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Wildschweinplage im Ruhrgebiet „nur eine Frage der Zeit“

Wildschweinplage im Ruhrgebiet „nur eine Frage der Zeit“

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Foto: Fredrik von Erichsen
In Berlin gibt es sie bereits, im Ruhrgebiet ist es „nur eine Frage der Zeit“: Horden von Wildschweinen, die große Schäden anrichten.

An Rhein und Ruhr. 

Dass Berlin unter einer Wildschweinplage ächzt, ist bekannt. Nun klagt auch Bad Honnef aktuell über eine „Schwarzwildplage“. Und im Ruhrgebiet gibt es auch die ersten Sichtungen. Reinhart Hassel, Leiter des Regionalforstamts Ruhrgebiet: „Die Wildschweinplage im Ruhrgebiet wird definitiv kommen und ist nur eine Frage der Zeit.“

Er nennt auch gleich den wichtigsten Hintergrund: Früher hätten die Muttersäue einmal im Jahr geworfen, jetzt seien es zweimal, immer zwischen vier bis zehn Frischlinge, „Man müsste eigentlich 75% der Frischlinge schießen. Durch das jetzige hohe Futtervorkommen, welches zyklisch auftritt, sterben weniger Frischlinge und die Population wird größer“, erklärt der 63-Jährige, der seit 40 Jahren Jäger ist.

Andreas Schneider vom Landesjagdverband (LJV) sieht die Probleme noch woanders: „Hauptursachen für die besseren Lebensbedingungen der Wildschweine heute sind der Klimawandel und Strukturwandel hin zum vermehrten Maisanbau und das gute Nahrungsangebot.“

Probleme durchs neue Gesetz

Außerdem würde das seit Mai 2015 gültige rot-grüne Landesjagdgesetz die Wildschweinbejagung erschweren, so Schneider. Das Gesetz verkürzte die Bejagungszeit, habe Erschwernisse bei der Lockjagd gebracht und habe das Waldbetretungsrecht liberalisiert. „Es ist jetzt noch zu früh, um das neue Gesetz als Ursache für die Wildschweinprobleme im Land auszumachen, aber sie erschweren unsere Arbeit deutlich.“ Der Landesjagdverband habe gewarnt, dass das neue Gesetz zu Problemen führen würde, gab der Sprecher abschließend an.

„Im Herbst ernähren sich die Wildschweine in hohem Maß von Waldfrüchten und suchen zum Ausgleich Insekten und Kleinsäuger in Wiesen, wodurch die Schäden entstehen“, erklärt Andreas Schneider vom LJV. Den jährlichen Zuwachs in der Wildschweinpopulation schöpften die Jäger normalerweise im Herbst ab, berichtet der 50-Jährige weiter.

Alfred Nimphius ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft Wesel und sieht das ähnlich: Es müssten mehr Wildschweine gejagt werden, aber die Bejagung erfolge nur nachts in einer Vollmondnacht, ohne künstliches Licht. Das Mondlicht müsse ausreichen, um die Muttertiere von Abschusstieren einwandfrei unterscheiden zu können. „Wir haben im Monat nur eine Woche mit ausreichendem Mondlicht und wenn es wolkig ist, hilft uns der Mondschein auch nicht weiter.“

„Der Kreis Kleve dagegen ist weitestgehend frei vom Schwarzwild“, berichtet Gerhard Thomas von der Kreisjägerschaft. Im Jagdjahr 2015/2016 seien im gesamten Kreis nur 19 Wildschweine erlegt worden. Auch im Raum Wesel lässt sich linksrheinisch keine Sau blicken. Rechtsrheinisch sieht es anders aus, da Wesel dort an den Dämmerwald grenzt, sagt Alfred Nimphius. Und: Dieses Jahr sei ein Wildschwein-Mastjahr, es gebe extrem viel Futter.

Nicht in die Augen schauen…

Ein weiteres, großes Problem: Die Wildtiere richten in Gärten und Parks große Schäden an. Und sie sind gefährlich: In den betroffenen Gebieten in Bad Honnef sollen die Einwohner im Dunkeln nicht spazieren gehen, schon gar nicht mit Hunden. Wildschweine verhalten sich meist friedlich, dies ändert sich aber schnell, wenn sie sich bedroht fühlen.

Noch ein Tipp für Spaziergänger: „Wenn Sie Wildschweine sehen, bewegen Sie sich langsam rückwärts, schauen Sie ihnen nicht in die Augen“, rät Reinhart Hassel. Schäden, die die Tiere anrichteten, müssten übrigens selbst getragen werden.