Zwei Tote, sechs Schwerverletzte

Ibbenbüren..  Trümmer liegen inmitten der grünen Felder des Münsterlandes. Das Führerhaus eines Zuges ist völlig eingedrückt. Riesige Metallteile liegen demoliert am Bahndamm. Auf der Seite einer Fahrgastkabine fehlt ein riesiges Teil der Verkleidung. Und alles ist mit Gülle bedeckt. „Auch der Zug ist voller Gülle“, berichtet ein Augenzeuge.

Mit gewaltiger Wucht muss der Zug am Samstagmittag in Ibbenbüren auf den Gülletransporter geprallt sein. Erst mehr als 200 Meter weiter bleibt der Zug der Westfalenbahn stehen. Der 41 Jahre alte Lokführer und eine junge Frau (18) sind tot, sechs Menschen schwer verletzt. Mehr als 30 Insassen überstehen den Aufprall halbwegs unversehrt, aber schockiert sind sie wohl alle.

Über den dörflichen Vorort Laggenbeck bei der Bergarbeiterstadt Ibbenbüren, im nördlichen Zipfel von Nordrhein-Westfalen, bricht ein Großeinsatz der Rettungskräfte herein, mit Sirenen und Blaulicht. Verletzte werden versorgt, schockierte Fahrgäste beruhigt, Tote geborgen. Ein Leichenwagen kommt. Die Retter nehmen das Dorfgemeindehaus in Beschlag, hier sind bald auch viele Notfallseelsorger mit ihren lila Westen zu sehen.

Was von dem Zug übrig blieb, steht nahe einiger Bauernhöfe auf dem Gleis, einige hundert Meter hinter dem beschrankten Bahnübergang. Hier hat sich das Drama zugetragen. Nach ersten Erkenntnissen löste sich beim Überfahren des Bahnübergangs der Gülleanhänger vom Zugfahrzeug, einem Traktor. „Das Güllefass stand auf den Gleisen“, berichtet Jochen Laschke, der Sprecher der Polizei aus der Kreisstadt Steinfurt.

Die sich automatisch senkenden Bahnschranken haben den Anhänger dann wohl blockiert. Laut Staatsanwaltschaft hat der Traktorfahrer erklärt, er sei dem herannahenden Zug noch entgegengelaufen, um den Lokführer zu warnen.

Untersucht wird nun, weshalb der Anhänger sich von der Zugmaschine löste und auf den Schienen stand. Dabei helfen Spezialermittler, die ebenfalls bald am Unglücksort sind. Gleichzeitig werde unter anderem ermittelt, wie schnell der Zug fuhr und ob die Schrankenanlage samt Warneinrichtung einwandfrei funktionierte.

„Da sind nur Wiesen und Felder“, beschreibt eine junge Frau aus Ibbenbüren das Umland des Horrorcrashs. Niedersachsen liegt gleich nebenan, viele Menschen pendeln ins benachbarte Osnabrück. Dort hatte die Linie RB61 den letzten Halt gemacht.

Wie gestern bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster mittlerweile gegen den 23-jährigen Traktorfahrer. Ermittelt wird auch, wie schnell der Zug fuhr und ob die Schrankenanlage samt Warneinrichtung einwandfrei funktionierte. Außerdem sind Zeugen zu befragen. „Das wird etwas Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Oberstaatsanwältin Barbara Vogelsang.

Die Bergungsarbeiten wurden am Samstagabend abgeschlossen. Seit gestern laufe der Verkehr auf der Strecke wieder frei, teilte die Bahn mit.