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Volksfest

Bei der Bierdosen-Regatta in Australien verdunkeln Mehlbomben den Himmel

15.11.2012 | 18:10 Uhr
Bei der Bierdosen-Regatta in Australien verdunkeln Mehlbomben den Himmel
Auf in die Schlacht: Bei der Beer Can Regatta bleibt kein Auge trocken. Und auch kein Hals.

Essen.  Ex und hopp: das Los einer Bierdose. Immer? Mitnichten. Das lässt sich jeden Juli in Australien - genauer: am Mindil Beach im Nothern Territory - verfolgen. Da bricht sozusagen die Beer Can Regatta aus, ein Volksfest mit, der Name verrät's, Bierdosenbooten, reichlich Musik - und Mehlbomben.

Chaos ist ausgebrochen: Wasser spritzt in hohen Fontänen auf, Mehlbomben vernebeln die Sicht, weitere krachen auf den Ozean. Es ist ein Nachmittag ohne Gnade: Die Sonne knallt erbarmungslos vom Himmel, und unten, vor Darwin an der australischen Nordküste, werden an diesem Nachmittag keine Gefangenen gemacht. Das Geschrei ist groß: Boote nehmen unbarmherzig Kurs auf die gegnerische Flotte – Bierdosen knarzen.

Bierdosen? Es ist Beer Can Regatta am Mindil Beach – und damit Volksfeststimmung draußen vor der Hauptstadt des Northern Territory . Seit 1974 geht das schon so: Jedes Jahr im Juli strömen die Menschen zu Tausenden nicht nur aus Darwin an die Küste der Timor See – Groß, Klein, Freundeskreise und Familien. Alle wollen aus Dosen zusammen gezimmerte Boote bewundern, die tatsächlich schwimmen. Boote aus Bier- und aus Softdrink-Dosen – in Down Under wird da nämlich ganz fein unterschieden. Rennen werden nur in den entsprechenden „Klassen“ gefahren, als ob ein vormals alkoholischer oder nicht-alkoholischer Inhalt Aussagen über die Schwimmeigenschaft des Behältnisses erlauben würde.

Hauptsache es kracht – bis zum Untergang

Und wie das mit total seltsamen Ideen so ist, ranken sich meist Gerüchte und Mythen um sie. Die Beer Can Regatta sei wegen des Zyklons Tracy entstanden, heißt es zum Beispiel. „Die Müllentsorgung funktionierte in den Wochen danach nicht, und irgendwo musste man ja mit den Dosen hin“, erzählt Des Gellert, Organisator der „Regatta der Neuzeit“, die Legende nach. Zyklon Tracy wütete tatsächlich 1974 – allerdings an Weihnachten. Das erste Rennen war davor. Aber wie kommt man dann auf die Idee, in Bierdosen-Booten aufs Meer zu fahren? Obelix hätte gesagt: „Die spinnen, die Australier.“ Des Gellert sagt: „Wir sind Territorians, wir sind einzigartig.“

Die Frage nach dem „Warum“ ist manchmal auch gar nicht die entscheidende, und an diesem Sonntagnachmittag ist eh alles egal: Die „Battle of Mindil“ ist ausgebrochen, die „Schlacht um Mindil“. Es ist der Höhepunkt des Tages: Ein Schatz muss aus dem Meer gefischt und an den Strand gebracht werden. Wer fündig geworden ist, darf freilich von anderen Booten attackiert werden, um den Schatz zu erbeuten. Bis zum Untergang, Hauptsache es kracht – und aus den Boxen trällert Cutting Crews „I just died in your arms tonight“. Wie passend.

Ein Schiff aus 30.000 Bierdosen

Es sind die Boxen von Mick Keely, Kapitän der „Extravacanz“. Was für ein Prachtstück. Kein Boot – ein Schiff! Gebaut aus 30 000 Bierdosen, „so ungefähr zumindest“, grinst Mick. Das klingt eher nach mehr als nach weniger. Blond, kernig, gut gelaunt. Nicht mehr der Jüngste, aber jung geblieben – das ist Mick Keely. Ein Australier, so wie man sich Australier vielleicht vorstellt. Ein halbes Jahr hätten er und seine Kumpel an der Extravacanz gebaut.

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