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Wie Phantombilder bei der Verbrechensaufklärung helfen

14.06.2012 | 14:51 Uhr
Wie Phantombilder bei der Verbrechensaufklärung helfen
Kriminalhauptkommisar Frank Sippli arbeitet als Phantombildzeichner für das Land NRW.Foto: Uwe Vogler / WAZ

Düsseldorf.   Frank Sippli ist einer von vier Phantombildzeichnern, die für das Land Nordrhein-Westfalen zuständig sind. Der Hauptkommissar erklärt, warum die Bilder keineswegs immer Ähnlichkeit mit Fotos des Verdächtigen haben müssen.

Ob es um den 14-jährigen Sexualstraftäter aus Düsseldorf, den Messerstecher „Toto“ aus Dortmund oder einen Hundequäler aus Mettmann ging: Von ihnen allen haben Kriminalhauptkommissar Frank Sippli und seine drei Kollegen Phantombilder erstellt, die dazu beigetragen haben, die mutmaßlichen Täter zu fassen.

„Eigentlich heißt es gar nicht Phantombild, sondern Fahndungsbildmontage“, erklärt Sippli, denn schließlich suche man ja kein Phantom, sondern nach einer real existierenden Person. Doch stellt er andererseits gleich klar: Phantombilder haben keineswegs immer Ähnlichkeit mit einem Foto des Verdächtigen, sondern sind sogenannte Typbilder.

400 Einsätze pro Jahr

Ähnlich wie bei einer Karikatur reicht es schon, wenn sie einen Wiedererkennungswert haben; wenn es zwar nicht das ganze Gesicht, sondern am Ende vielleicht nur Details, wie der Blick oder die Art, wie die Mundwinkel zueinander stehen, an den Verdächtigen erinnern. Auch wenn vier Hauptkommissare beim Landeskriminalamt ihre Bild-Datenbank mit echten Fotos ergänzen, müssen bei diesen aus Datenschutz-Gründen wenigstens drei wesentliche Merkmale der abgebildeten Person geändert werden. Sippli und seine Kollegen haben etwa 400 Einsätze im Jahr, bei denen sie rund 500 Phantombilder erstellen. Die Aufklärungsquote liegt bei 25 bis 30 Prozent: „Jedes vierte Bild führt zur Festnahme des Täters, das ist sehr viel“, findet Sippli. „Es gibt Bundesländer, die haben nur 8 Prozent Aufklärungsquote.“ Zum Teil werden in anderen Bundesländern noch Phantombilder nach Zeugenbeschreibung von Hand gezeichnet. Doch Sippli und seine Kollegen arbeiten vor allem mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop. Doch das ist nur ein Teil der Arbeit: „Der Umgang mit der Technik macht 30 Prozent aus, der Umgang mit den Menschen 70 Prozent.“

Geduld ist wichtig für Sipplis Arbeit; meistens dauert es Stunden, manchmal auch mehrere Tage, bis ein Phantombild erstellt ist. Denn Sippli und seine Kollegen müssen dafür durch behutsames Nachfragen erreichen, dass sich Zeugen oder Opfer wieder in die Situation hineindenken. „Das Unbewusste rauskitzeln, das ist das Schwierige an der Arbeit“, findet er.

Extremsituationen werden im Gehirn gespeichert

Das sei auch der Unterschied zur Täterbeschreibung, die die Zeugen bei der ersten Befragung auf der Polizeiwache abgeben müssen. Diese liest sich Sippli vor der Erstellung des Phantombilds vorsichtshalber nicht durch. Denn um das Bild nicht zu beeinflussen, sei es wichtig, den Zeugen nichts zu suggerieren, sondern durch offene Fragen ihre Erinnerungen zurückzuholen, erklärt er.

Doch wie gut können sich Zeugen die Gesichter der Täter merken? „Extremsituationen werden im Gehirn abgespeichert“, erklärt Sippli. „Man sieht am Tag Hunderttausende Bilder. Aber wenn etwas außergewöhnlich ist, dann merken Sie sich das.“ Je näher man dem Täter war, desto deutlicher präge er sich ein.

Im ganzen Land unterwegs

Manchmal muss Sippli unverrichteter Dinge gehen: „Erst wenn der Zeuge sagt: ‘Das ist er!’ bin ich zufrieden.“ Dabei muss er sich auf die Menschen einlassen, so unterschiedlich sie sind: „Da kann es sein, dass man Montag bei einem misshandelten Kind ist, Dienstag bei einer Prostituierten und Mittwochs bei Oma Müller“, erklärt Sippli. Er und seine Kollegen kommen in ganz NRW herum, denn für das Land sind nur vier Phantom-bildhersteller zuständig.

Phantombilder von Tätern werden nur dann erstellt, wenn sie schwerwiegende Straftaten wie Raubüberfälle, Vergewaltigungen oder Morde begangen haben. Vor der Veröffentlichung muss die Staatsanwaltschaft ihr OK geben.

4500 Phantombilder in Datenbank

Entstanden ist die Idee, Phantombilder anzufertigen, in den 60er Jahren. Damals wurden dem Zeugen eines Mordes Bilder vorgelegt, auf denen er Ähnlichkeiten mit der Mörderin feststellen sollte. Aus den zusammengesetzten Fotos aus Mund-, Nasen- und Augenpartie hat ein Zeichner ein Gesamtbild gemalt. Die später gefasste Täterin sah dem Bild so ähnlich, dass man eine Datenbank mit Gesichtsteilen anlegte, die man beliebig kombinieren konnte. Inzwischen sind in Sipplis Datenbank mehr als 4500 Phantombilder eingespeist. Stefanie Brüning

Stephanie Brüning


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