Bei Hochdruck auf Hochtouren - das höchste Café Österreichs

Einen herrlichen Blick auf die schöne Gletscherlandschaft bekommt man von der Aussichtsplattform des Cafés.
Einen herrlichen Blick auf die schöne Gletscherlandschaft bekommt man von der Aussichtsplattform des Cafés.
Foto: Daniel Zangerl
Das Café 3440 ist das höchste Café Österreichs. Es liegt auf 3440 Metern Höhe und entstand zusammen mit der neuen Wildkogelbahn auf dem Pitztaler Gletscher – natürlich die höchste Gondelbahn Österreichs.

Essen.. Biskuit mag kein schlechtes Wetter. Wenn der Luftdruck sinkt, sackt der Biskuitboden in sich zusammen – jedenfalls auf dem Pitztaler Gletscher auf 3000 Metern Höhe. Also produziert Norbert Santeler bei Hochdruck auf Hochtouren. Santeler ist damit wahrscheinlich der einzige Bäcker, der nach Wetterbericht backt. Die Böden werden eingefroren, als Vorrat für schlechte Tage. Denn die Skifahrer wollen auch bei Schneefall nicht auf die Gletschertorte im Café 3440, dem höchsten Café Österreichs, verzichten.

Eigentlich hat Sepp was gegen „dieses ständige Lechzen nach irgendwelchen Superlativen“. Andererseits ist der Wirt vom 3440 nicht böse, dass sein Laden dadurch Bekanntheit erlangt hat. Gestaltet wie Schneewehe aus Glas und Edelstahl, mit bodentiefen Panoramafenstern und geradlinigem Design hebt sich der Bau wohltuend von mancher Gipfelstation mit SB-Massenabfertigung ab. Die Terrasse des spektakulären Gebäudes ragt über dem Abgrund, weit unten sieht man die Skifahrer wie Ameisen über die Pisten huschen. Oder man schaut auf die Gipfel der Dreitausender. Sepp spricht von einem Kraftplatz, der ihm Energie gibt.

Skisaison auf dem Gletscher läuft ab Mitte September

Die Höhenlage macht den Betrieb allerdings kompliziert. Nicht nur, was den Biskuit angeht. Auch der sensible Kaffeeautomat zickte anfangs. Das Kaffeemehl klumpte zusammen, solange bis Sepp auf die glorreiche Idee kam, die Bohnen vorm Mahlen zu kühlen. Und auch das Bier schießt manchmal unkontrolliert aus dem Zapfhahn, wenn sich der Luftdruck ändert. Die Skifahrer hingegen schätzen die Höhe uneingeschränkt. Die bange Frage, ob man auch mit Schnee rechnen kann, fällt im Pitztal flach. Auf dem Gletscher ist die Skisaison ab Mitte September im Gange, dann kommen Leistungssportler, ganze Nationalteams. Ab Ende November rücken die Freizeitsportler an.

Auch Paul gehört dazu. Er kommt seit 33 Jahren jedes Jahr im Advent. Auch mit 82 Jahren brettert er gemeinsam mit seinem Enkel die Pisten runter, ohne Pause, gerne in ungebremster Schussfahrt. Der Blitz von Pitz. In den Weihnachtsferien dann kommen viele Familien, die neben dem Gletscher auch die beiden Skigebiete im Tal, am Rifflsee und am Hochzeiger, nutzen.

Natürlich schmilzt auch der Pitztaler Gletscher. Doch Fredl Eiter, übrigens ein Bruder von Sepp, ist sicher, dass das Skigebiet auf dem Pitztaler Gletscher noch viele Jahrzehnte lang funktionieren wird, trotz Erderwärmung und Gletscherschmelze. Ansonsten hätte Investor Hans Rubatscher nicht vor kurzem erst 20 Millionen Euro in die neue Gondelbahn und das Café 3440 gesteckt. „Der Mann kann rechnen.“

Der Gletscherexpress brachte den Aufschwung

Vor 50 Jahren reichte die Gletscherzunge noch bis an den Ortsrand von Mittelberg, dem letzten Dorf im Talschluss. Der Großvater von Orts-Chronistin Birgitta Gundolf nutzte das Eis noch als Kühlschrank. Vom Gletscher ist im Ort nichts mehr zu sehen. Doch Andrea Fischer, Leiterin des Alpenverein-Gletschermessdienstes, glaubt nicht, dass der Gletscher vollständig verschwindet. „Durch das Abschmelzen des Eises nimmt der Schutt, der sich im Eis befindet, auf der Gletscheroberfläche zu. Und durch den Schutt kann die Energie der Sonnenstrahlung nicht mehr bis zum Eis durchkommen.“

Related content Der Gletscher ist lebenswichtig für die Pitztaler. Mit dem Start des Gletscherexpress 1983 begann der Aufschwung im Tal. Die Schrägstollenbahn durch den Mittagskogel befördert 1600 Menschen in der Stunde von der Talstation in Mittelberg (1740 Meter) hinauf auf ins Gletschergebiet auf 2840 Metern. Am Anfang lehnten viele Dorfbewohner das Projekt ab, weiß Birgitta Gundolf. Man begegnete dem Gletscher von jeher mit Angst, und mit der neuen Bahn fürchtete man um die Ruhe im Tal. Andererseits brachte die Landwirtschaft auf den kargen Böden kaum etwas ein. Das abgelegene Tal, erst seit 1958 auf einer asphaltierten Straße zu erreichen, brauchte dringend eine andere Einnahmequelle.

Die kritischen Stimmen sind längst verstummt, so gut wie jeder der rund 8000 Einwohner vermietet an Feriengäste. Und die kommen in erster Linie wegen der Schneegarantie – Kunstschnee wird auf dem Gletscher übrigens auch produziert. Demnächst soll eine Verbindung zum benachbarten Ötztaler Gletscher entstehen. Durch den Bau eines weiteren Lifts könnte das größte Gletscher-Skigebiet der Welt entstehen – noch so ein Superlativ.