Böller und Bierflaschen: Feuerwehr klagt über Respektlosigkeit

Dortmund/Hagen..  Nach Angriffen mit Böllern und Bierflaschen in der Silvesternacht klagen Feuerwehrleute und Polizei über zunehmende Gewalt und mangelnden Respekt. „Mittlerweile haben viele Einsatzkräfte landesweit Angst vor Angriffen bei solchen Einsätzen, etwa an Silvester oder Karneval“, sagte Christoph Schöneborn, Landesgeschäftsführer des Verbandes der Feuerwehren in NRW (VdF), gestern. „Solche Vorfälle sind zwar immer noch Einzelfälle, aber sie nehmen ganz klar zu.“ Von einer besorgniserregenden Tendenz spricht auch die Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen (GdP). „Polizei und Rettungskräfte anzugehen ist bei uns zu einer Art Volkssport geworden“, sagte GdP-Sprecher Stephan Hegger.

Nach dem Jahreswechsel berichteten Polizei und Feuerwehr aus mehreren Städten in NRW über gezielte Angriffe auf Einsatzfahrzeuge. In Hagen ließ eine fliegende Bierflasche die Windschutzscheibe eines Rettungswagens zersplittern. Es bestehe der Verdacht, dass es sich um einen fingierten Notfall gehandelt habe, bei dem die Rettungskräfte gezielt angegriffen worden seien, sagte ein Polizeisprecher.

Ebenfalls in Hagen wurden zwei Polizeiautos mit Feuerwerkskörpern attackiert und beschädigt. In Bielefeld soll ein 21-Jähriger nach Polizeiangaben eine Wache mit Pyrotechnik beschossen haben. Von Raketen, die in der Silvesternacht auf Krankenwagen geschossen werden, berichtet auch die Essener Feuerwehr. In Dortmund ging eine Gruppe Feiernder nach Polizeiangaben pöbelnd auf die Beamten los und ließ Feuerwerkskörper in ihre Richtung fliegen.

„Unsere Wahrnehmung ist in den letzten Jahren, dass solche Angriffe zunehmen“, berichtet der Hagener Polizeisprecher Tino Schäfer. Da sei Alkohol im Spiel, gepaart mit einer niedrigen Hemmschwelle - und dann werde „aus zweiter Reihe „mal eben“ ein Böller auf ein vorbeifahrendes Fahrzeug geworfen“.

Auch im Polizeialltag sind laut im Dezember 2014 vorgestellten Daten des Innenministeriums gewalttätige Angriffe keine Ausnahme: Demnach haben 2011 knapp 80 Prozent der Polizisten im Einsatz eine Form von Gewalt erfahren - beginnend bei Pöbeleien oder Provokationen bis hin zu Messer oder Faustangriffen.

Feuerwehr und Polizei fordern daher seit langem, Attacken schärfer zu ahnden und als eigenen Straftatbestand zu behandeln.