10 Dinge, die man für eine Fan-Reise zur EM 2012 beachten sollte

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Was wir bereits wissen
Der deutsche Kader steht, die Panini-Bildchen sind gedruckt, die ersten Fähnchen flattern bereits an den Autos: Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine startet am 8. Juni. Wer live dabei sein möchte, für den gibt es hier die wichtigsten Reisetipps rund um Polen und die Ukraine.

Essen.. Ab dem 8. Juni dreht sich in Polen und der Ukraine alles um das runde Leder. Wer vor Ort dabei ist oder einfach die Gelegenheit nutzen will, die beiden Länder kennen zu lernen, für den gibt es hier die wichtigsten Tipps. Von Handküssen über Public Viewing in Kiew und Warschau bis zu garantiert fußballfreien Sehenswürdigkeiten ist alles dabei.

Einreise:

  • Ukraine: Spontan zum Spiel der deutschen Mannschaft? Kein Problem, wenn man einen gültigen Reisepass besitzt. Der Personalausweis reicht nicht! Wer auch nach der EM noch weiter feiern möchte, braucht allerdings ein Visum: Bei einem Aufenthalt über 90 Tagen am Stück verlangt die Ukraine ein Visum. Dann läuft allerdings schon die WM-Quali 2014.
  • Polen: Als Mitglied des Schengener Abkommens führt Polen keine Kontrollen an den Grenzen zu Deutschland durch. Zur EM können dennoch stichprobenartig Kontrollen erfolgen. Mit einem gültigen Personalausweis können deutsche Fußballfans problemlos einreisen.

Umgangsformen:

  • Polen: In unserem Nachbarland darf frau sich noch als Dame fühlen: Echte Gentlemen halten Frauen immer die Tür auf und lassen sie selbstverständlich zuerst hindurch gehen. Treffen die Geschlechter aufeinander, begrüßt man sich auch gerne mit drei Wangenküssen. Weibliche Fußballfans sollten sich nicht wundern: Auch moderne Frauen lassen sich in Polen die Hand küssen.
  • Ukraine: Wer inmitten des rauschenden Fußballfestes neue Freunde findet, sollte bei einer Einladung zum Abendessen auf alles vorbereitet sein: In der Ukraine ist es üblich, dass man den Gast bittet, eine kurze Ansprache zu halten. Als sehr unhöfliche Geste gilt es, den Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger zu strecken. Aber die Hände braucht man ja eh zum Klatschen und Jubeln.

Fanmeilen in Warschau und Kiew laden zum Public Viewing ein

Public Viewing vor Ort

  • Polen: Warschau nimmt sich die Berliner Fanmeile der WM 2006 zum Vorbild und richtet im Herzen der Stadt eine Fan-Zone ein, die bis zu 100 000 Menschen fassen kann. Ab dem 7. Juni werden auf dem Defilad Platz auf sechs Großbildschirmen alle Spiele der EM übertragen.
  • Ukraine: Auf dem Unabhängigkeitsplatz in der Stadtmitte von Kiew werden alle Spiele der Finalrunde auf großen Bildschirmen live übertragen. Bis zu 70 000 Fans können an den normalen Spieltagen die EM verfolgen; am Finaltag wird die Fan-Zone ausgeweitet und bietet bis zu 90 000 Personen Platz.

Rauchen

  • Polen: Mit der Zigarette ins Stadion? Besser nicht, denn in Polen gilt ein weitreichendes Rauchverbot. Dies betrifft neben den Stadien auch öffentliche Verkehrsmittel, Bahnhöfe, Bushaltestellen und Restaurants ohne separate Raucherräume.
  • Ukraine: Die Ukraine hat kurz vor der EM noch mal den Nichtraucherschutz verstärkt. Fußballfans sollten daher in Restaurants, öffentlichen Verkehrsmitteln und natürlich im Stadion die Finger von der Zigarette lassen.

Für Vegetarier gibt es auch etwas - meistens ein trauriges Kopfschütteln

Essen

  • Polen: Wer es deftig mag, wird sich über die polnische Küche freuen. Sei es Sauerkraut mit Fleisch oder saure Mehlsuppe mit Kartoffeln, Eiern und Wurst: Die Auswahl gerade an Fleischgerichten ist groß. Trinkgeld legt man nach dem eigentlichen Bezahlen auf den Tisch. Üblich sind hier je nach Zufriedenheit bis zu 10 Prozent.
  • Ukraine: Vegetarische Fußballfreunde müssen tapfer sein: Speck ist Bestandteil nahezu jeder Mahlzeit in der Ukraine. Vitamine gibt es auch, die allerdings meistens in Suppen oder in Form von verschiedenen Kohlgemüsen. Ein Klassiker sind die „Pelmeni“, mit Pilzen oder Kraut gefüllte Teigtaschen, die in Brühe gekocht werden.

Öffentliche Verkehrsmittel

  • Ukraine: Für die Metro in Kiew benötigen Fußballfans keine ukrainischen Sprachkenntnisse. Wer allerdings in die Tiefen des Systems aus Vorortzügen und Bussen vordringen will, kommt ohne Ortskenntnisse nicht weiter. Ganz wichtig deshalb: Auf die Fahrzeiten achten und die Nummer eines Taxiunternehmens als Alternative parat halten. Unter www.taxis.kiev.ua finden sich Telefonnummern aller Anbieter.
  • Polen: Für die größeren Städte gibt es online die Möglichkeit, sich über Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu informieren. Die Seite www. jakdojade.de heißt nicht nur auf Deutsch „Wie komme ich hin?“, sie verrät auch die schnellsten Routen. Ohne Ticket sollte Fußballfans auch in Bus und Bahn nicht unterwegs sein, die Kontrolleure sind in Polen häufig unterwegs und kontrollieren rigoros.

Pfeifen und die Handtasche auf dem Boden stellen? - Keine gute Idee

Nützliches & Skurriles

  • Ukraine: Die Freude über einen Sieg von Jogis Jungs kann noch so groß sein: Wer vor lauter Freude in seinem Hotelzimmer pfeift, der sollte bedenken, dass dies sein Geld weg wehen könnte – wenn man abergläubisch ist.
  • Polen: Sie wollen nett sein und dem Gastgeber viel Glück für die Spiele wünschen? Kein Problem, allerdings rechnen Sie eher nicht mit einer Antwort. Das könnte nämlich Unglück bringen, wenn man abergläubischen Polen glaubt. Wer als Frau die Hände für den Fanjubel frei haben möchte, sollte vorsichtig sein: Eine Handtasche wird niemals auf den Boden gestellt, das Geld könnte ansonsten davon laufen.

Auto fahren

  • Ukraine: Wer in der Ukraine auf Überlandstraßen unterwegs ist, sollte nicht schneller als 110km/h fahren. Auf Landstraßen gilt Tempo 90, innerorts sind 60 km/h erlaubt. Auch heikel: Wer im Fahrzeugschein als Halter eingetragen ist, sollte auch im Auto sitzen. Wenn nicht, muss der Fahrer eine Vollmacht dabei haben – übersetzt ins Ukrainische. Bei Ortsdurchfahrten sollte man die Augen offen halten, denn hier laufen gerne mal Hühner frei auf der Straße rum. Für die Rast nach dem Schild „Kawa“ Ausschau halten: Dort gibt es auf jeden Fall Kaffee und vielleicht auch etwas zu essen.
  • Polen: Die polnischen Geschwindigkeitsbeschränkungen richten sich innerorts nach der Tageszeit. Tagsüber (5 bis 23 Uhr) gilt Tempo 50, ab 23 Uhr bis fünf Uhr früh darf mit 60km/h gefahren werden. Oft führen auch einspurige Schnellstraßen durch die einzelnen Orte, hier ist besondere Vorsicht geboten, wenn Menschen die Fahrbahn überqueren wollen. Auch die Polen verlangen eine Vollmacht in der Landessprache, wenn nicht der Halter selbst im Auto sitzt.

Sliwowitz und Wodka nur ohne Autoschlüssel genießen

Alkohol

  • Ukraine: Natürlich wird in der Ukraine auch Wodka getrunken. Zur EM gibt es ihn in Kiew offenbar in einer „Fußballer-Version“. Die Mitglieder der Koordinationsstelle Fanprojekte der Deutschen Sportjugend entdeckten dort Wodka mit Meerrettichgeschmack. Vielleicht das neue EM-Getränk? Wer Auto fährt, sollte auf jeden Fall darauf verzichten: Die Promillegrenze in der Ukraine liegt bei 0,2. Wer mit Alkohol am Steuer erwischt wird, muss bis zu 1000 US-Dollar Strafe zahlen und mit der Beschlagnahmung des Autos rechnen.
  • Polen: Auch in Polen gilt die 0,2-Promille-Grenze. Selbst wer nur geringfügig darüber liegt, kann Führerschein und Fahrzeug verlieren und muss mit einer Haftstrafe rechnen. Deshalb: Wodka und die immer beliebter werdenden Obstbrände wie der pflaumige Sliwowitz besser nur genießen, wenn das Auto stehen bleibt.

... und wer eine Fußball-Pause braucht:

  • Ukraine: Für mitgereiste Nicht-Fußballer gibt es in Kiew genug Alternativen zum runden Leder. Die Nationaloper der Ukraine wurde nach dem Brand des alten Theatergebäudes 1898 komplett neu errichtet und zählt heute zu den schönsten und wichtigsten Theatern der Ukraine. Eines der wichtigsten geistlichen Zentren der orthodoxen Welt thront hoch über Kiew. Das Höhlenkloster Pychyrska Lawra wurde im Jahr 1051 gegründet und beherbergt heute rund 45 historische Bauten, Kirchen, Museen und Bibliotheken.
  • Polen: Wer nach einem spannenden Spiel trotz platt gestandener Füße noch die polnische Hauptstadt erkunden möchte, der kann Warschau auch bequem per Omnibus erkunden – gezogen von Pferden. Das ungewöhnliche Fortbewegungsmittel gibt es sogar als Doppeldecker. Ab dem 24. Juni fahren die Pferdebusse jeden Tag. Entspannung finden Fußballabstinenzler und Fans gleichermaßen im Wilanów Park-Palace Complex. Die Sommerresidenz des polnischen Königs Jan III Sobieski wird von zwei italienischen Gärten im Barockstil und einem romantischen englischen Garten eingefasst.