Gründliche Leichenschau blieb wohl aus

Gelsenkirchen..  Eine totgeglaubte Frau erwacht im Kühlraum eines Gelsenkirchener Bestattungsunternehmens. Sie gerät in Panik, schreit. Glücklicherweise hören zwei Mitarbeiter die Geräusche durch die schwere Tür. Die Frau kam ins Krankenhaus, wo sie am Montagnachmittag nach Polizeiangaben starb.

Eigentlich dürfte es eine solche Szene in der Realität nicht geben. Denn es gibt konkrete gesetzliche Vorgaben, nach denen der Tod eines Menschen festgestellt werden muss. „Das darf nur ein Arzt. Bei einer Leichenschau muss er sichere Todeszeichen erkennen“, sagt Thomas Kamphausen, Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin der Kölner Uniklinik. Dafür müsse der Körper unbekleidet untersucht werden.

Sichere Todeszeichen seien Totenflecke, die sich 20 bis 30 Minuten nach dem Tod auf dem Körper bilden. Nach zwei bis drei Stunden setze die Leichenstarre ein. Und noch später - je nach Temperatur - würden Verwesungs- und Fäulniszeichen sichtbar. „Keinesfalls reichen unsichere Todeszeichen wie fehlender Puls, Kreislauf-Stillstand, geringe Körperwärme oder blasse Haut“, sagt der Mediziner.

Im Fall der 92-Jährigen hatte eine Pflegerin die schwer kranke Frau am Samstag in einem Seniorenheim ohne Puls und Atmung aufgefunden. Ein Arzt bescheinigte den Tod. Beim Bestatter wachte die Frau wieder auf. Die Kriminalpolizei ermittelt nun, ob es ein Versäumnis beim Feststellen des Todes gegeben hat.

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