Ginczek sichert Stuttgart den Klassenerhalt gegen Paderborn

Der Neheimer Daniel Ginczek feiert mit dem VfB Stuttgart den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga.
Der Neheimer Daniel Ginczek feiert mit dem VfB Stuttgart den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga.
Was wir bereits wissen
Daniel Ginczek aus Neheim im Sauerland hat dem VfB Stuttgart mit seinen Tor zum 2:1-Sieg beim SC Paderborn den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga gesichert.

Paderborn.. Daniel Ginczek hat den VfB Stuttgart vor dem zweiten Absturz in die 2. Liga nach 1975 bewahrt. Dem Angreifer der Schwaben gelang am Samstag in der 72. Minute das millionenschwere Siegtor zum 2:1 (1:1)-Erfolg der Schwaben beim SC Paderborn, für den das Bundesliga-Abenteuer nach einer Saison wieder beendet ist.

Paderborn durch Vucinovic früh in Führung

Beim Tabellen-Letzten aus Ostwestfalen kam nach dem frühen Führungstreffer von Marc Vucinovic (4.) noch einmal Hoffnung auf, mit einem Sieg am letzten Bundesliga-Spieltag noch den Relegationsplatz zu erreichen. Doch Daniel Didavi brachte die Mannschaft von Trainer Huub Stevens, der seine Rettungsmission wie schon im Vorjahr erfolgreich zu Ende brachte, mit dem 1:1 in der 36. Minute zurück in die Begegnung.


Während Stevens in seiner 368. Bundesliga-Partie die zuletzt erfolgreiche Formation ins Rennen schickte, nahm SC-Coach André Breitenreiter im letzten Heimspiel drei Änderungen vor. Florian Hartherz und Vucinovic rückten für den gelbgesperrten Daniel Brückner und Süleyman Koc in die Startelf. Zudem spielte Elias Kachunga für Lukas Rupp und agierte neben Srdjan Lakic als zweite Spitze.

Die Hereinnahme von Vucinovic zahlte sich für die Ostwestfalen schon in der 4. Minute aus. SC-Kapitän Uwe Hünemeier durfte ungehindert bis fast zum Strafraum der Schwaben marschieren, der Ball landete dann über Lakic beim freistehenden Rechtsaußen: Und Vucinovic, der mit seinen Toren in der Endphase der Zweitliga-Saison im Vorjahr maßgeblich zum Aufstieg beigetragen hatte, schockte den VfB in seinem erst achten Saison-Einsatz mit einem platzierten Schuss aus rund 18 Metern.

SCP-Keeper Kruse nach Didavi-Schuss geschlagen

Zwar hatten die Gäste danach mehr Ballbesitz und mehr Torabschlüsse, doch effektiv waren sie zunächst nicht. Immer wieder blieben die Angreifer in der 07-Abwehr hängen oder fanden in Torhüter Lukas Kruse ihren Meister. Martin Harnik (13.) sorgte mit einem Kopfball knapp über die Latte noch für die größte Gefahr. Dann aber war Kruse geschlagen. Nach einem missglückten Klärungsversuch von Hünemeier hatte Didavi wenig Mühe, zum 1:1 auszugleichen.

Kostic der überragende Stuttgarter

Nur zwei Minuten später verfehlte Harnik (38.) am langen Pfosten nach einer Hereingabe des unermüdlichen Antreibers Filip Kostic das leere Tor. Das hätte schon die VfB-Führung sein müssen. Doch fast noch größer war die Chance von Daniel Ginczek. Wie Slalomstangen umkurvte er drei Paderborner, setzte den Ball dann aber frei vor Kruse neben das Tor.


Da Paderborn ein Remis nichts genutzt hätte, brachte Breitenreiter im zweiten Durchgang in Jens Wemmer und Offensivspieler Rupp zwei frische Kräfte. Doch weil der Hamburger SV kurz darauf 2:0 gegen Schalke 04 führte, war die letzte Hoffnung auf die wundersame Rettung beim wackeren Aufsteiger längst geschwunden.

Ginczek erzielt das entscheidende Tor

Und Stuttgart brauchte nur das entscheidende Tor, um sich den Klassenverbleib noch zu sichern. Von einem Sturmlauf der Schwaben war aber zunächst nichts zu sehen, auch wenn Kostic immer wieder die Initiative ergriff. Harnik (65.) rutsche erneut an dessen Flanke vorbei. Eine tolle Einzelaktion von Ginczek brachte dann das für den VfB erlösende Tor und Stevens den 150. Sieg als Bundesliga-Trainer. Gleichwohl dürfte die Zeit des Niederländers als Coach in Stuttgart wohl abgelaufen sein. (dpa)

Paderborner Stimmen zum dramatischen Abstiegsduell

Andrè Breitenreiter (SCP-Trainer): "Meine Jungs haben eine tolle Saison gespielt. Am Ende hat es leider nicht zum Klassenerhalt gereicht, weil uns auch ein Stück Qualität gefehlt hat. Stuttgart dagegen hat eine brutal hohe Qualität. Kostic ist der beste Spieler, der diese Saison hier in Paderborn beim Gegner auf dem Platz gestanden hat. Wir haben einen entscheidenden Fehler gemacht beim zweiten Gegentor. Unsere eigenen Torchancen konnten wir nicht nutzen, dann verliert man so ein Spiel und steigt ab. Wir sind sehr traurig."

Uwe Hünemeier (SCP-Kapitän): Was in dieser Mannschaft an Mentalität und Herz steckt, dass sucht in der Bundesliga seinesgleichen. Wir werden uns jetzt einmal schütteln und wenn der Großteil der Mannschaft zusammen bleibt, dann werden wir in der zweiten Liga wieder angreifen. Diese Truppe hat Lust auf mehr, deshalb werden wir in der kommenden Saison neu angreifen."

Christian Strohdiek (SC-Spieler, der nach Duisburg wechselt): "Kein schöner Abschied für mich. Es waren am Ende viele Kleinigkeiten, die uns in der Rückrunde nicht die Punkte eingebracht haben, die wir gebraucht hätten. Wir haben aber bis zum Schluss alles in die Waagschale geworfen und so doch eine großartige Saison gespielt, auf die wir stolz sein können, auch wenn der Schmerz über den Abstieg tief sitzt."

Lukas Kruse (SCP-Keeper): "Wir haben es nicht verdient, dass wir absteigen. Die Sommerpause ist ja nicht so lang, deshalb müssen wir uns schnell damit beschäftigen, dass wir nicht mehr in der ersten Bundesliga spielen gegen den großen FCB oder nach Dortmund fahren."

Moritz Stoppelkamp (SCP-Spieler): "Dass man noch soviel Zuspruch von den Fans bekommt, wenn man absteigt, das ist nicht bei jedem Verein so. Wir können uns für die Komplimente nichts kaufen. Wir hatten uns den Klassenverbleib schließlich zugetraut, und deswegen ist sehr schade, dass wir absteigen müssen."

Jens Wemmer (SCP-Routinier): "Es einfach nur bitter. Ich bin traurig und sprachlos und weiß nicht wohin, mit meinen Gefühlen. Wir wollten nicht absteigen, das haben wir nicht geschafft. Emotional bin ich durch den Wind und sehr enttäuscht."

Süleyman Koc (SCP-Stürmer): "Wenn man absteigt, dann ist das ein Scheiß-Gefühl. Wir haben es nicht verdient, aber so ist Fußball. Wenn du das nicht umsetzt, was das Trainer-Team verlangt, dann steigst du ab."

Stuttgarter Stimmen zum dramatischen Abstiegsduell

Huub Stevens (VfB-Trainer): „Es war eine extrem schwierige Aufgabe für alle Beteiligten. Wir haben es nur geschafft, weil alle zusammengehalten haben, der komplette Verein und die Fans. Der frühe Rückstand war alles andere als gut, aber die Mannschaft hat nicht die Ruhe verloren und gut weitergespielt. Sie hat wie in den vergangen Wochen ihren Weg nicht verlassen, und trotz der Hektik und des knappen Ergebnisses war dies ein verdienter Sieg. Wir haben unseren Weg erfolgreich beendet:"

Christian Gentner (VfB-Routinier): "Der Druck, den wir hatten, der war die letzten Wochen enorm groß. Ich glaube, es wird noch einige Zeit dauern, um das alles sacken zu lassen. Nach dem frühen Rückstand hat die Mannschaft gezeigt, was sie die letzten Wochen ausgemacht hat. Wir sind nicht in Panik verfallen, sondern haben die Ruhe bewahrt und sind deshalb der verdiente Sieger. Am Ende war es eine perverse Situation. Denn die einen feiern, die anderen müssen in die zweite Liga."

Daniel Ginczek (VfB-Torjäger): "Wir alle möchte so eine Saison nicht mehr erleben und sind total erleichtert. Ich wollte der Mannschaft mit meinen Toren immer helfen. Zum Schluss hatte ich eine ganz gute Quote. Ohne zehn andere Spieler hinter mir kann man das nicht schaffen. Kompliment deshalb an die ganze Mannschaft. Wir haben unheimlich viel Gas gegeben die letzten Wochen. Das war sehr kraftraubend."

Sven Ulreich (VfB-Keeper): „Es sind Tonnen Ballast abgefallen. Ein brutal schwieriges Jahr ist nun vorbei. Jetzt mit den Fans zu feiern, ist ein Riesengefühl. Wir bleiben in der ersten Liga, und da gehört so ein Verein auch hin. Wir haben erfolgreich zusammengehalten.“

Bernd Wahler (VfB-Präsident): "Wir sind ein Platz besser als vergangene Saison, das ist der Weg der kleinen Schritte. Und das haben wir auch Daniel Ginczek zu verdanken. Er ist unheimlich wertvoll für uns. Wie er rackert, sich Chancen erarbeitet und die Bälle abschirmt, das ist sensationell. Ich freue mich riesig für ihn. Er hat nach seiner Verletzung eine harte Zeit hinter sich. Er hat unheimlich gearbeitet und er ist ein absolutes Vorbild für viele bei uns."