Welterbe-Plakette in Corvey enthüllt

Höxter..  „Das karolingische Westwerk und die Civitas Corvey - Unesco-Welterbe seit 21. Juni 2014“ ist auf der rechteckigen Plakette zu lesen. Sie ist in den Fußweg vor der Kirche eingelassen. Damit - und mit der Übergabe der Ernennungsurkunde - ist die Aufnahme des früheren Klosters Corvey im westfälischen Höxter in die Welterbeliste komplett.

Grund genug für einen feierlichen Festakt auf dem Gelände vor der ehemaligen Abteikirche, deren Ursprünge im 9. Jahrhundert liegen, und vor den langgestreckten weißen Klostergebäuden. Bereits vor elf Monaten hatte die Unesco, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, die im Mittelalter bedeutsame Klosteranlage in die Liste der für die Menschheit wertvollen Stätten aufgenommen.

Der aus dem nahe gelegenen Detmold stammende Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bedankte sich für den Einsatz auf dem Weg zum Welterbe-Titel. „Wir brauchen solche Zeugnisse der Geschichte – wie Corvey – , um uns in der Welt heute zu verorten und zurecht zu finden“, sagte Steinmeier in Höxter. Viel zu häufig wüssten Menschen solche Orte erst dann zu wertschätzen, wenn sie bedroht seien oder untergingen.

Kulturstätte der Menschheit

Er erinnerte an das Weltkulturerbe Palmyra in Syrien, das die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Kämpfen gegen die Regierungstruppen aus Damaskus erobert hatte. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Überreste von barbarischen islamistischen Horden zerstört sind“, beklagte der Außenminister.

Der Welterbe-Eintrag des westlichen Gebäudeteils der Abteikirche, des sogenannten Westwerks, sowie des Bodendenkmals der einstigen Klosterstadt „Civitas Corvey“ sei ein Grund zur Freude, hoben auch Festredner wie die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Paderborns Weihbischof Hubert Berenbrinker hervor. Das gelte auch für die Verpflichtung zum Erhalt des Ortes.

Für die Vorsitzende des Unesco-Welterbekomitees, Maria Böhmer, geht der Stellenwert des Titels über die Landesgrenzen hinaus: „Corvey gehört jetzt nicht mehr allein Höxter, NRW oder Deutschland, sondern es ist eine Kulturstätte der ganzen Menschheit.“

Zuletzt waren Unstimmigkeiten zwischen den Besitzern und der Stadt Höxter bekannt geworden. Der Bund hat bereits vier Millionen Euro zugesagt für Investitionen in die touristische Infrastruktur und für notwendige Sanierungen der riesigen Klosteranlage. Differenzen gab es bei der Frage, wie das Geld verteilt werden soll.

Die gesamte Anlage von Corvey geht auf ein im Jahr 822 gegründetes Kloster zurück, das sich zu einem der einflussreichsten Klöster des Frankenreiches entwickelte. 844 war die erste Steinkirche in Corvey geweiht worden. Ab 1145 wurde das Westwerk zu der heute noch bestehenden Doppelturmfassade umgestaltet.

Im ausgehenden Mittelalter verlor das Kloster aber an Bedeutung. Heute ist das Schloss Corvey im Besitz der Herzoglichen Familie von Ratibor, die barock ausgestattete Abteikirche gehört einer Kirchengemeinde.