Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Rassismusvorwurf

Rassismusklage: Zugbegleiter soll Ausländer beleidigt haben

23.01.2015 | 00:11 Uhr
Rassismusklage: Zugbegleiter soll Ausländer beleidigt haben

Dortmund/Essen.   Ein verbaler Schlagabtausch bei einer Fahrkartenkontrolle im NRW-Regionalexpress kurz nach dem Anschlag in Paris hat juristische Konsequenzen.

Die heftigen Diskussionen und Konfrontationen nach dem Mord an den Journalisten von „Charlie Hebdo“ verschärfen das Alltagsklima in Deutschland. Das zeigt sich auch im öffentlichen Verkehr. Ein verbaler Schlagabtausch im Regionalexpress R1 von Dortmund nach Köln kurz nach dem Anschlag in Paris hat jetzt vielleicht sogar juristische Konsequenzen.

Der Kölner Filmregisseur und Autor Ingo Hamacher hat Anzeige erstattet, weil ein Zugbegleiter auf dem Essener Hauptbahnhof mehrere wohl arabisch-stämmige Jugendliche mit dem Satz „Dieses Gesocks. Man müsste alle auf den Bahnsteig stellen und erschießen“ aus dem Zug geworfen habe.

Zeuge stellt Zugbegleiter zur Rede

Wie Hamacher im Gespräch mit unserer Redaktion sagte, sei er Zeuge gewesen, wie es im RE 1, der Dortmund am Abend des 10. Januar um 22.45 Uhr verlassen habe, zunächst wegen fehlender Fahrausweise und erheblicher sprachlicher Verständigungsprobleme zur Eskalation gekommen sei. Nach dem Rauswurf auf dem Bahnhof in Essen habe er, Hamacher, den Bahnmitarbeiter zur Rede gestellt. Der habe darauf gesagt: „Wenn Sie das jeden Tag mitmachen würden, würden Sie das auch anders sehen. Wenn wir das nicht mit denen machen, dann machen die das mit uns“. Der Zeuge verstand dies als Anspielung auf die Ereignisse in Paris.

Bahn
Zugbegleiter beklagen Attacken und Angst vor Gewalt

Angepöbelt, bespuckt, geschlagen: Zugbegleiter werden nach Aussage der Gewerkschaft der Lokführer immer öfter Opfer von Aggressionen etwa durch...

Ein Bahnsprecher bestätigt den Zusammenstoß. Der Zugbegleiter werde wegen des Vorgangs derzeit nicht im Zugbegleitdienst eingesetzt, ihm werde ein besonderes psychologisches Training angeboten. Der Mitarbeiter bedauere den Vorgang, sei aber „sehr erregt“ gewesen.

Bahn-Mitarbeiter erhebt Vorwürfe

Die Details schildert der Betroffene offenbar etwas anders. Demnach haben ihn die drei jungen Leute mit den Worten „Du Nazi, du Nazischwein“ auf Deutsch beschimpft. Sie hätten auch Gesten wie „Halsabschneiden“ und „Erschießen“ gezeigt. Er habe sich dann zu den Worten hinreißen lassen: „Bei den Nazis hätte man geschossen, hier passiert gar nichts“.

Wutbürger

Der Deutsche Beamtenbund klagt: Bürger haben weniger Respekt vor der Verwaltung als früher. Gewalt und Aggressivität nehmen zu, sagt der Forscher....

Der Bahnsprecher sagt zu unserer Redaktion: „Wir bitten auch um Verständnis für die falsche Reaktion unseres Zugbegleiters. Unsere Mitarbeiter werden gerade bei Fahrausweiskontrollen beschimpft oder angepöbelt“. 2013 habe es 1200 körperliche Übergriffe gegeben, davon 80 Prozent bei den Kontrollen.

Hintergrund: Die Gewerkschaft der Lokführer beklagt eine stetig steigende Zahl an Übergriffen gegenüber dem Zugpersonal: "Wir haben ein Aggressionsproblem", sagt Sven Schmitte, NRW-Chef der GDL. Laut GDL sieht sich fast jeder Zugbegleiter täglich Beschimpfungen ausgesetzt. 63 Prozent der Befragten Gewerkschaftsmitglieder haben "schon einmal einen körperlichen Angriff erlebt" - damit meint Schmitte vor allem Handgreiflichkeiten.

Als Reaktion auf den jüngsten Vorfall plane die Bahn derzeit ein verbessertes Deeskalationstraining mit Rollenspielen, das alle Zugbegleiter noch einmal durchlaufen müssten.

Dietmar Seher

Funktionen
Fotos und Videos
article
10265355
Rassismusklage: Zugbegleiter soll Ausländer beleidigt haben
Rassismusklage: Zugbegleiter soll Ausländer beleidigt haben
$description$
http://www.derwesten.de/region/westfalen/zugbegleiter-soll-auslaender-beleidigt-haben-aimp-id10265355.html
2015-01-23 00:11
Westfalen