Busreise-Veranstalter auf der Jagd nach neuen Zielgruppen
02.02.2012 | 16:26 Uhr 2012-02-02T16:26:00+0100
Essen. Beim Motorradfahren ist der Weg das Ziel, beim Fliegen das Ziel selbst. Busreisen sind eine Mischung aus beidem. Möglich ist heutzutage vieles an Bord - erlaubt aber nicht alles. Was die Unternehmer tun, um neue Zielgruppen zu erschließen.
Im Gegensatz zu anderen Trips ist bei einer Busreise die Fahrt schon Teil des Erlebnisses. Das zumindest findet Dieter Gauf, Hauptgeschäftsführer des Internationalen Bustouristik Verbandes (RDA) : „Das ,Erfahren’ von Land und Leuten ist wesentlicher Bestandteil der Gesellschaftsreise.“ Während dies schon immer der Fall gewesen sei, habe sich ein Umstand allerdings grundlegend geändert: „Die Touristen von heute sind ausgeprägte Individualisten.“
Eine Entwicklung, auf welche die Busreisebranche mit differenzierten Angeboten für jedes Alter und fast jeden Lifestyle reagiere. So erschließe sich den Anbietern ein ganz neues Publikum.
Vor dem gefürchteten Lagerkoller, der durch die dauerhafte Gesellschaft der Mitreisenden verursacht wird, brauchen sich seiner Meinung nach auch Individualisten nicht zu fürchten: Wie in anderen Lebenssituationen auch beruhe das Funktionieren der Interimsgemeinschaft auf Rücksichtnahme und Toleranz.
Regelmäßige Pausen
Außerdem habe man „ein gemeinsames Ziel, vergleichbare Interessen und damit auch schon einmal Gesprächsstoff“. Sollte dennoch ein Passagier für Irritationen sorgen, gelten dieselben Regeln wie auch am Arbeitsplatz, im Fußballstadion oder in der Oper: „Weisen Sie denjenigen darauf hin, dass sein Verhalten störend ist, und bitten ihn höflich um Abhilfe.“
Ohnehin bietet der Komfortbus der Gegenwart neben dem Blick aus dem Panoramafenster reichlich andere Ablenkung. „Bereits die Anreise“, sagt Gauf, „wird zum Besuch eines Konzertsaales, eines Freizeitparks oder auch des Urlaubsortes.“
Möglich macht das die moderne Unterhaltungselektronik. Und diese beschränkt sich nicht mehr nur auf Spielfilme oder Dokumentationen, die über Bildschirme flimmern. Vielmehr können die Passagiere während der Fahrt ihren Laptop anschließen, das Mobiltelefon aufladen und sich ins Internet einloggen. W-Lan-Hotspots, Spielekonsolen und „Blu Ray“-Abspielgeräte sorgen für Vielfalt. Dabei aber sei eines nicht zu vergessen: „Die fahrbegleitenden Kommentare der Reiseleitung zu Route und Ziel.“
Wer noch nie einen Pauschalurlaub im Bus gemacht hat, dem empfiehlt Gauf die Beachtung einiger Grundsätze. So könne trotz individuell regulierbarer Klimaanlage ein leichter Schal oder ein so genanntes „Nackenhörnchen“ im Handgepäck sinnvoll sein. Eigenen Proviant müssen die Urlauber in der Regel nicht mitnehmen, denn Drinks und Snacks sind in der Bordküche vorhanden. Bei immer mehr Bussen seien auch ein Steward oder eine Stewardess an Bord. In den entsprechenden Bussen ist zudem das Platzangebot großzügiger.
Alkohol erlaubt, Rauchen nicht
Der Konsum von Alkohol an Bord ist generell erlaubt. In den meisten Bordküchen werden neben Softdrinks auch Bier, Sekt-Piccolos und Spirituosen angeboten. Für Raucher ist die Lage weniger entspannt: „Das ist in einem geschlossenen Raum heute nicht mehr zeitgemäß“, sagt Gauf. Regelmäßige Pausen allerdings ermöglichen einen limitierten Tabakkonsum.
Für die Fahrer übrigens herrschen diesbezüglich rigorose Vorschriften: Sie müssen nach einer Lenkzeit von 4,5 Stunden die Fahrt für mindestens 45 Minuten unterbrechen. Viele Fahrer allerdings machen von der Möglichkeit Gebrauch, die Ruhezeit auf jeweils eine 15 und eine 30 Minuten dauernde Pause zu verteilen. Da diese häufig an Raststätten eingelegt werden, bestehen unterwegs oft Möglichkeiten zum Einkehren und Einkaufen.
Und auch wenn fast alle Busse mit Bord-Toiletten ausgestattet sind, gilt laut Gauf, dass im dringenden Bedarfsfall bei der Reiseleitung oder auch beim Fahrer ein zusätzlicher Stopp durchaus angefragt werden kann.
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