Zahl der Toten durch Sturm "Niklas" auf elf gestiegen

Zwei Menschen starben in Montabaur, als ein Baum auf ihr Fahrzeug stürzte.
Zwei Menschen starben in Montabaur, als ein Baum auf ihr Fahrzeug stürzte.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Bahn hat die Entscheidung verteidigt, die Züge während des Sturms "Niklas" stehen zu lassen. Bei dem Unwetter kamen elf Menschen ums Leben.

Düsseldorf.. Deutsche Bahn in Nordrhein-Westfalen hat den stundenlangen Stopp des regionalen Bahnverkehrs während des Sturms am Dienstag als notwendig verteidigt. "Beim Nahverkehr war ein sinnvoller Betrieb nicht möglich", sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Düsseldorf.

Es habe wegen des Sturms viele Störungen im Schienennetz gegeben. Die Entscheidung habe auch einen Sicherheitsaspekt, denn Reisende seien in den Bahnhöfen viel besser zu betreuen als etwa in einem Zug auf freier Strecke. Arbeitstrupps seien sofort losgefahren und hätten auch in der Nacht noch Schäden beseitigt.

Die Züge im Nah- und Fernverkehr konnten am Mittwochmorgen somit weitgehend planmäßig fahren. "Alle Hauptstrecken sind wieder befahrbar", sagte eine Bahn-Sprecherin. Einzelne Verbindungen fielen aber noch aus oder waren verspätet. Nicht alle Züge stünden am richtigen Einsatzort. Im Laufe des Tages sollte sich die Lage aber weiter normalisieren, sagte die Sprecherin. An einzelnen Stellen beseitigte die Bahn auch am Mittwoch noch Unwetterschäden.

Mindestens elf Menschen sind in Deutschland und im Ausland durch den Sturm und bei wetterbedingten Unfällen gestorben.

Auf den Sturm folgt der Schnee - 16 Unfälle in Ostwestfalen

Schneeglätte hat in der Nacht zu Mittwoch auf Autobahnen in Ostwestfalen für zahlreiche Unfälle gesorgt. Die Polizei zählte innerhalb von sieben Stunden 16 Unfälle. Fünf Menschen wurden schwer verletzt, einer leicht. Auf der Autobahn 2 bei Herford kam ein 26 Jahre alter Autofahrer in einer Rechtskurve mit seinem Wagen ins Schleudern. Das nur mit Sommerreifen bestückte Auto kam nach rechts von der Fahrbahn ab und überschlug sich. Der Fahrer und zwei Mitfahrer wurden schwer verletzt.

Am Dienstag hatte das Sturmtief "Niklas" den Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen fast vollständig zum Stillstand gebracht. Zehntausende strandeten an den Bahnhöfen, mussten ausweichen auf Taxis, Mitfahrgelegenheiten oder eine Übernachtung im Hotel.

"Pro Bahn" stellt Bahn ein gutes Zeugnis aus

Der Fahrgastverband "Pro Bahn" hat der Bahn insgesamt ein gutes Zeugnis ausgestellt. Die Bahn habe richtig entschieden, den Verkehr zeitweise auszusetzen, sagte "Pro Bahn"-Sprecher Gerd Aschoff. Die Sicherheit der Fahrgäste habe Priorität. Bei der Informationspolitik vor Ort hätte es teilweise Defizite gegeben, die Lage sei aber auch "sehr, sehr schwierig" gewesen.

Ein Opfer der Informationspolitik war ein Reisender am Dortmunder Hauptbahnhof: "Für einen Termin bei der Bundeswehr muss ich nach München kommen. Dass es dort am Bahnhof noch immer große Probleme wegen Sturmschäden gibt, habe ich gehört. Aber es wundert mich doch sehr, dass die Bahn die Reisenden so schlecht informiert. Eine große Hilfe ist das nicht."

Doch die meisten Berufspendler kamen am Mittwochmorgen höchstens mit leichten Verspätungen zur Arbeit. Klaus Kirgen etwa musste zur Arbeit nach Münster und nach einem schnellen Blick auf die Anzeigetafel konnte er wie gewohnt zu seinem Gleis gehen und in seinen Zug einsteigen. Auch Schülerin Lina konnte unbesorgt ihren Zug vom Essener HBF nach Hamm nehmen, um pünktlich zu ihrem Praktikum zu kommen. "Mir fällt ein Stein vom Herzen. Gleich gestern an meinem zweiten Tag bin ich zu spät gekommen. Heute klappt hoffentlich alles nach Plan."

"Niklas" ist nach Osten gezogen

Bei den Einsatzkräften hat sich die Lage in der Nacht entspannt. In Köln und Bonn meldete die Polizei noch einzelne umgestürzte Bäume und heruntergefallene Dachziegel. In der Innenstadt von Grevenbroich bei Düsseldorf drohte am Dienstagabend eine große Kupferplatte von einem Haus zu fallen. Höhenretter der Feuerwehr zerschnitten die Platte in Einzelteile und ließen die Stücke zu Boden.

Sturmtief "Niklas" ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Essen in der Nacht in Richtung Osten gezogen. Auch am Mittwoch seien jedoch Sturmböen möglich, sagte DWD-Meteorologin Maria Hafenrichter. Einzelnen Windböen könnten bis zu 85 Kilometer pro Stunde schnell sein. "Das hat aber nicht mehr die Stärke von gestern", sagte Hafenrichter. Am Dienstag war auf dem Kahlen Asten eine Windgeschwindigkeit von knapp 116 Stundenkilometern gemessen worden. Zum Wind kommt am Mittwoch eine Mischung aus Schnee, Graupel und Regen, vor allem in Westfalen. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen fünf und neun Grad.

Mindestens elf Tote während des Sturms "Niklas"

Sturmtief "Niklas" ist durchgezogen - doch vielerorts müssen Bahnreisende weiter mit Behinderungen rechnen. Die meisten Strecken seien zwar frei, sagte Bahnsprecher Achim Stauß im ZDF-"Morgenmagazin". "Aber wie immer in solchen Fällen muss das Personal neu disponiert werden. Viele Fahrzeuge, viele Lokomotiven sind nicht da, wo sie hingehören." Ausfälle werde es sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr geben. Während des Orkans kamen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens elf Menschen ums Leben. Die Aufräumarbeiten laufen nach "Niklas" vielerorts auf Hochtouren.

An Ostern sollen die Züge wieder planmäßig fahren: "Da müssten dann die Umlaufpläne wieder so stimmen, dass die Züge überall da sind, wo sie auch hingehören", sagte Stauß. Laut Bahn sind die Strecken zwischen Bremen und Hannover sowie zwischen München und Rosenheim noch gesperrt. Die Höhe des entstandenen Schadens für die Bahn ist noch unklar: "Es gab bundesweit Schäden. Ich kann noch keine Summen nennen."

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat ebenfalls noch keinen Überblick über die Schäden nach dem Sturmtief. Dafür sei es noch zu früh, teilte das Unternehmen in München mit. Rein auf die Stärke bezogen handelte es sich aus Sicht der Munich Re um "kein sehr ungewöhnliches Ereignis". Der bisher folgenschwerste Wintersturm war "Kyrill" im Jahr 2007 mit Böen von über 200 Kilometern pro Stunde: Er richtete 4,2 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Schäden an und schlug bei den Versicherern mit 2,4 Milliarden Euro zu Buche.

Laut Wetterdienst bleibt es stürmisch

"Niklas" hatte von Westdeutschland aus im Laufe des Dienstags auf den Osten der Republik übergegriffen. Auf der Schiene ging bald wenig bis nichts mehr: In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin ruhte der Regionalverkehr teilweise seit Dienstagvormittag ganz. In Deutschlands größtem Bundesland Bayern wurde der Fernverkehr am Dienstagnachmittag komplett eingestellt. Auch am Mittwoch gab es hier teilweise noch Behinderungen.

In Nordrhein-Westfalen fuhren die Züge im Nah- und Fernverkehr am Mittwoch Morgen wieder weitgehend planmäßig. "Alle Hauptstrecken sind wieder befahrbar", sagte eine Bahn-Sprecherin in Berlin. Einzelne Verbindungen fielen aber noch aus oder waren verspätet. Nicht alle Züge stünden am richtigen Einsatzort. Im Laufe des Tages sollte sich die Lage aber weiter normalisieren.

Der Sturm hatte auch den Straßen-, Schiffs- und Flugverkehr durcheinandergebracht. Bundesweit waren Polizisten und Feuerwehrleute im Dauereinsatz. "Niklas" war einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre. Mit Böen von bis zu 192 Stundenkilometern entwurzelte er am Dienstag vielerorts Bäume, er beschädigte Autos, Häuser und Stromleitungen.

Der Orkan ist zwar aus Deutschland abgezogen, laut Deutschem Wetterdienst bleibt es aber stürmisch: Das Luftdruckgefälle zwischen "Niklas" über dem südlichen Baltikum und einem Hoch über der Biskaya sei so stark, das auch am Mittwoch in ganz Deutschland mit Sturmböen gerechnet werden müsse, sagte Meteorologe Stefan Bach. In exponierten Berglagen könne es auch wieder Orkanböen geben, allerdings nicht so starke wie am Dienstag. (dpa/kati/sjb)