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Erdkundebücher zeichnen ein verzerrtes Bild von Westfalen

25.05.2012 | 18:00 Uhr
Erdkundebücher zeichnen ein verzerrtes Bild von Westfalen
Westfalen? Geht es nach dem Landschaftsverband, muss man es in den Schulbüchern mit der Lupe suchen.

Münster.   Westfalen sorgt sich um sein Image: Nach einer Studie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wird der Landesteil in Schulbüchern schlechter dargestellt als das Rheinland. LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch forderte gestern, die Erdkundebücher zu korrigieren.

Eigentlich ist Dr. Wolfgang Kirsch als freundlicher, ausgeglichener Mann bekannt. Gestern kam der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) aber so richtig in Fahrt. Das Zerrbild Westfalens, transportiert auch durch die Darstellung in den Erdkundebüchern der Schulen, hat ihn förmlich auf den Baum getrieben. „Es wird so getan, als ob es bei uns keine Industrie gäbe und wir alle noch mit der Kiepe auf dem Rücken herumlaufen“, sagte er.

Experten des LWL hatten 59 Erdkundebücher der weiterführenden Schulen durchforstet und aufgelistet, was sie an Beiträgen über die Region und ihre Konkurrentin Rheinland gefunden haben. Zwar verfolgen Erdkundebücher seit langem problem- oder allgemeingeographisch-orientierte Ansätze; dennoch finden sich in ihnen auch Beispiele für den Nahraum, also die Heimat der Schüler.

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Westfalen sorgt sich um sein Image

Westfalen sorgt sich um sein Image: Nach einer Studie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wird der Landesteil in Schulbüchern schlechter dargestellt als das Rheinland. LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch forderte gestern, die Erdkundebücher zu korrigieren. „Wir können uns ein falsches Bild von Westfalen nicht erlauben.“

Westfalen stehe mit anderen Regionen Deutschlands und Europas im Wettbewerb um Firmenansiedlungen und kluge Köpfe. Seit 60 Jahren werde ein Zerrbild gezeigt. „Man bekommt den Eindruck, dass Westfalen – überspitzt formuliert – als vorindustrielles Agrarland und allenfalls als beschauliche Freizeitregion wahrgenommen wird.“ Ausgewertet wurden 59 Lehrbücher der weiterführenden Schulen. Eklatant aus Sicht des LWL: In den Büchern für das Gymnasium seien von 105 Beiträgen 76 dem Rheinland gewidmet, Westfalen nur 29.

Die Auswertung fällt objektiv niederschmetternd für Westfalen aus. In den Lehrbüchern für die Sekundarstufen I und II des Gymnasiums trat das Ungleichgewicht besonders deutlich zu Tage. Von 105 Beiträgen, die von NRW handeln, entfielen 76 auf das Rheinland (72  %) und 29 auf Westfalen-Lippe (28 %). Nehme man nicht Kapitel, sondern die Seitenzahl als Bezugsgröße, laute das Verhältnis 75:25 für das Rheinland, in der Sekundarstufe II sogar 90:10 Prozent.

„Unangemessene Darstellung“

Nach Ansicht des LWL zeitigt dies verhängnisvolle Folgen. Schüler, die aus diesen Büchern lernen, erfahren „relativ wenig über ihren eigenen Landesteil“, sagt Peter Wittkampf, Autor der Studie und bis 2011 Erdkunde-Fachberater bei der Bezirksregierung in Münster. Immerhin besuchten 2010/2011 rund 273 000 Schülerinnen und Schüler in Westfalen-Lippe ein Gymnasium, davon mehr als 152 000 in der Sekundarstufe II.

Doch es ist nicht nur die schiere, zahlenmäßige Unterlegenheit gegenüber dem Rheinland, die Kirsch aufregt, sein Groll ist auch der „unangemessenen Darstellung Westfalens“ geschuldet. Hagen als industrielles Tor des Ruhrgebiets, das Lennetal als Standort der Drahtindustrie oder Siegen als Universitätsstadt in der Region, nur zum Beispiel: „Diese Themen finden Sie nicht in den Büchern“, sagt Wittkampf. Wenn es um „die Stadt“ gehe, werde dies am Rheinland dargestellt (82 Prozent); „Leben im Dorf“ finden in den Büchern zu 90 Prozent in Westfalen statt. Überspitzt formuliert bilde sich in den Köpfen der Schüler das Bild, dass Westfalen eine unbedeutende, abgelegene Region sei, dass man dort Schweinefleisch aus dem Münsterland isst, dass man im Dorf wohne, sich im Sauerland erhole und nur der Phoenix-See in Dortmund zufällig in den Strudel der Moderne geraten sei.

Bitte um Abhilfe ans Ministerium

Um dieses Bild, diese mentale Landkarte in den Köpfen der Schüler zu verändern, „muss man den Prozess unterbrechen“, sagt Dr. Rudolf Grothues von der Geographischen Kommission für Westfalen. Die Studie samt der Bitte, Abhilfe in den Erdkundebüchern zu schaffen, liegt bereits bei NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann.

Geht da überhaupt etwas in Ministerien und Verlagen? Peter Wittkampf ist zuversichtlich: „Schon in ein, zwei Jahren könnten mehr Beiträge über Westfalen in die Bücher rutschen.“ Einen dicken Band mit 350 Vorschlägen haben sie in Münster gleich dazugelegt.

Michael Schmitz

Kommentare
11.06.2012
11:50
Erdkundebücher zeichnen ein verzerrtes Bild von Westfalen
von ESteiger | #9

Ich bin WESTFALE und finde es Klasse hier!

Mir ist doch egal was andere DENKEN oder SAGEN oder SCHREIBEN!

So STUR wie WIR sind, so HERZLICH sind WIR...
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2012-05-25 18:00
Westfalen