„Eine völlig unnötige Aufregung“

Haltern am See..  Große Erleichterung bei den Angehörigen der Opfer des Germanwings-Absturzes: Nachdem die französischen Behörden wegen Tippfehlern bei der Übersetzung von Dokumenten die Rückführung der sterblichen Überreste zunächst gestoppt hatten, soll der Transport der Leichen nun doch wie geplant stattfinden. „Am Mittwoch sollen 30 Särge am Düsseldorfer Flughafen ankommen“, sagt Anwalt Elmar Giemulla aus Berlin dieser Zeitung, der rund 20 Familien vertritt. Darunter seien auch alle Halterner Opfer.

Die ersten Beisetzungen können wie geplant am 12. Juni stattfinden. Haltern trauert um 16 Schüler und zwei Lehrerinnen. „Für die anderen Opfer steht der Rückführungstermin nach wie vor nicht fest“, so Giemulla. Offenbar habe vor allem der Mediendruck, aber auch das Auswärtige Amt die französischen Behörden zu schnellen Korrekturen gebracht. „Es ist wohltuend zu sehen, dass die Angehörigen nicht alleine stehen.“

Die Lufthansa bestätigte, dass sie einen Sonderflug für Mittwochabend angesetzt habe, ursprünglich sei die Rückführung der ersten 30 Opfer zu einer früheren Zeit geplant gewesen. Die weiteren Opfer würden „in den kommenden Wochen nach und nach überführt“.

„Eine völlig unnötige Aufregung“, kritisiert Giemulla. „Eine Familie ist zur Post gelaufen und hat noch die Trauerbriefe abgefangen. Die können nun erneut versendet werden. Eine andere hatte Hotels storniert. Und wieder eine andere hatte einem Pfleger wieder abgesagt. All das müssen sie nun erneut rückgängig machen.“

Der Professor für Luftfahrtrecht hatte auch den Wutbrief im Namen der Angehörigen verfasst, mit dem diese am Donnerstag auf die Nachricht der Verzögerung reagierten: „Der Zorn und die Verzweiflung nehmen zu. Nicht nur, weil Lufthansa einen depressiven Piloten hat fliegen lassen, nicht nur, weil Lufthansa die Depression bei den medizinischen Kontrollen nicht beobachtet hat . . . Müssen diesem Leid unbedingt noch weitere Qualen hinzugefügt werden?“

In dem Brief spricht Giemulla die „lapidare“ Informationspolitik der Lufthansa an. Den mutmaßlichen Grund für die Verzögerung erfuhren die Angehörigen über Medien: In drei Fällen sollen Namen und ein Geburtsdatum falsch geschrieben worden sein, hatte der Bürgermeister des Gebirgsorts Prads-Haute-Bléone, auf dessen Gebiet die Maschine abgestürzt war, gesagt.

Doch auch am Freitag ist es für Giemulla noch nicht glaubhaft, dass einfache Tippfehler eine solche Verzögerung verursacht haben könnten. „Wir wissen einfach zu wenig.“