Das aktuelle Wetter NRW 21°C
E-Zigarette

E-Zigarette droht als Hightech-Droge die Apothekenpflicht

15.12.2011 | 20:00 Uhr
Gibt’s die E-Zigarette bald nur noch in der Apotheke?

Dortmund.   Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat ein erstes Fabrikat des elektronischen Glimmstängels als zulassungspflichtiges Arzneinmittel eingestuft. Der Hightech-Droge droht nun apothekenpflichtig zu werden. 1,2 Millionen Deutsche rauchen bereits digital.

Sie rauchen nicht, sie dampfen – und dachten, mit der E-Zigarette den Nichtraucherschutz ebenso umschifft zu haben, wie die hohen Kosten und die Gesundheitsrisiken. Doch nun droht Unheil für die stetig wachsende Szene der Elektroraucher: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat nun ein Nikotin verdampfendes Fabrikat als zulassungspflichtiges Arzneimittel eingestuft und somit den ersten Schritt zu einem Grundsatzurteil getan. Mehr noch: Parallel wird geprüft, ob die E-Zigarette bald – wie das Nikotinplaster – apothekenpflichtig wird. Damit wäre die Hightech-Droge nicht mehr im freien Verkauf erhältlich. In diesem Fall müsste jede E-Zigarette im Vorhinein auf ihre Inhaltsstoffe geprüft werden.

Harte Kritik an E-Zigarette

Video
Bochum, 06.12.2011: Immer mehr Raucher greifen zur vermeintlich gesunden E-Zigarette. In einem Bochumer Laden für elektrische Zigratten haben wir uns zeigen lassen, wie das Rauchen ohne Tabak funktioniert.

Tatsächlich üben Gesundheitsexperten seit Beginn des Ansturms auf den digitalen Glimmstängel harte Kritik. Selbst die EU-Kommission hat sich eingeschaltet – und will eine Lösung herbeiführen. „E-Zigaretten gehören in den verschlossenen Apothekenschrank und nicht auf den frei zugänglichen Wohnzimmertisch“, sagt Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Als Begründung führt sie an, dass Hersteller nur vage bis gar nicht über die jeweiligen Inhaltsstoffe Auskunft geben. „Die Intransparenz missachtet grundlegend die Grundsätze des Verbraucherschutzes“, betont Pötschke-Langer.

Damit aber nicht genug: Die oberste amerikanische Regulierungsbehörde für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) hat zwei Modelle mit unterschiedlichen Kartuschen der zwei größten Hersteller analysiert. In jeder zweiten fanden die Kontrolleure Nitrosamine, eine Substanz, die krebserregend ist. Aus einer anderen, aktuellen Studie kalifornischer Wissenschaftler geht hervor, dass Kinder, die eine Katusche in die Hände bekommen, sich mit dem Inhalt vergiften könnten. Ihr Urteil: E-Zigaretten verbieten, bis einheitliche Sicherheitsstandards eingeführt wurden. Das würde auch Martina Pötschke-Langer sofort unterschreiben, schließlich besteht der Dampf der E-Zigarette zu 90 Prozent aus Propylenglykol, einem Frostschutzmittel: „Wir wissen bisher einfach zu wenig. Es ist noch nicht untersucht worden, wie die einzelnen Substanzen in der chemischen Zusammensetzung wirken.“

1,2 Millionen Deutschen sind bereits auf die E-Zigarette umgestiegen

Das beunruhigt jedoch nicht alle. 1,2 Millionen Deutsche rauchen bereits digital. Das behaupten zumindest die Hersteller. Fast jeder zweite Raucher habe zudem über einen Wechsel nachgedacht, so das Ergebnis einer Studie. In Auftrag gegeben von – man ahnt es – den Herstellern. „Dieser Boom ist das Produkt einer geschickten Marketingstrategie“, sagt Pötschke-Langer und hebt dann erzürnt die Stimme: „Die Entwicklung hat uns alle überrascht und überrannt.“ Nun fehle es an Kontrollen und nötiger Aufklärung.

„Im Vergleich zur Zigarette mag es ja sein, dass die E-Zigarette gesünder ist, aber das wäre, als würden sie alles mit dem Teufel vergleichen.“ Verlässliche Zahlen gebe es nicht, nur so viel: Die Suchhäufigkeit des Begriffs „electronic cigarette“ hat in den vergangenen zwei Jahren um 5000 Prozent zugenommen. Das geht aus einer Studie der Harvard Medical School hervor.

Unabhängig von dem Ergebnis des BfArM prüft das NRW-Gesundheitsministerium derzeit, welche Maßnahmen aufgrund einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch die E-Zigarette das Land NRW selbst ergreifen kann – schon heute will es sich dazu äußern. Derzeit falle die E-Zigarette unter das geltende Nichtraucherschutzgesetz. Denn auch bei der Nutzung in Räumen, in denen ein gesetzliches Verbot besteht, kann eine Gesundheitsgefahr für Dritte nicht ausgeschlossen werden.

Dennis Betzholz

Kommentare
11.04.2013
12:04
E-Zigarette droht als Hightech-Droge die Apothekenpflicht
von VSTabakindustrie | #123

4. Wenn Dr. Wichtig so einen Stuss erzählt muss sie sich dann auch dafür verantworten wenn 1,2 Mio Menschen nach dem Verbot wieder zur Kippe greifen....
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
HSK-Trainer der Saison 2015/2016
Video
Fußballnacht 2016
55 Nachtbaustellen auf der A1
Bildgalerie
Baustelle
Rudelgucken unterm Zeltdach
Bildgalerie
EM 2016
Tough Mudder 2016
Video
Crosslauf
article
6167373
E-Zigarette droht als Hightech-Droge die Apothekenpflicht
E-Zigarette droht als Hightech-Droge die Apothekenpflicht
$description$
http://www.derwesten.de/region/westfalen/e-zigarette-droht-als-hightech-droge-die-apothekenpflicht-id6167373.html
2011-12-15 20:00
E-Zigarette,Rauchen,Rauchverbot,Apothekenpflicht,Digitales Rauchen
Westfalen