Busreisen als Wirtschaftsfaktor
07.02.2012 | 09:20 Uhr 2012-02-07T09:20:00+0100
Essen. Busreisen gehören längst noch nicht der Vergangenheit an, gerade für Kurzreisen und bei älteren Menschen sind Reisen mit dem Bus weiterhin beliebt. Wir sprachen mit Bastian Roet vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer über Trends.
Die Bustouristik ist ein Wirtschaftsfaktor: Über zehn Milliarden Euro wurden laut Statistischem Bundesamt 2011 durch Bustourismus in Deutschland brutto umgesetzt – von den Zusatzausgaben bei Busreisen im Zielgebiet bis hin zu Transferkosten zum Abfahrtsort und wieder nach Hause.
Vor allem ältere Menschen gehen gern mit dem Bus auf Reisen, das Durchschnittsalter beträgt 55,7 Jahre. Über den demografischen Wandel, neueste Trends und die Konkurrenz mit den Billigfliegern sprachen wir mit Bastian Roet, Referent für Wirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO).
Wo sehen Sie die aktuellen Trends in der Busreisebranche?
Bastian Roet: Neben dem Trend zum Deutschlandtourismus haben bustouristische Kurzreisen nach wie vor ein großes Erfolgspotenzial. Gerade für den boomenden Städte- und Kulturtourismus sowie Musical- und Eventreisen sind Reisebusse als flexibles und umweltfreundliches Verkehrsmittel unverzichtbar. Busurlauber wollen nicht mehr lange umherfahren. Die Busbetriebe profitieren stattdessen davon, dass der Kurztrip in die Nachbarstadt oder eine Wochenendreise in den Harz oder die Hauptstadt wieder beliebt sind. Außerdem gibt es eine Tendenz zu kleineren Busgruppen.
Worin liegen Ihrer Meinung nach die Vorzüge des Reisebusses als Verkehrsmittel?
Einmal mehr sieht sich die Busbranche von der Politik ausgebremst. Die Neuregelung, dass viele deutsche Innenstädte seit Anfang des Jahres nur noch von Reisebussen mit grüner Plakette angesteuert werden dürfen, sorgt für Verdruss und Frust. Denn anders als bei den Pkw werden überhaupt erst seit dem Jahr 2006 Dieselmotoren in Bussen verbaut, die die heute geforderte Schadstoffnorm erfüllen. Entsprechend hoch ist der Anteil der Fahrzeuge, die heute keine grüne Plakette haben. Viele Unternehmer könne es sich schlicht nicht leisten, einen gerade einmal sieben Jahre alten Reisebus auszumustern.
Als fast schon diskriminierend muss man in diesem Zusammenhang die Entscheidung der Stadt Berlin sehen, deutschen Bussen mit Euro-III-Motoren die Einfahrt zu verwehren, für ausländische Busse – etwa aus Polen oder der Ukraine – aber eine Ausnahmeregelung bis 2014 zu geben. In anderen Städten gibt es zudem großzügige Ausnahmen für uralte Busse, die für die Beförderung von Schulklassen eingesetzt werden.
Logisch und fair ist das alles nicht. Zumal man immer sehen muss, dass ein Reisebus letztlich eine Vielzahl von Autos ersetzt. Perspektivisch mögen die Umweltzonen in den Innenstädten Sinn machen. Doch der Weg dorthin sollte so gestaltet werden, dass keine Existenzen auf der Strecke bleiben. (Pascal Brückmann)
Roet: Die große Stärke des Reisebusses liegt in seiner Flexibilität: Busse können überall eingesetzt werden und erreichen viele Orte und Landschaften bequem, ohne dass für die Besucher ein Umsteigen und Gepäcktransport notwendig werden. Das macht sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels doppelt bezahlt. In Zeiten steigender Treibstoffkosten und angesichts der Notwendigkeit zum Klimaschutz verfügt der Bus zudem über einen starken Umweltbonus und langfristige Entwicklungschancen.
Wohin fahren die Kunden zurzeit gerne?
Roet: In Deutschland bleibt Berlin weiterhin ungeschlagenes Städtereiseziel. Italien ist führend bei Europareisen.
Gibt es Innovationen bei der Bustouristik oder neuartige Angebote?
Roet: Insbesondere mit neuen Angeboten im Bereich Gesundheits- und Wellnesstourismus, Wandertouren und Fahrradreisen wollen die Bustouristiker den Reisemarkt erobern. Die Gesundheitsorientierung der Deutschen wird seitens der Busunternehmen mit Reisethemen auf dem Gebiet von Nordic Walking und ärztlicher Beratung unterstützt. Gerade die näheren Urlaubsregionen wie Südtirol, Deutschland und Österreich punkten verstärkt bei den Wellnessurlauben . Bei den Sport- und Fitnessreisen darf sich auch die Schweiz zu den Gewinnern zählen. In diesem Zusammenhang werden die angebotenen Reiseziele zunehmend grüner und sauberer. Ausgangspunkte zum Wandern oder Radfahren an den herrlichsten Orten lassen sich hier mit dem Bus gut erreichen.
Wie verhält es sich mit der Preisentwicklung? Geht der Trend eher in Richtung billig? Oder darf es auch mal etwas teurer sein?
Roet: Einen gewissen „Preiswert“-Trend sehen die Touristiker in der Zunahme von Schnäppchenreisen. Es handelt sich bei diesem Trend allerdings um den Wunsch nach qualitativ hochwertigen Sonderangeboten, denn die Busreisegäste werden immer anspruchsvoller.
Können die Busunternehmen künftig wieder Marktanteile von den Billigfliegern zurückerobern?
Roet: Es gibt sicher Ziele, für die der Bus wieder eine größere Rolle spielen wird. Der Aspekt des umweltfreundlicheren Denkens, aber auch der Kostenfaktor werden dazu beitragen, dass man vor allem bei innerdeutschen Strecken oder anderen Kurzreisen den Bus dem Flugzeug vorzieht. Das wird sich jedoch auf eine Zielgruppe beschränken, bei der Zeit nicht der entscheidende Faktor ist.
Welche Argumente können die Unternehmer noch anführen?
Roet: Nicht außer Acht zu lassen ist auch die Möglichkeit des barrierefreien und barrierearmen Reisens . Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels kommt diesem Sektor eine stetig steigende Bedeutung zu. Der Bus kann hier als bequemes und flexibles Verkehrsmittel punkten. Für sehr lange Strecken ist es jedoch eher unwahrscheinlich, dass der Bus in steigendem Maße eine Alternative darstellt. Hier bleibt aber die Preisentwicklung der Billigflieger abzuwarten. So billig sind diese nicht – und sie werden durchaus immer teurer.
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