Wolf bei Siegen fotografiert

Im Siegerland..  Die Wildkamera ist südlich von Siegen postiert, außerhalb der Stadtgrenze, in einem ruhigen Waldstück zwischen zwei Dörfern. Ihr Job: Füchse knipsen. Aber am 22. Januar, zwischen 0.42 und 0.50 Uhr in der Nacht, da ist ganz gewiss kein Fuchs vor der Linse hin und hergeschlichen. Fünf mal löste die Kamera aus, und die Bilder zeigen ganz eindeutig: einen Wolf! Rückenpartie, Schwanz, Ohren – alles passt. Fachleute vom „Institut für Wolfsmonitoring und Forschung in Deutschland“ haben die Bilder in Augenschein genommen und das scheue Raubtier eindeutig identifiziert.

Nur: Ist es der gleiche Wolf, der Ende Dezember im Kreis Minden-Lübbeke ein Schaf angefallen hatte? Oder ist bereits das nächste Raubtier in nordrhein-westfälischen Gefilden unterwegs, nachdem der Wolf hier gut 170 Jahre als ausgestorben galt? Für Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) ist auf alle Fälle klar: „Dass jetzt mit dem Wolf eine lange vermisste Art nach NRW zurückkehrt, zeigt, dass unser Land wieder ausgereichend geeigneten Lebensraum bietet.“ Luchs und Fischotter seien weitere natürliche Rückkehrer.

Landesnaturschutzgesetzsoll noch 2015 kommen

Immer wieder helfen Biologen und Behörden der Natur auch etwas auf die Sprünge: Ob die Wisent-Herde im Wittgensteiner Wald oder die Maifische im Rhein – ganz gezielt werden einzelne Arten ausgewildert. Für den Biber gibt es ebenso ein erfolgreiches Ansiedlungsprogramm.

Grund zur Entwarnung sieht der Minister aber noch lange nicht. Mehr als 30 Wirbeltierarten gelten aktuell als ausgestorben oder verschollen. Und laut Roter Liste gelten zunehmend auch „Allerweltstierarten“ als bedroht.

„Unsere Generation trägt die Verantwortung dafür, dass früher noch jedem Kind bekannte Arten wie Feldlerche oder Rebhuhn, Kornblume oder Mohn nicht aus weiten Teilen der Landschaft verschwinden“, meint Remmel. Der Kampf gegen das Artensterben stehe weiter ganz oben auf der Agenda. Als nächster Schritt solle in diesem Jahr das Landes-Naturschutzgesetz verabschiedet werden

Der oder die Wölfe werden derweil weiterhin Biologen, Behörden und Bürger beschäftigten. Auch wenn der erste Nachweis ganz im nordöstlichen Zipfel NRWs erfolgte und der zweite jetzt ganz im Süden: Dass es sich um den gleichen Wolf handelt, halten Fachleute für möglich. Die gut 250 Kilometer Entfernung könnte das Tier unbemerkt durch die Waldgebiete von Teutoburger Wald und Sauerland zurückgelegt haben. Ebenso könnte es sich jetzt aber um einen zweiten Wolf handeln (z. B. aus Rheinland-Pfalz). Klarheit soll eine DNA-Untersuchung schaffen. In einem Rehkadaver an der Fotofalle bei Siegen hat der Wolf nämlich Speichelreste zurückgelassen.

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