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Terraristika

Exoten als Wegwerfware

08.09.2012 | 06:00 Uhr
Exoten als Wegwerfware
Foto: Ulrich Bonke

Hamm/Dortmund.   In NRW steigt die Zahl der gefundenen Schlangen rapide an. Verein Pro Wildlife führt dies auchauf Messen wie die bevorstehende Terraristika in Hamm zurück

Es sind nur einige wenige ausgesuchte Fälle aus NRW, die der Verein Pro Wildlife aus dem vergangenen Monat auflistet: von der Königspython in einem Gebüsch in Essen oder der Kornnatter in einem Pkw-Motorraum in Essen (28.8.), der Rautenpython auf dem Balkon eines Privathauses in Bonn (25.8.), der Kornnatter in einer Grundschule in Wuppertal (22.8.) oder der Boa Constrictor auf einem Parkplatz in Mettmann (13.8.). Doch für die Tierschützer ist eines klar: Dass die Zahl der ausgesetzten Wildtiere steigt und in Nordrhein-Westfalen besonders hoch ist, sei kein Zufall – „und nicht unbedingt nur auf die hohe Bevölkerungszahl in NRW zurückzuführen“, sagt Expertin Dr. Sandra Altherr.

Anlässlich der ab heute stattfindenden Reptilienbörse Terraristika in Hamm kritisiert Pro Wildlife, dass solche Veranstaltungen die Wegwerfmentalität von Tierbesitzern besonders fördern: „Wildtiere werden auf solchen Börsen oft zu Schnäppchenpreisen verramscht, was oft zu Spontankäufen führt. Eine fundierte Beratung entfällt im großen Gedränge“, betont Birgit Trinks, Sprecherin von Pro Wildlife. Die Folge: Immer mehr exotische Tiere wie Schlangen oder Echsen werden später von überforderten Haltern ausgesetzt oder entwischen.

Allein im Monat August verzeichnete Pro Wildlife bundesweit 40 solcher Funde, darunter 23 exotische Schlangen. Zu den Fundorten gehören z.B. Privatwohnungen und -Gärten sowie Grundschulen und Spielplätze.

150 Fälle in Deutschland

„Schon in den ersten acht Monaten von 2012 sind uns über 150 Fälle in Deutschland bekannt, bei denen exotische Haustiere ausgesetzt wurden oder entwischten. Und das sind nur die, die es in die lokalen Schlagzeilen schaffen. Kleinere, unauffällige Tiere wie Geckos oder Skorpione werden oft schlicht übersehen“, berichtet Trinks.

Die Reptilienbörse in Hamm ist nach Angaben des Veranstalters die weltgrößte ihrer Art. Zehntausende Tiere – vom Gecko bis zur Giftschlange – werden in kleinen Plastikdosen angeboten, tausende Besucher drängen sich in den Verkaufshallen, auf den umliegenden Parkplätzen herrscht Ausnahmezustand. „Zur Terraristika reisen potenzielle Kunden aus ganz Europa an, teils sogar mit Reisebussen. Dass man bei solchen Anfahrten nicht mit leeren Händen heimkehren möchte, fördert den unüberlegten Spontankauf auch von Tieren, die man gar nicht adäquat versorgen kann“, betont die Pro-Wildlife-Sprecherin.

Wildtiere ohne Anpassungsprozess

Im Gegensatz zu domestizierten Tieren wie Hund, Katze oder Meerschweinchen haben Wildtiere keinen Anpassungsprozess an die Bedingungen in Menschenhand durchlaufen. Vor allem Wüsten- und Tropenwaldbewohner stellen hohe Anforderungen an das sie umgebende Microklima (z.B. Tag-/Nachtschwankungen der Umgebungstemperatur; Luftfeuchte), an Futter und an Platzbedarf, der in Privathand nicht oder nur mit äußerstem finanziellen Aufwand geboten werden kann.

„Beim Kauf niedlicher Jungtiere unterschätzen die Käufer oft, dass aus dem winzigen Leguan-Baby mal ein Tier von zwei Metern, zehn Kilo und einer Lebenserwartung von 20 Jahren werden kann. Ähnliches gilt für großwüchsige Schlangen und Schildkröten, die dann schnell dem Terrarium entwachsen“, so Trinks. „Gerade bei dem schnellen Verkaufsgeschehen und hohem Besuchergedränge auf Börsen bleibt eine fundierte Beratung des Käufers auf der Strecke – ein Grund mehr, warum wir ein Verbot von Wildtierbörsen fordern.“

Erlass über Haltungsbedingungen

Auch das Land NRW hat die Veranstaltungen in Hamm im Blick und nach einem Besuch 2011 einen Erlass über die Haltungsbedingungen verfügt. Die Behörde in Unna hatte dies in die Genehmigung aufgenommen. Der Betreiber reichte damals Klage dagegen ein.

Katja Sponholz



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