doch etwas länger dauert: Kiel arbeitet derzeit mit Schleswig-Holstein daran, die Informationsmöglichkeiten im Terminal über touristische Attraktionen vor Ort wie im Land zu verbessern.
Nicht jeder Ort kann allerdings gleich gute Abfertigungskapazitäten bieten, manche nennen da Travemünde. Die Häfen prüfen natürlich die Wirtschaftlichkeit: Das Kreuzfahrtgeschäft betrifft eine eng kalkulierte Saison, große Investitionen müssen sich da rentieren – und auch genügend Touristen in die Stadt bringen. Da kalkuliert eine Großstadt wie Hamburg ganz anders als Travemünde, da sie – touristisch gesehen – anders aufgestellt ist. Viele Faktoren, die das Thema Service im Terminal beeinflussen.
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