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Polizeipräsident holt sich mit Blechschaden-Vorschlag blutige Nase

14.08.2012 | 20:03 Uhr
Polizeipräsident holt sich mit Blechschaden-Vorschlag blutige Nase
Unfall – und dann? Ginge es nach Hubert Wimber, Münsters Polizeipräsident, würden Blechschäden künftig von den Unfallbeteiligten selbst abgewickelt.Foto: obs/GDV-Dienstleistungsgmbh

Dortmund.   Die Polizei solle künftig entlastet werden, indem sie zu Bagatellunfällen nicht mehr ausrücken soll. Gewerkschaften und andere Verbände laufen gegen den Vorschlag von Münsters Polizeipräsident Hubert Wimber Sturm. Es ist nicht die erste Blamage für den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft deutscher Polizeipräsidenten.

Als sich Hubert Wimber das letzte Mal weit aus dem Fenster lehnte, holte er sich eine blutige Nase. Münsters Polizeipräsident, der zudem der Arbeitsgemeinschaft deutscher Polizeipräsidenten vorsitzt, forderte das Nummernschild fürs Fahrrad, um „Geisterfahrer, Rotlichtsünder und Unfallflüchtige“ nachträglich ermitteln zu können.

Die Fahrradverbände stöhnten auf, und selbst manch ein Branchenkollege schüttelte verständnislos den Kopf: Ein Bürokratiemonster sei das, mehr nicht. Vor nicht einmal zwei Monaten erklärte Wimber kleinlaut, die Kennzeichnungspflicht sei zu den Akten gelegt: Der Bürokratieaufwand sei schlicht zu hoch. Die Blamage für den Chef war perfekt.

Jetzt hat sich Hubert Wimber, ein Mitglied der Grünen, erneut öffentlich Gehör verschafft. Die Polizei, die in der Tat mehrere Millionen Überstunden vor sich herschiebt, solle künftig entlastet werden , indem sie zu Bagatellunfällen nicht mehr ausrücken soll. „Durch neue Formen der Kriminalität haben wir einen zusätzlichen Personalbedarf. Wir müssen uns von Aufgaben trennen“, sagte er unserer Zeitung. Blechschäden sollten deshalb von den Unfallbeteiligten selbst abgewickelt werden. Es sei schließlich nicht die Aufgabe der Polizei, Sachverhalte für die Haftpflichtversicherer zu klären.

Fahrschullehrer halten Idee für „falschen Ansatz“

Als Kurt Bartels von diesem Vorstoß erfuhr, fiel er vom Glauben ab. Er, der Fahrlehrer, sei es doch immer, der mit mahnendem Zeigefinger vor seinen Schülern steht und sagt: „Ruft bei einem Unfall sofort die Polizei an.“ Gerade für Fahranfänger oder Senioren stelle diese emotionale Ausnahmesituation eine enorme Überforderung dar, weiß Bartels. Als stellvertretender Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein fügt er hinzu: „Das ist der völlig falsche Ansatz!“

Video
Dortmund, 09.08.2012: Die Gefahr die von legalen- wie auch illegaler Pyrotechnik ausgeht erklärte die Bundespolizei in Dortmund sehr eindrucksvoll.

Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. Die Polizei selbst will auch künftig bei Bagatellunfällen ausrücken. Die Polizeigewerkschaften gingen deshalb gestern auf die Barrikaden. „Die Aufnahme von Verkehrsunfällen muss in der Hand der Polizei bleiben. Auch bei geringen Schäden“, erklärte Rainer Wendt, Bundesvorsitzender Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Schließlich könne mit jeder Unfallaufnahme auch eine weitere Straftat einhergehen, wie Trunkenheit am Steuer oder Drogenkonsum: „Das kann nur die Polizei feststellen und ahnden.“

Polizei in Blau

Gewerkschaft: „Bliebe die Polizei außen vor, wäre der Bürger der Dumme“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlägt in dieselbe Kerbe. „Die Bürger haben ein Recht darauf, dass der Unfallhergang unvoreingenommen durch eine neutrale Instanz festgestellt wird“, sagt der nordrhein-westfälische GdP-Vorsitzende Frank Richter: „Bliebe die Polizei außen vor, wäre der Bürger der Dumme.“ Richter erinnerte daran, dass Verkehrsteilnehmer nach einem Unfall oft aufgeregt sind: „Sie können deshalb die Schwere des Unfalls nicht einschätzen.“ Oder würden kriminellen „Autobumsern“, die Auffahrunfälle provozieren, auf den Leim gehen.

Das Argument der Gewerkschaften, dass sich so zudem langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen häufen werden, lässt Christian Friehoff vom Deutschen Richterbund nicht gelten. „Viel würde sich für uns wahrscheinlich nicht ändern. Bagatellunfälle werden schon jetzt nur in Ausnahmen ausführlich ausermittelt und landen eher selten vor Gericht“, sagte Friehoff. Der Polizist sei auch kein Sachverständiger. Er könne vor Ort auch nur notieren, was die Beteiligten sagen, so Friehoff weiter.

Versichertenverband: Idee ist nicht neu

Bis nach Berlin muss man telefonieren, um Unterstützer für den Vorschlag von Hubert Wimber zu finden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft berichtet von Vorreitern wie Berlin, wo dies längst gang und gäbe sei. „Das läuft unproblematisch“, heißt es dort. Immerhin das. Eine Aussage, die sich bei all der vehementen Kritik für Hubert Wimber anfühlen muss wie ein Airbag, der die Wucht des Aufpralls gegen die Wand ein wenig abfedert. Die Nase aber blutet trotzdem.

Ganz in Blau

Dennis Betzholz

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Kommentare
22.08.2012
14:50
Polizeipräsident holt sich mit Blechschaden-Vorschlag blutige Nase
von bloss-keine-Katsche | #4

Bagatellfälle im Straßenverkehr sind wie die Nachbarstreitigkeiten vor Gericht,
hier werden Kapazitäten geblockt.
Für Gerichte und Polizei gibts bestimmt wichtigeres (auch und insbesondere Radarkontrollen!)

15.08.2012
12:59
Polizeipräsident holt sich mit Blechschaden-Vorschlag blutige Nase
von HalloAusDemPott | #3

Hubert Wimber, legen Sie ihren Job nieder, sie sind inkompetent, polemisch, haben von nichts eine Ahnung und sind absolut überflüssig.

Fangen sie bei der Müllabfuhr an, da passen sie am besten hin, bei dem Müll, den sie von sich geben.

Um es einfach auszudrücken, sie haben den berühmten Schuss nicht mehr gehört.

15.08.2012
09:04
Polizeipräsident holt sich mit Blechschaden-Vorschlag blutige Nase
von StevedAmour | #2

Gerade nach Unfällen, wo die Beteilidgen sowieso schon unter Schock stehen, kann die Polizei mal Freund und Helfer sein. Und würde so dann auch mal in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Aber stattdessen führen wir jetzt regelmäßig Blitzmarathons durch, wo zig tausend Beamte im Einsatz sind. Und nun spricht er davon das die Polizei entlastet werden muss.

Böse Zungen könnten behaupten mit der Aufnahme von Blechschäden kommt nicht soviel Geld in die Kassen, als wenn man die Beamten für eine Stunde mit der Laserpistole an den Straßenrand stellt.

Und WARUM muss die Polizei auf einmal entlastet werden? Sind die Einsätze im Straßenverkehr wirklich signifikant mehr geworden? Oder ist vielleicht die Personaldichte in den vergangenen Jahren geschrumpft?
Oder heißt Entlastung eigentlich eher kostengünstiger?

Kann mal bitte jemand offen und ehrlich mit uns reden. Danke

15.08.2012
08:43
Polizeipräsident holt sich mit Blechschaden-Vorschlag blutige Nase
von Pampersbomber | #1

Mit Verlaub sei bemerkt, dass sich ein solches von den Polizeipräsidenten gewünschter Rückzug der staatlichen Hoheitsgewalt, wohl auch in einer Anarchie ausarten könnte, da nun jeder meint alles selbst in die Hand nehmen zu müssen. Nun sprach er sich auch noch dafür aus die "Ruhestörungen, usw." demnächst aus dem Leistungskatalog streichen zu wollen. Einbrüche? Was kommt noch? Also Herr Wimber, sollte es so weiter gehen, sollte ich mir wohl als Hausbesitzer wohl eine MP5 SD3 zulegen müssen (?), damit konnte ich damals wunderbar umgehen, Einbrecher mit Messer oder Pistole - Kein Problem. Eine Polizei bräuchte ich dann nicht mehr. Ich bitte ab er dann darum, dass nicht hinterher in meinem Haus mit Pülverchen gespielt wird und zig Leute durch mein Haus trampeln. Einfach bitte nur rein in die Alukiste und Tschüss sagen. Wofür bitte schön, benötigen wir dann noch hoch bezahlte Polizeipräsidenten?

1 Antwort
Polizeipräsident holt sich mit Blechschaden-Vorschlag blutige Nase
von gambler1 | #1-1

MP5 SD3 ? Nee
Lieber eine AK 47 oder eine M4 !

Da ist mehr Bums hinter !

"g"

Ansonsten 100% Zustimmung

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