Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Reise

Blick in andere Lebenswelten

24.10.2012 | 07:07 Uhr
Foto: /dapd/Thomas Lohnes

Land und Leute kennenzulernen, ist für viele ein wichtiges Reisemotiv. Man will nicht nur am Strand entspannen, sondern auch einen Einblick in die Kultur des fernen Reiselandes bekommen. Immer häufiger gehört dazu auch der Besuch von Armenvierteln, die in vielen Großstädten dieser Welt existieren. Dafür gibt es sogar einen eigenen Begriff: Slumtourismus.

Berlin (dapd). Land und Leute kennenzulernen, ist für viele ein wichtiges Reisemotiv. Man will nicht nur am Strand entspannen, sondern auch einen Einblick in die Kultur des fernen Reiselandes bekommen. Immer häufiger gehört dazu auch der Besuch von Armenvierteln, die in vielen Großstädten dieser Welt existieren. Dafür gibt es sogar einen eigenen Begriff: Slumtourismus. "Generell ist es zu begrüßen, wenn Urlauber sich für die Lebensrealität des bereisten Landes interessieren", sagt Antje Monshausen von Tourism-Watch, einer Arbeitsstelle des Hilfswerks Brot für die Welt in Berlin. Und zu dieser gehören eben nicht nur die sogenannten schönen Seiten mit schicken Hotels und Palmenstränden, wie sie in den Reisekatalogen präsentiert werden.

Urlauber sollten diese Viertel jedoch möglichst nicht alleine besuchen, sagt Monshausen: "Ein lokaler Führer hilft dabei, diese andere Lebensrealität zu verstehen und Gesehenes einordnen zu können." Sonst bestehe die Gefahr, dass sich nur Klischees verfestigen. Während es beispielsweise für den Besucher so aussehe, als würden die Anwohner in einem Café die Zeit totschlagen, könne sich dort tatsächlich auch die lokale Arbeitsvermittlung befinden: "Was Urlauber in den ärmeren Vierteln beobachten, lässt sich in der Regel nicht eins zu eins in ihre eigene Erfahrungswelt übertragen." Ein weiterer Vorteil sei, dass durch einen lokalen Führer Begegnungen und Gespräche möglich werden, die man alleine kaum erleben würde.

Touren in Kooperation mit den Anwohnern

Die Tourismusexpertin von Brot für die Welt empfiehlt, sich möglichst schon vor der Reise zu überlegen, ob man einen Slum oder ein Armenviertel besuchen möchte, und sich über das Leben dort und die Angebote für einen Besuch zu informieren. Geführte Touren sollten in Kooperation mit den Anwohnern entwickelt und organisiert worden sein. "Wer eine solche Tour machen möchte, sollte darauf achten, dass die Menschen vor Ort integriert sind und nicht nur vorgezeigt werden", betont Monshausen. Es sei außerdem wichtig, dass die Anwohner selbst bestimmen können, wie viel sie aus ihrem Leben zu zeigen bereit sind. Die Gewinne aus den Touren sollten nicht nur an einen Veranstalter von außerhalb fließen. Ein Restaurantbesuch während der Tour oder ein Einkauf bei ortsansässigen Händlern könne beispielsweise dabei helfen, dass mehr Menschen von dem Besuch profitieren, sagt Monshausen.

Respektvoll handeln

Wichtig sei außerdem, dass der Veranstalter oder der lokale Führer mit Rat und Tat zur Seite stehen und schon vor der Tour möglichst viele Informationen geben. Auch darüber, wie man sich als Besucher gegenüber den Anwohnern respektvoll verhält: "Wird beispielsweise eine Familie besucht, sollte vorher geklärt werden, wie viel Einblick diese den Fremden in ihr Privatleben geben möchte", erläutert Monshausen. Besucher und Anwohner sollten sich immer auf Augenhöhe begegnen. Sensibel muss man in diesem Zusammenhang auch mit der Kamera umgehen: Vor jedem Foto von Menschen oder deren Zuhause steht die Bitte um Erlaubnis.

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

 
Fotos und Videos
Im Privatjet in 19 Tagen um die Welt
Bildgalerie
Fotostrecke
Kulturhauptstadt Pilsen
Bildgalerie
Fotostrecke
Faszination Völklinger Hütte
Bildgalerie
Fotostrecke
Impressionen der Weihnachtsmärkte
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Tiere und Natur - Warum die Deutschen auf Nordamerika stehen
USA
Nordamerika boomt. Während in den USA vor allem die Klassiker wie Städtetrips und Nationalparkbesuche gefragt sind, lockt Kanada zunehmend Outdoor-Urlauber an. Per Illian, Produktchef bei Dertour und ADAC Reisen, spricht über die Faszination, die der Kontinent noch immer auf Touristen ausübt.
Sinnvolle Hilfe für streunende Katzen und Hunde an Hotels
Kommentar
Damit rumstreunenden Katzen und Hunden an Hotels wirklich geholfen wird, hat sich TUI-Umweltmanager Harald Zeiss ein Projekt ausgedacht, durch das die wilden Tiere dauerhafte Bewohner in Hotel- und Ferienanlagen werden können.
Rotterdam erweitert Metronetz bis zum Strand
Städtereise
Besucher der niederländischen Stadt Rotterdam können demnächst eine klassische Städtereise mit einem Urlaub am Meer verbinden. Die Stadtverwaltung will den Strand an das Metronetzwerk der Großstadt anschließen. Bis 2018 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
New York baut Telefonzellen zu WLAN-Hotspots um
Internet
Die Telefonzelle hat in New York bald ausgedient. Bürgermeister Bill de Blasio will sie in WLAN-Hotspots umwandeln. Die rund 10.000 Stationen sollen Touristen und Einwohner kostenlosen und schnellen Zugang ins Netz bieten.
Wegen Insolvenz - Zwei Reisen mit MS "Deutschland" abgesagt
Traumschiff
Das Traumschiff, die MS "Deutschland", wird zwei geplante Reisen nicht antreten können. Wegen der vorläufigen Insolvenz sagte die Reederei Peter Deilmann die Fahrten vom 7. bis 12. sowie vom 12. bis 18. Dezember ab. Gäste bekommen ihre Reisekosten zurückerstattet - dies kann aber vier Wochen dauern.