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Dramatischer Lehrermangel an den Berufskollegs

17.01.2012 | 19:04 Uhr
Dramatischer Lehrermangel an den Berufskollegs
Schulministerin Sylvia Löhrmann geht offensiv gegen den Lehrermangel vor. Ein Konzept soll bald folgen.

Dortmund.   Den Berufskollegs in NRW gehen die Lehrer aus. Insbesondere im gewerblich-technischen Bereich fehlt es an Fachpersonal. „Wenn wir nicht schnellst möglich handeln, ist der Wirtschaftsstandort NRW extrem gefährdet“, heißt es vom Lehrerverband.

Zwei Abgänge sind in Zeiten wie diesen zwei zu viel. Weil zwei Lehrer des Kfz-Fachbereichs die Schule in diesem Jahr verlassen, ist Michael Schulze Kersting in Bedrängnis. Er findet keinen Nachwuchs. „Der Markt ist wie leer gefegt“, sagt der stellvertretende Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Berufskollegs in Werne: „Die Industrie schreit nach Personal. Warum sollten sie dann zu uns kommen – bei schlechterer Bezahlung?“ Und die Situation wird sich weiter verschärfen: Der Lehrermangel an Berufskollegs nimmt im gewerblich-technischen Bereich bis 2020 dramatisch zu.

„Wir leben seit Jahren nur von Seiteneinsteigern“, berichtet Klaus Manegold, Schulleiter des Dortmunder Robert-Bosch-Berufskollegs: „Schreibe ich eine kaufmännische Stelle aus, bewerben sich 30. Bei einer technischen bin ich froh, wenn sich überhaupt einer bewirbt.“ Die drei Fachbereiche Technik, Kfz und Maschinenbau drohen zu verwaisen. „Der Aufschrei ist berechtigt, denn: Wenn es in NRW keine Kfz-Ausbildung mehr gibt, dann haben wir auch keinen Nachwuchs mehr“, sagt Schulze Kersting. Die Abwärtsspirale ist bereits in vollem Gange.

Deshalb nimmt der Verband der Lehrer an Berufskollegs (vlbs) in einem Zehn-Punkte-Katalog die Politik in die Pflicht. „Wenn wir nicht sofort etwas tun, erleben wir ein Desaster“, sagt Wilhelm Schröder. Der Esloher wird Ende des Monats den vlbs-Vorsitz übernehmen und ist zudem Betriebsratschef der 25 000 Berufskollegslehrer in NRW. Schon jetzt würden Klassen immer größer und Unterrichtsstunden mancherorts um die Hälfte gekürzt – „und irgendwann ist die Ausbildung in Gefahr“, so Schröder.

Ministerin will Pensionäre reaktivieren

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in NRW sieht zwar derzeit noch keinen Qualitätsrückgang bei den Absolventen, wohl aber akuten Handlungsbedarf: „Derzeit wird der Mangel nur verwaltet. Getrieben von der Hoffnung, dass der demografische Wandel das Problem von allein beseitigt“, sagt Gregor Berghausen, zuständig für die Berufsbildung bei der IHK. Die Zahl der Berufsschüler ist im Regierungsbezirk Arnsberg von 119 639 im Jahr 2009 auf 115 208 im Vorjahr zurückgegangen.

Das drohende Szenario gibt das NRW-Schulministerium offen zu und steht nach WR-Informationen kurz vor Abschluss eines Konzepts zur Sicherung des Fachpersonals. Demnach sollen einerseits die Pensionäre, die in den vergangenen fünf Jahren aus dem Schuldienst ausgeschieden sind, reaktiviert werden – die ersten Anfragen an die Fachlehrer außer Dienst sind schon verschickt worden. Andererseits soll Lehrern, die bereits am Berufskolleg tätig sind, die Gelegenheit zur Weiterbildung geboten werden, sozusagen eine Fortbildungsinitiative für technisch vorgebildete Lehrkräfte. Demnach soll es in den Regierungsbezirken entsprechende Kurse für Maschinen-, Elektro- und Fahrzeugtechnik sowie einjährige Kurse zur Vermittlung theoretischer und praktischer Kenntnisse und Fähigkeiten geben.

„Die Rückholaktion der Pensionäre ist kurzfristig hilfreich, die Weiterqualifizierung mittelfristig auch. Aber langfristig müssen weitere Maßnahmen folgen, um ein innovativer Fachbereich zu bleiben“, sagt Berghausen, „Das Land muss viel mehr Werbung für technische Berufe machen.“

Dennis Betzholz

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