Tipps für Trennungswillige

Dortmund..  Verliebte, heiratswillige Paare haben schon viele Veranstalter als Zielgruppe erkannt. Hochzeitsmessen präsentieren vielerorts, was das junge Brautpaar alles braucht, um den schönsten Tag im Leben zu feiern. Doch jetzt ist das Kongresszentrum der Dortmunder Westfalenhalle für Scheidungswillige reserviert. Denn auch die gibt es zu Hauf.

18,5 Millionen Ehen gibt es in Deutschland und gut zwei Millionen eheähnliche Lebensgemeinschaften. Auf dem Land scheitert jede dritte Ehe, in der Großstadt jede zweite. Im letzten Jahr wurden 170 000 Ehen geschieden. Dabei sind die Scheidungszahlen insgesamt rückläufig.

Ein Marktlücke wird geschlossen

Christoph Prüfer hat den Markt schon lange erkannt. Er leitet das Düsseldorfer Scheidungsunternehmen „Added Life Value“. Gemeinsam mit der Bochumer Eventagentur „Kroll und Schäfer“ veranstaltet er die erste Scheidungsmesse mit anschließender Scheidungsparty in Deutschland. Friseure, Reiseanbieter, Versicherer, Rechtsanwälte und Eheberater stellen am Samstag, 18. April, gemeinsam ihr Angebot vor. Und Abends wird kräftig gefeiert.

„Scheidung ist gesellschaftsfähig“, findet Caba Kroll von der Eventagentur „Kroll und Schäfer“ aus Bochum. Eine Messe zum Thema Trennung, mit dem freundlichen Namen „Neustarten“ auszurichten, schließe eine Marktlücke, ist auch Christoph Prüfer sicher. Nicht wegen der Kuriosität, sondern wegen des Bedarfs. Den kennt Prüfer durch sein Internetportal Scheidung.de. „Man geht über eine solche Messe nicht mit einer freudigen Erwartungshaltung, sondern, um eine Krise zu überwinden“, sagt er und fasst das Konzept knapp zusammen: „Hochzeitsmesse umgekehrt“.

Scheidung aus der Tabuzone holen

Bei der Scheidungsmesse sind alle versammelt, die bei einer Scheidung unabdingbar oder einfach hilfreich sind, sagen die Organisatoren. Der Anwalt ist in Deutschland ein Muss. Daneben präsentieren sich Mediatoren, die zwischen den Partnern vermitteln, um die Scheidung ohne Rosenkrieg gemeinsam zu meistern. Auch Finanzberater, Privatdetektive, Immobilienmakler und Versicherer sind da. Denn die brauche man, wenn man wieder Single ist, meint Christoph Prüfer.

„Wir wollen das Thema Scheidung aus der Tabuzone holen, ihr ein Stück Normalität geben“, sagt Prüfer. Weil die Krise nun mal da ist, sind auf der Messe auch Firmen und Dienstleister vertreten, die das Leben wieder in neue Bahnen lenken wollen: „Wenn zwei sich trennen, geht erfahrungsgemäß die Frau zum Friseur, der Mann in die Mucki-Bude“, sagt Prüfer.

„Zeige deine Freude über den Schlussstrich“, wirbt ein Tortenproduzent für seine „Traumtorten“, der sich ebenfalls auf der Scheidungsmesse präsentiert. Daneben stellen Kosmetiker, Friseure, eine Zahnklinik, sogar ein Schönheitschirurg ihre Dienstleistungen vor. Wer möchte, kann sich nicht nur vom Eheberater Tipps geben lassen, sondern auch von einer Astrologin. Und für den Weg zum neuen Partner parkt eine Stretchlimousine auf der Messe: zum Speeddating.

Dass auf der Messe nicht in großem Stil Trübsal geblasen wird, davon sind die Veranstalter überzeugt. Deshalb steigt in der Kongresshalle am Abend noch eine Scheidungsparty. „Scheidung muss nicht nur negativ sein. Wieso nicht feiern, dass man den Schritt zum Neustart wagt“, fragt Organisator Caba Kroll.

Auch Frischvermählte willkommen

„Partner in einer Krise, kommen in den seltensten Fällen gemeinsam“, sagt Christoph Prüfer. Vielmehr informiert sich jeder für sich, vielleicht mit einem Freund an der Seite, wie man durch den Scheidungsdschungel kommt. Zielgruppe seien auch Eltern, bei deren Kindern es in der Ehe kriselt.

Zudem verspricht die Scheidungsmesse Frischvermählten Tipps zu geben für eine gelungene Partnerschaft.