Orkanopfer Helmut Schulte sucht die Ruhe
17.01.2012 | 15:33 Uhr 2012-01-17T15:33:00+0100
Dortmund/Hamburg. Den Baum, der damals auf sein Auto stürzte, hat Kyrill-Opfer Helmut Schulte später einmal seinen Freund genannt. Doch dieser Baum schlug auch eine Schneise in Schultes Leben.
Der Baum, hat Helmut Schulte mal gesagt, sei ja eigentlich sein Freund gewesen: „Er ist so gefallen, dass ich überlebt habe.“ Dennoch: So einen Freund, wie Schulte ihn am Abend des 18. Januar 2007 in Essen traf, sollte man besser niemals kennen lernen.
Der frühere Fußballbundesligatrainer, der 2007 als Chef der Nachwuchsabteilung von Schalke 04 im Ruhrgebiet tätig war, ist das prominenteste Opfer des Jahrhundertsturms Kyrill. Das Foto, das den gebürtigen Sauerländer mit einem Halo-Fixateur am Schädel zeigt, erzählte vom Grauen und vom jähen Glück jener Nacht. Eine 30 Meter hohe Buche war auf Schultes fahrendes Auto gestürzt, als der damals 49-Jährige sein Zuhause schon fast erreicht hatte. Schreie, höllische Schmerzen, der krampfhafte Versuch, sich aufs Atmen zu konzentrieren: Solche Erinnerungsfetzen sind Schulte aus den Stunden geblieben, die er eingeklemmt im Auto verbrachte. Als er Tage später im Krankenhaus aus dem künstlichen Koma erwachte, erfuhr er, dass – neben anderen Verletzungen – sein zweiter Halswirbel gebrochen sei. Und dass er dennoch um ein Leben im Rollstuhl herumkommen werde.
Helmut Schulte lebt heute in Hamburg. Er arbeitet als Geschäftsführer Sport beim Fußballzweitligisten FC St. Pauli. Über „Kyrill“ mag er nicht mehr reden. Mit seinen Erinnerungen möchte er am Jahrestag des Unglücks allein bleiben. Mehr als ein halbes Jahr lang war Schulte nach dem Unglück arbeitsunfähig. Den ersten Jahrestag von Kyrill feierte er noch wie einen Wiedergeburtstag. Von seiner Frau bekam er damals eine Buddha-Figur geschenkt, geschnitzt aus dem Holz jenes zweifelhaften Freundes aus der Orkannacht.
Fünf Jahresringe hat die Zeit um das Geschehen von damals gelegt. Zeit, die geprägt war vom alles überstrahlenden Sieg des Lebens und von einer Niederlage vor Gericht. Schmerzensgeld von der Stadt Essen oder vom Landesbetrieb Straßen NRW wird Schulte nicht erhalten. Das Oberlandesgericht Hamm entschied 2011, er sei einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und somit das Opfer eines „außergewöhnlichen Naturereignisses“.
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