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WR-Bürgerpreis

Ein Kleinunternehmer, der Großes leistet

14.04.2012 | 06:00 Uhr
Der Gevelsberger Peter Führing kümmert sich ganz besonders herzlich um seine behinderten Kunden. Auch der Rollstuhlfahrer Dirk Merken (l.) hat ihn dafür für den WR-Bürgerpreis vorgeschlagen. „Er ist einer der besten Menschen, die ich kenne!“ schrieb er. Fotos: Klaus Pollkläsener / Iris Medien

Gevelsberg.   Den WR-Bürgerpreis in der Kategorie „Sozial engagierte Unternehmen“ erhält der Rolli-Busfahrer Peter Führing aus Gevelsberg.

Es ist ein ungewöhnlicher Gewinner. Ungewöhnlich für die Kategorie „Sozial engagiertes Unternehmen“. Weil man sich unter diesem Begriff vielleicht automatisch große Firmen vorstellt, die große Projekte initiieren und viel Geld für einen guten Zweck bereitstellen. Peter Führing aus Gevelsberg ist anders. Er hat einen Ein-Mann-Betrieb. Er stampft keine bombastischen Projekte aus dem Boden. Er kann sich nicht mit Zahlen und Erfolgen schmücken. Doch im Kleinen, im Verborgenen, leistet er Großes – das wissen alle, die ihn kennen und die mit ihm unterwegs sind. Denn Peter Führing transportiert Rollstuhlfahrer.

Doch das ist fast schon Nebensache. Denn der 55-Jährige aus Gevelsberg macht noch viel mehr. Er begleitet sie, er hilft ihnen, er ist an ihrer Seite: beim Arzt, in der Bank, im Rathaus, bei der Krankenkasse – wo auch immer. Was er für diesen Service nimmt? Nichts. Was er dafür bekommt? „Lebensqualität“, sagt er. Und er gibt sie zugleich 100-fach zurück.

Zum Beispiel an Menschen wie Dirk Merken. Der 50-jährige Schwelmer ist seit der Geburt an den Rollstuhl gefesselt und hat Peter Führing als Preisträger vorgeschlagen. Warum? „Er ist einer der besten Menschen, die ich kenne!“ sagt er. „Wenn er mich zum Arzt fährt, dann liefert er mich nicht ab, sondern er begleitet mich in die Praxis und hält auch meine Hand.“ Oder wie neulich, bei einer Ohren-Operation, seinen Kopf. „Bezahlt werden dies ganzen Leistungen von niemandem“, sagt Merken. „Die Krankenkasse bezahlt den Hin- und Rücktransport. Sonst nichts. Für den Rest opfert Herr Führing seine private Freizeit.“

Ausgeglichener und zufriedener

Doch Führing empfindet es selbst eben nicht als Opfer: „Ich arbeite viel mehr als früher, ich verdiene höchstens die Hälfte - aber ich bin viel ausgeglichener, viel zufriedener.“ Damals hatte der technische Zeichner und Konstrukteur noch als Betriebsleiter gearbeitet, später war er als Aushilfsfahrer in einem Behindertentransportdienst tätig. „Da bin ich das erste Mal mit Behinderten in Berührung gekommen“, blickt er zurück. „Aber ich dachte: Es ist nicht gut, wie die mit ihnen da umgehen.“ Deshalb machte er sich vor vier Jahren selbstständig mit seinem „Rolli-Bus“ – allen Unkenrufen zum Trotz. „Das wirst du nicht lange durchhalten“, sagte ein Konkurrent zu ihm. „Das dankt dir keiner.“

Falsch! Denn nicht nur die Westfälische Rundschau ehrt ihn nun für sein selbstloses Engagement, auch seine Kunden wissen ihn zu schätzen. Und deren Angehörige: „Dieser Mann ist einfach großartig und nicht bezahlbar“, sagt Elsbeth Wiggershaus aus Gevelsberg, deren Schwester von Peter Führing gefahren wurde, bis sie vor zwei Jahren starb. Doch Elsbeth Wiggershaus hat nicht vergessen, was Führing geleistet hat: „Er ist nicht nur einfach ein Taxifahrer, er ist ein ganz besonderer Freund für seine behinderten Gäste. Er zeichnet sich durch seine Warmherzigkeit, Uneigennützigkeit, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Geduld aus. Ihm geht es nicht ausschließlich ums Geldverdienen, sondern letztlich darum, einer bestimmten Gruppe Benachteiligter zu helfen.“ Kurzum: „Ein bemerkenswerter Mann“ – deshalb schlug auch sie ihn für den Bürgerpreis vor.

Ein kleiner Zwischenstopp, um gemeinsam spazieren zu gehen, an der Pferdekoppel zu halten oder ein Stück Kuchen zu essen? Für Peter Führing (l.) selbstverständlich. Dirk Merken dankt ihm dafür, dass er so viel private Freizeit für die behinderten Kunden opfert.

Peter Führing selbst reagierte sichtlich gerührt auf diese Einschätzungen und das Votum der Jury. Damit gerechnet hatte er nicht. „Man selbst empfindet das als zu wenig für eine Auszeichnung. Und finanziell gesehen, tue ich auch wenig.“ Aber das ist eben nur die eine Seite der Rechnung. Die andere Seite könnte er aufstellen, als er einen Behinderten neulich für fünf Euro Spritgeld einen Herzenswunsch erfüllte und ihn zum Amigo-Konzert nach Hagen fuhr - und gleich das ganze Konzert an seiner Seite blieb und auch noch wartete, bis der Mann ein Autogramm erhielt. „Wir sind um 17 Uhr losgefahren und ich war um 0.30 Uhr zu Hause“, blickt er zurück und lächelt. „Da kann man sich den Stundenlohn von 40 Cent nicht ausrechnen. Aber ich wollte dem Mann einfach eine Freude machen.“

"Brauche keine goldenen Wasserhähne"

Woher er seine Motivation nimmt? „Ich bin eben so’n Typ“, sagt er. „Ich bin froh, dass es mir gut geht – und meiner Frau und meinem Sohn. Wir haben alle Arbeit, ich fühle mich wohl. Ich brauche keine goldenen Wasserhähne.“

Dass er nun den WR-Bürgerpreis bekommt, bedeutet ihm viel mehr. „Für mich ist es Motivation, so weiterzumachen“, sagt er. „Und es ist auch ein Feedback. Die Auszeichnung sagt mir: Hast alles richtig gemacht...“

Die Laudatio im Dortmunder U

Für einen unter  den 150 geladen Gästen war diese Veranstaltung im Dortmunder U eine ganz besondere Veranstaltung –  weil er sich für einen  Preisträger ganz besonders mitfreute:  Dirk Merken (50) aus Schwelm, der seit seiner Geburt auf den Rollstuhl angewiesen ist, hatte den  „Rolli-Bus“-Fahrer Peter Führing aus Gevelsberg für die Kategorie „Sozial engagiertes Unternehmen“ vorgeschlagen. „Weil er einer der besten Menschen ist, die ich kenne!“ hatte er geschrieben.

Denn Führing  opfert seine private Zeit, um die behinderten Menschen eben nicht nur einfach zu transportieren, sondern um sie wirklich zu begleiten. Er erledigt mit ihnen  wichtige Arzt- und Behördenbesuche, unternimmt mit ihnen Ausflüge, geht mit ihnen Kaffee trinken oder besucht auch mal ein Konzert an ihrer Seite.  „Ihm würde ich den Bürgerpreis von ganzem Herzen gönnen, denn sein soziales Engagement ist meines Wissens einmalig“, gab Dirk Merken zu.

Lauter gute Eigenschaften

Mit seiner Meinung war er nicht alleine: „Herr Führing zeichnet sich durch seine Warmherzigkeit, Uneigennützigkeit, Hilfsbereitschaft,  Freundlichkeit und Geduld aus“, hatte auch Elsbeth Wiggershaus (74) bestätigt, die den 55-Jährigen  – der ihre Schwester gefahren hatte, bis diese vor zwei Jahren starb – ebenfalls vorgeschlagen hatte.

Die Jury folgte der Bitte dieser beiden WR-Leser gerne: Frank Fligge, stellvertretender Chefredakteur, überreichte Peter Führing den WR-Bürgerpreis und bezeichnete ihn  „als Mensch, der für Menschen da ist.“  Und der zwei Menschen glücklich gemacht habe: Seinen Fahrgast und sich selbst. „Wer das in der heutigen Arbeitswelt von sich behaupten kann, der braucht den WR-Bürgerpreis eigentlich gar nicht“, bilanzierte Fligge. „Aber er hat ihn verdient.“

WR-Bürgerpreis 2012

Das Preisgeld will Peter Führing nun dazu nutzen, um das erste Mal, seit er sich vor vier Jahren selbstständig gemacht hat, wieder mit seiner Frau in den Urlaub zu fahren –  beziehungsweise  „ein verlängertes Wochenende“ mit ihr zu genießen. „Ich gönne es meiner Frau viel mehr als mir“, gab er zu.   Wer Peter Führing kennt, dem fällt dazu nur ein Kommentar ein: Typisch...!

Die anderen Preisträger

Bettina Landgrafe

Miriam Borrmann und Daniel Link

Birte Braun

Kathrin Lange und Hans Stumm

Katja Sponholz



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