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Energiewende

NRW-Talsperren sollen Strom speichern

08.02.2012 | 18:37 Uhr
NRW-Talsperren sollen Strom speichern
Am Beispiel des Biggesees wird untersucht, ob Talsperren als Unterbecken von Pumpspeicherkraftwerken geeignet sind.Foto: Hans Blossey

Westfalen.   NRW braucht mehr Pumpspeicherkraftwerke, fordert die CDU an diesem Donnerstag im Landtag. Dabei könnten Talsperren eine neue Rolle spielen. Eine Studie prüft, wie sie zu solchen Stromspeichern aufgerüstet werden können.

Talsperren in Nordrhein-Westfalen könnten stärker als bisher eine Rolle bei der Energiewende spielen. In einer Studie lassen Wasserwirtschaftsverbände prüfen, ob vorhandene Talsperren, wie beispielsweise der Biggesee, als Auffangbecken für neue Pumpspeicherkraftwerke geeignet sind. So könnte der Bau solcher Energiespeicher möglicherweise schneller, mit weniger Landverbrauch und kostengünstiger geschehen.

Das Dilemma wird mit dem Ausbau von Solar- und Windkraft zunehmend deutlicher: Auf diese Art erzeugter Strom fällt nicht unbedingt dann an, wenn er gebraucht wird. So müssen schon heute wetterbedingt Strommengen ungenutzt und teuer stillgelegt werden, weil es keine Abnehmer gibt – zu anderen Zeiten hingegen fehlt der Strom, wenn die Sonne gerade mal nicht scheint und sich kein Lüftchen regt.

NRW braucht bis 2020 dreimal mehr Pumpwerk-Energie

In NRW gibt es derzeit zwei Pumpspeicherkraftwerke, die zum Ausgleich solcher Situationen herangezogen werden: Bei Finnentrop (Glinge-Becken) und das Koepchenwerk bei Herdecke, erläutert Ulrich Windau, Dezernent in der Wasserwirtschaftsabteilung der Bezirksregierung Arnsberg. Diese beiden Kraftwerke haben eine Kapazität von zusammen knapp 300 Megawatt.

Aus dem Oberbecken (1) wird Wasser abgelassen, wenn Strom benötigt wird.

„Doch bis 2020 braucht NRW mindestens 1000 Megawatt zusätzlichen Pumpspeicher“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Josef Hovenjürgen. „Die Zeit drängt.“

Während Überlegungen, Bergschächte als unterirdische Pumpspeicherkraftwerke zu nutzen, noch in den Kinderschuhen stecken, gilt die Technik mit einem Ober- und Unterbecken als technisch erprobt – aber auch als vor Ort umstritten. Denn der Bau von zwei Seen, einer auf dem Berg und einer im Tal, ist mit starken Eingriffen in die Landschaft verbunden. Zwar wird überall im Land nach geeigneten Standorten gesucht – doch zu früh möchte niemand aus der Deckung kommen: Man fürchtet Bürgerproteste.

So läuft eine Studie von Ruhr-, Wupper-, Agger- und Wasserverband Eifel-Rur eher im Verborgenen: Sie untersuchen an jeweils einer ihrer Talsperren den Bau von Oberbecken als Pumpspeicherwerk. Für den Ruhrverband ist das der Biggesee bei Olpe. „Die Studie wird erst Anfang Mai fertig sein, und bis dahin werden wir uns dazu nicht öffentlich äußern“, sagt Markus Rüdel, Sprecher des Essener Verbandes. Nur soviel: Sollte es sich als machbar und wirtschaftlich erweisen, könnte sich der Ruhrverband durchaus vorstellen, seine Stromerzeugung mit dem Bau von Pumpspeicherwerken in Eigenregie auszubauen.

Trinkwassersperren sind ausgeschlossen für Energie-Nutzung

Einige der Vorteile von Speicherwerken an vorhandenen Seen liegen auf der Hand: Dort müssen „nur“ ein Oberbecken auf einem Berg in der Nähe des Sees und ein Wasser-Stollen gebaut werden; das Auffangbecken für das abgelassene Wasser ist schon vorhanden. Das bedeutet einen deutlich geringeren Landschaftseingriff. Ebenso gibt es in der Regel an den Seen auch jetzt schon notwendige Infrastruktur wie zum Beispiel Stromleitungen, um die Energie zu- und abzuführen. Dadurch würden die Kosten des Baus wie auch der Zeitaufwand geringer sein als bei einem kompletten Neubau.

Überprüft werden müsste nach Ansicht von Wasserwirtschaftsexperten, ob die Nutzung der Talsperre als Pumpspeicherwerk mit den bisherigen Nutzungen vereinbar ist. Ausgeschlossen sind dabei reine Trinkwassertalsperren wie die Ennepe und die Verse: Beim Ablassen des Wassers aus dem Oberbecken ist mit starken Verwirbelungen zu rechnen, die das Trinkwasser verschmutzen könnten. Auch FFH- oder andere Naturschutz-Gebiete dürften ein Ausschlusskriterium sein.

An Seen wie der Bigge, der Sorpe, Möhne oder Henne konkurriert das Pumpspeicherwerk vor allem mit der Freizeitnutzung. Denn: Wenn Wasser auf den Berg gepumpt wird, sinkt der Wasserspiegel und steigt umgekehrt, wenn Wasser abgelassen wird. Bekannt ist das vom Koepchenwerk, das in Kombination mit dem Hengsteysee als Pumpspeicherwerk funktioniert. Dort werden wechselnde Wasserstände von einem halben bis zu einem Meter registriert. Das aber hält man für vertretbar.

Das Absenken und Auffüllen zieht sich über einen Zeitraum von vier bis sechs Stunden hin – und fällt damit subjektiv kaum auf.

Rechtliche Hürden behindern Energiewende

Als Ersatz für den Landverbrauch bei großen Baumaßnahmen muss eine andere Fläche ökologisch aufgewertet werden – als sogenannte „Ausgleichsfläche“.Diese Ersatzmaßnahmen werden auch beim Bau von Pumpspeicherwerken und Windkraftanlagen nötig.

Nach Ansicht der CDU-Landtagsfraktion, die am Donnerstag einen Antrag im Landtag dazu einbringt, behindern rechtliche Hürden wie die Forderung nach Ausgleichsmaßnahmen die Energiewende in Nordrhein-Westfalen.

Im Fall von regenerativen Energieanlagen fordert die CDU die Abschaffung: Ausgleichsflächen machten die Energieanlagen nicht nur teurer, sie würden zudem dringend benötigte landwirtschaftliche Flächen weiter dezimieren. „Minister Remmel muss endlich ganzheitlich denken“, fordert der Abgeordnete Josef Hovenjürgen. Ansonsten sei er „auf dem Weg in ein großes Fiasko“.

Heinz Krischer

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Kommentare
09.02.2012
12:39
NRW-Talsperren sollen Strom speichern
von FernerBeobachter | #1

Deutlich sinnvoller und REALISIERBARER als so manch anderer "grüngetünchter Geistesblitz" (Stichworte "Windauto", "Norwegen",...)!

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