Bube, Dame, König – Aus

Dortmund..  Früher wurde Skat an jeder Ecke gekloppt, heute wird das urdeutsche Kartenspiel immer weniger gezockt. In Zeiten mannigfaltiger Freizeit-Verlockungen, immer neuer Hobbys und einer fortschreitenden Digitalisierung bröckelt die Basis der Spieler. Aktuell sind nur noch etwa 22 000 Mitglieder dem Deutschen Skatverband (DSkV) angeschlossen. Vor fünf Jahren waren es noch etwa 27 000 Mitglieder, sagt Verbandspräsident Peter Tripmaker (59).

Er will bei der Bestandsaufnahme – wie sexy ist Skat – „keinen negativen Touch reinbringen“. Aber, das mehr als 200 Jahre alte Kartenspiel ist nicht mehr so beliebt. Poker scheint in puncto Bedeutung und Aufmerksamkeit mittlerweile Lichtjahre entfernt.

Der Verband beklagt auch Nachwuchssorgen. „Die Zahl der Aktiven ist rückläufig“, sagt die Jugendreferentin des DSkV, Sabine König (51). Über Pfingsten finden im osthessischen Kirchheim die Deutschen Schüler- und Jugendmeisterschaften im Skat statt. Etwa 150 Teilnehmer zwischen 8 und 17 Jahren spielen von Samstag bis Montag in drei Nachwuchsklassen in Einzel- und Teamwettbewerben ihre Besten aus.

Konkurrenz Internet

Die Begeisterung für eine gepflegte Runde Skat ist in Deutschland längst nicht mehr groß. „Ich würde lügen, wenn ich behaupte, es läuft noch so gut wie vor 50 Jahren. Früher hatte manch einer nicht viel mehr als ein Kartenspiel“, sagt König. Heute konkurrieren die 32 Karten unter anderem mit HD-Fernsehern, Spielkonsolen und den diversen Spielen im Internet. „Es ist halt auch ein gesellschaftliches Phänomen: Die Älteren geben Skat nicht mehr so häufig an die Jüngeren weiter.“

Nadine Schild ist da eine Ausnahme. Die 16-Jährige aus dem sächsischen Meerane hat Skat 2005 von ihrer Oma gelernt. 2012 wurde sie Deutsche Schülermeisterin im Einzel. Am Wochenende tritt auch sie bei der DM in Kirchheim in der Jugend-Klasse an. „Skat ist bei anderen in meinem Alter nicht so beliebt. Es ist halt auch nicht so einfach wie Mau-Mau. Skat ist anspruchsvoll“, sagt sie.

Für Verbandspräsident Tripmaker ist Skat mehr als ein Spiel. „Es hält geistig frisch, fordert das Gehirn und ist ein anspruchsvolles Kartenspiel mit vielen Raffinessen und Strategien. Da verkalkt man nicht.“ Beim Skat müsse man auch auf die Details achten.

Um der Digitalisierung und der wachsenden Bedeutung des Internets gerecht zu werden, will der Verband nun auch eine eigene Plattform eröffnen, damit Spieler auch jederzeit im Netz zocken können. „Wir wollen nichts kommerzialisieren. Wichtiger sind uns auch die Spieler am Tisch. Aber man muss im Internet sein. Auch wenn man Gefahr läuft, dass weniger im Verein spielen.“ Tripmaker mag das Spielen im Internet aber nicht. „Da spiele ich dann vorm Bildschirm gegen einen Unbekannten mit dem Pseudonym „Tiger 3“ - das ist unpersönlich.“

Um die nächsten Generationen zu begeistern, werden mittlerweile an Dutzenden Schulen bundesweit Skat-AGs angeboten. Es gibt auch Meisterschaften für Blinde, mit Karten mit Brailleschrift.

Offen ist auch noch die Frage, ob Skat als immaterielles Kulturerbe der Unesco anerkannt wird. Der Antrag ist gestellt, die Entscheidung soll in einigen Monaten fallen. Dass Skat eine Riesen-Tradition in Deutschland hat, ist unbestritten. 1813 wurde es im ostthüringischen Altenburg erstmals erwähnt.

Solange es interessierte Kinder wie Jan Gabriel gibt, wird Skat eine Zukunft haben. Der Achtjährige aus dem mittelfränkischen Emskirchen nimmt als Bambini am Wochenende erstmals an den Deutschen Meisterschaften teil. Seine Mutter Rita sagt: „Er war vom Skat-Zuschauen so angetan, dass er es auch lernen wollte.“ Vor seinem DM-Debüt sagt der Grundschüler ganz keck: „Ich will Erster werden.“