Dortmunder im Fokus der Neonazis

Dortmund..  Robert Rutkowski ist einer der mutigen Menschen, die sich in Dortmund aktiv gegen die Neonazi-Szene engagieren. Doch mit seinem Einsatz hat sich der 52-jährige Mitarbeiter zweier Landtagsabgeordneter der Piraten-Fraktion in den Fokus der aggressiven Dortmunder Neonazi-Szene gerückt. Die Folge: Anrufe, Drohungen, Schmierereien. Im Interview spricht er über die Auswirkungen.

Seit wann stehen Sie im Fokus der Neonazis?

Ich habe in den Neunzigerjahren als Musiker an „Rock gegen Rechts“-Aktionen teilgenommen und sie zum Teil auch initiiert. Dann kursierte plötzlich eine Adressenliste, auf der auch ich stand. Eigentlich wollte ich nur Musik machen und für eine gute Sache da sein. Vor einiger Zeit habe ich das wiederentdeckt. Über viele persönliche Kontakte hat sich dann ergeben, dass die Arbeit gegen Nazis mein Hauptbetätigungsfeld wurde. Die erste Reaktion der Nazis habe ich dann im Juni 2014 bekommen. Damals hatte ich einen längeren Krankenhausaufenthalt und da gab es dann per Twitter eine Meldung, dass es schade wäre, dass ich nicht krepiert bin.

Wie ging es weiter?

Ich bekam Anmeldungen zu Newslettern. Ich habe auch Post von Küchenherstellern oder Autohäusern bekommen. Das läuft so nach dem Motto: „Hauptsache, der erinnert sich daran, dass wir ihn auf dem Kieker haben.“

Wie wirkt sich das auf den Alltag aus?

Wenn ich Schritte hinter mir höre, drehe ich mich um. Das hätte ich früher nicht gemacht. Ich rechne nicht mit dem Allerschlimmsten, aber natürlich möchte ich jede Begegnung vermeiden.

Wie ist das, wenn Sie Neonazis im Alltag begegnen?

Ich bin mehrere Male am Rathaus angesprochen worden. Da kommt dann so ein nettes „Hallo Robert.“ Das ist oberflächlich freundlich, aber gemeint ist es natürlich als Drohung, dass sie mein Gesicht und meinen Namen kennen. Ich lasse mich davon nicht provozieren. Die nennen immer meinen Namen und geben mir zu verstehen, dass sie wissen, was ich mache.

Sind Sie schon einmal tatsächlich bedroht worden?

Nicht im Alltag, aber im Zuge einer der vielen Demos Ende 2014. Nachdem die Nazis in der Nordstadt Anne Frank verhöhnt hatten, sind wir nach Dorstfeld gefahren, um eine Kundgebung gegen Antisemitismus zu machen. Die Nazis hatten sich an unsere Fersen geheftet. Die wurden nicht schneller, aber verfolgten uns. Wir haben dann das Tempo angezogen und sind zu einem Taxistand gegangen und in einen Wagen gestiegen. Die Nazis haben das natürlich aufgenommen und feiern das als Sieg - weil sie uns aus „ihrem“ Dorstfeld verjagt haben.

Ihr Haus ist mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Was sagen die Nachbarn dazu?

Ich wohne in einer beschaulichen, fast spießigen Gegend. Da sind viele Menschen der Meinung, dass so etwas, wie ich es mache, da nicht hingehört. Die wollen da nichts mit zu tun haben und wollen ihre Ruhe haben.

Was denken Sie, warum die Neonazis in Dortmund seit einiger Zeit aggressiver auftreten?

Vielleicht wollen Sie Nachwuchs rekrutieren. Die Wahlerfolge der AfD und die Pegida-Bewegung und ihre Ableger haben rechtes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft hoffähig gemacht. Die Rechten glauben daher möglicherweise, dass sie die breite Bevölkerung hinter sich haben und darum aktiver werden können.