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Richtervereinigung empört über angeblich „zu viele Frauen“

19.10.2012 | 17:29 Uhr
Richtervereinigung empört über angeblich „zu viele Frauen“
Um den Anteil von Frauen in der Justiz ist ein Streit entbrannt. Der Richterbund NRW befürchtet, die Personalsituation an den Gerichten werde künftig noch weiter verschärft.Foto: Klaus Pollkläsener

Dortmund.   Entrüstet reagieren die Sprecherin der Neuen Richtervereinigung und NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) auf die Äußerungen, es gebe zu viele Frauen in der Justiz. Der Richterbund hatte gewarnt, dass sich die Personalsituation bei den Gerichten durch einen hohen Frauenanteil noch mehr verschärfen könnte.

Empört reagiert die Sprecherin des Bundesvorstands der Neuen Richtervereinigung, Christine Nordmann, auf die Aussagen vom Bund der Richter und Staatsanwälte in NRW. Der Vorsitzende Reiner Lindemann hatte gegenüber der WR gesagt, es gebe „möglicherweise zu viele Frauen in der Justiz“. Angesichts eines Frauenanteils von 62 Prozent bei Neueinstellungen könne sich die Personalsituation an den Gerichten vor Ort künftig noch mehr verschärfen.

„Herr Lindemann macht die Frauen zum Problem der Justiz. Da fragt man sich, in welcher Zeit Herr Lindemann lebt und welches Problem er mit den Frauen hat (und was wohl die weiblichen Kollegen im Richterverband davon halten)“, kommentierte Nordmann.

Kinderkriegen unterstützen, statt es zum Problem zu machen

Nach ihren Informationen liege der Gesamtfrauenanteil in der nordrhein-westfälischen Justiz noch immer unter 50 Prozent. „Schon deshalb darf man die Quote bei den Einstellungen durch das Justizministerium keinesfalls kritisieren, sondern muss dies unterstützen.“ Denn offenbar nehme der Minister den Verfassungsauftrag einer aktiven Gleichstellungspolitik ernst. „Zudem muss man(n) zur Kenntnis nehmen, dass Frauen ihre juristische Ausbildung im Durchschnitt mit besseren Examina abschließen, also nicht nur gleich gut, sondern häufig auch schlicht besser qualifiziert sind für den Richterberuf.“

Nordmann: „Dass Frauen Kinder bekommen und so neben ihrem Beruf einen weiteren wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten, muss ebenfalls unterstützt werden, statt es zum Problem zu machen.“ Die dadurch bedingten und von Herrn Lindemann beklagten Ausfallzeiten ließen sich ihrer Ansicht nach erheblich reduzieren, wenn die Gesellschaft für eine konsequente Gleichstellung von Frauen und Männern und für eine familienfreundliche Arbeitswelt wirklich bereit wäre - und wenn sich auch die Berufsverbände entsprechend engagieren würden. „Statt zu beklagen, dass Frauen den Männern erst die Arbeitsplätze streitig machen und dann ausfallen, könnten sie zum Beispiel beklagen, dass Männer nach wie vor nicht in gleichem Maße bereit sind, für die Familie berufliche Opfer zu bringen.“

"Quote längst nicht so rosig wie in anderen Ländern"

Darüber hinaus würde Christine Nordmann nach eigener Aussage begrüßen, wenn sich der Richterverband gemeinsam mit der Neuen Richtervereinigung dafür einsetzen würde, dass die hohe Zahl an qualifizierten Frauen an der Basis der Justiz auch die nötige Förderung und die Möglichkeit erhält, um in höhere Richterämter zu wachsen zum Beispiel an die Bundesgerichte. „Denn die Quote ist hier leider längst nicht so rosig wie in den Ländern“, sagt die Sprecherin. „An qualifizierten Frauen dürfte es in NRW ja nicht mangeln.“

Auch der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) reagierte mit Unverständnis auf die Aussagen aus dem Bund der Richter und Staatsanwälte NRW: „Eine Justiz ohne Frauen wäre ein Problem“, sagte er der WR, „genauso wie eine Gesellschaft ohne Kinder!“

Katja Sponholz



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