„In Ruhe ein paar Pilsken trinken“

Berlin/Dortmund..  Es ist ungefähr so überraschend wie fallende Blätter im Herbst und der ruppige Tonfall eines Berliner Busfahrers: Der Kurfürstendamm und insbesondere der Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche sind schon am Freitag fest in schwarz-gelber Hand. Hier stimmen sich die Fans von Borussia Dortmund auf das DFB-Pokalfinale ein, das war immer so und – wenn es nach ihnen geht – wird das auch immer so bleiben. Einige hundert Fans haben sich hier am späten Nachmittag versammelt, einen Tag vor dem Endspiel gegen den VfL Wolfsburg (20 Uhr/ARD und Sky).

Es wäre zwar noch reichlich Platz – aber die, die schon hier sind, haben Spaß; singen, tanzen – oder hören Stadionsprecher Nobby Dickel zu. „Die Stadt ist schwarz-gelb!“, ruft der den BVB-Fans von der, natürlich, schwarz-gelben Bühne aus entgegen. „Wir sind immer in der Mehrheit, das wird auch dieses Mal so sein. Gut, gegen Wolfsburg ist das ja auch nicht so schwer.“ 130 000 Fans erwartet der BVB an diesem Wochenende in der Hauptstadt, so hat er es schon vor Tagen selbstbewusst angekündigt. Die Berliner Behörden geben sich defensiver und sprechen von etwa 75 000 – von denen ein großer Teil zumindest zeitweise am Breitscheidplatz erwartet wird.

„Berlin liebt die BVB-Fans und die BVB-Fans lieben die Berliner“, ruft Dickel nun. „Wir wollen nur in Ruhe ein paar Pilsken trinken.“ Genau daran hatten die Behörden in den vergangenen Tagen offenbar Zweifel: Am Mittwochabend wurde auch der BVB von der Nachricht überrascht, der ursprüngliche Veranstalter AG City habe das Fanfest wegen zu hoher Sicherheitsauflagen abgesagt, was hinter den Kulissen hektische Betriebsamkeit auslöste. Insbesondere bei BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer, der nun neben der Bühne steht und noch eben selbst ein Schild umdreht, das jemand falsch herum abgestellt hat. Schon mittags am Flughafen hatte er sich keine große Mühe gegeben, seinen Ärger über die etwas chaotischen Umstände zu verbergen: „Entsetzt“ sei er gewesen, als man ihm von der Absage berichtete. „Wir haben uns dann intensiv mit den Berliner Behörden ausgetauscht, haben klar gemacht, dass die Sorgen unbegründet sind und haben natürlich dafür gekämpft, dass wir unsere Fans am Breitscheidplatz unterhalten können“, so Cramer. 24 verschenkte Stunden seien das gewesen. Aber: „Das Ergebnis zählt, das Fanfest findet statt.“