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Richterbund warnt vor „zu vielen“ Frauen in der Justiz

18.10.2012 | 18:00 Uhr
Richterbund warnt vor „zu vielen“ Frauen in der Justiz
Schon jetzt stapeln sich die Akten in den Gerichten - mehr Frauen in der Justiz, so die Befürchtung des Richterbundes, könnte die Personalsituation verschärfen, weil die Zahl an Elternzeiten wächst. Foto: Steffi Loos / dapd

Dortmund.   Richterinnen sind in NRW auf dem Vormarsch. Fast 62 Prozent der im vergangenen Jahr eingestellten Richter sind Frauen - ein Höchststand. Der Richterbund in NRW fürchtet, dass der hohe Frauen-Anteil in der Justiz langfristig zu weiteren Belastungen des Personals an den Gerichten führt.

Der wachsende Anteil von Richterinnen und Staatsanwältinnen kann zum Problem werden. „Wir haben möglicherweise zu viele Frauen in der Justiz“, sagt Reiner Lindemann, Vorsitzender des Bundes der Richter und Staatsanwälte NRW. Insider beobachten das Phänomen, dass sich bei den guten Examens-Kandidaten, die sich für den öffentlichen Dienst interessierten, überwiegend weibliche Absolventen meldeten. Die leisteten zwar „hervorragende Arbeit“, seien „gute Entscheider und belastbar“, räumte Lindemann ein. „Aber die guten Männer suchen sich die bessere Bezahlung und gehen in die Wirtschaft und die Kanzleien.“

Die Folge: Viele Juristinnen fielen für Familienzeiten einige Jahre aus. „Das führt dann zu dem Problem, dass wir Richterstellen nicht besetzen können mit Planrichtern und Lebenszeitrichtern und an der Basis die Arbeitskräfte ersetzt werden müssen“, so der Vorsitzende.

"Kollegen sind jetzt schon überlastet"

Das allerdings funktioniere nicht immer reibungslos und sei für die Kollegen mitunter „sehr belastend“: „Schon jetzt sind die Kollegen vor Ort sowieso überlastet“, so Lindemann . Der hohe Frauenanteil von 62 Prozent bei Neueinstellungen sorge so für eine weitere Verschärfung der Personalsituation: Aktuell fehlten in NRW 500 Stellen für Richter und 200 für Staatsanwälte. Der Deutsche Richterbund NRW befürchtet deshalb, dass nicht nur die Dauer der Verfahren weiter in die Länge gezogen werde , sondern unter dem Zeitdruck langfristig auch die Qualität leiden könne.

In NRW gibt es 37 Justizvollzugsanstalten, 15 werden von Frauen geleitet. Deutlich weniger der 19 Landgerichte werden dagegen von Richterinnen geführt...

Die Forderungen des Verbandes: „Wir müssen insgesamt eine bessere Besoldung haben, damit sich neue Bewerber melden und wir ein gleiches Verhältnis zwischen Männer und Frauen erhalten.“ Andernfalls zeichne sich ab, dass die Lage „dramatisch“ werde.

Frauenförderung stärken

Positiv bewertet Lindemann in diesem Zusammenhang das Projekt „Frauen in Führungspositionen“, das jetzt im Justizministerium gestartet worden sei. „Das macht der Minister richtig, dass er die Frauenförderung stärken will – mit allen Schattierungen.“

Nach Ansicht Kutschatys sei es „für die Justiz dringend erforderlich, hoch qualifizierte Frauen als Führungskräfte zu gewinnen“. Familie und Karriere dürften hierbei kein Widerspruch sein. „Deswegen schaffen wir im Justizministerium Arbeitsbedingungen, die es ermöglichen, dass Menschen sich bewusst für Kinder und Beruf entscheiden können. Nur so können wir in Zeiten des demografischen Wandels hoch qualifizierte Frauen und Männer gleichermaßen gewinnen.“ Der Minister jedenfalls hofft, „dass wir mit diesem Engagement Vorbild für andere Behörden, Gerichte und Betriebe sein werden“.

Katja Sponholz

Kommentare
20.10.2012
00:20
Richterbund warnt vor „zu vielen“ Frauen in der Justiz
von kadiya26 | #20

Seit Jahrzehnten wird nicht nur über mangelnden Nachwuchs in Deutschland gejammert, sondern insbesondere über den mangelnden Nachwuchs sozial besser...
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Richterbund warnt vor „zu vielen“ Frauen in der Justiz
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2012-10-18 18:00
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