Wo Zuchterfolge mit geflügelten Worten geehrt werden

Much..  Der Ort könnte kaum besser gewählt sein: Draußen vor dem Fenster stolziert tatsächlich lautstark ein Hahn vorbei. Ein Schreihals, den Martin Lindner allerdings keines Blickes würdigt: Hier in Much-Marienfeld im Rhein-Sieg-Kreis wird schließlich nicht die Geschichte des ordinären Gockels erzählt, hier geht es um die Annalen der rheinischen Geflügelzüchter. Das kleine Museum erzählt die Geschichte dieses Hobbys, das zu Kaisers Zeiten aus England nach Deutschland kam und, so bedauert es Martin Lindner, hierzulande schon bessere Zeiten gesehen hat.

Rund 180 000 Rassegeflügelzüchter gibt es noch in Deutschland – nicht wenig. Aber wenn es darum geht, den eigenen Nachwuchs auszubrüten, versagt jene Kunst, von der das kleine Museum so liebevoll kündet. Die Jugend mag sich nicht mehr mit Wärmelampe und Brutkasten hinsetzen und versuchen, die Rassemerkmale des Westfälischen Totlegers oder des Bantam-Hühnchens herauszuzüchten, um alsbald auf der nächsten großen Rassegeflügelausstellung das kostbare Federvieh dem Preisrichter vorzuführen – auch Tauben, Gänse und Enten gehören übrigens zum gefiederten Vereinswesen.

Genetische Geflügelvielfalt

Wie bei Hund und Katze gibt es eben auch bei Geflügel diverse Rassen mit verschiedenen Merkmalen. Und wer ein besonders typisches Tier züchtet, kann damit Medaillen einheimsen. Und – das ist den Geflügelzüchtern durchaus wichtig – er trägt damit zur genetischen Geflügelvielfalt bei. Denn dass ein Ei heute dem anderen gleicht, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass es weltweit nur noch vier Legehuhnrassen gibt, die im Akkord weiße und braune Hühnerfrüchte produzieren. Artenvielfalt? Da kräht kein Hahn nach. Außer eben jenen Menschen, die die Geflügelzucht zum Hobby gemacht haben. Und vor dem Problem stehen, dass zur Zucht zwingend auch ein Hahn gehört, der wiederum von sich hören lässt. Spricht man Martin Lindner auf die Gerichtsurteile zum Hahnenschrei an, schwillt ihm der Kamm. „Selbst im ländlichen Raum gibt es immer mehr Siedlungen, in denen das Baurecht die Tierhaltung verbietet“, empört er sich. Hier in Much-Marienfeld kündet noch kostbares Geflügel aus Porzellan von der einstigen Wertschätzung des Geflügels, genauso wie gasbetriebene Brutmaschinen aus jener Zeit, da Strom zu teuer war, um damit die Küken zu wärmen. Und natürlich jede Menge Wimpel, Pokale und Urkunden, die mit geflügelten Worten vom Ruhm der rheinischen Geflügelzüchter künden. Zu dumm, dass sich Vereins-Nachwuchs nicht ausbrüten lässt,