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Bei „The Biggest Loser“ verloren - und doch alles gewonnen

28.05.2012 | 16:11 Uhr
Bei „The Biggest Loser“ verloren - und doch alles gewonnen
Jennifer Siepmann wurde bei der TV-Abnehm-Show "The Biggest Loser" zweite Siegerin.

Ascheberg.   Zwei Millionen Fernseh-Zuschauer sahen der Aschebergerin über Wochen dabei zu, wie sie 61,4 Kilo in acht Monaten abnahm. Am Ende war sie Zweite bei „The Biggest Loser“. Und nimmt nun wieder zu - mit erfreulichem Grund.

Von der Fußmatte lachen drei mampfende Kühe. Behäbig und kugelrund hocken sie da, auf einer sattgrünen Wiese, darunter heißen sie den Gast willkommen. Der Türvorleger ist ein Relikt aus der Zeit, als Jennifer Siepmann, 31, selbst am liebsten dasaß, aß und lachte. Acht Monate ist das her, da wog sie noch 162,4 Kilogramm und rackerte sich bei dem Versuch ab, überhaupt einen Socken über den Fuß zu stülpen. Dann geht die Tür auf. Wenig ist geblieben von der behäbigen Frau. Um genau zu sein: 101 Kilo.

Zwei Millionen Fernseh-Zuschauer sahen ihr über Wochen dabei zu, wie ein Pfund nach dem anderen purzelte. Am Ende war sie – getreu dem Titel der Abnehm-Sendung „The Biggest Loser“ – die zweitgrößte Verliererin, Kilo-Verliererin. „Wie sich das anhört: Verliererin. Ich bin eher der derzeit glücklichste Mensch auf dieser Welt“, sagt die Bürokauffrau und schickt ihr raumfüllendes Lachen als Beweis gleich hinterher, „ich bin ein echter Strahlemensch geworden.“

Die Geschichte von Lebemensch Jennifer Siepmann ist mehr als eine TV-Show. Eine Geschichte, die sich aus Scham, Selbstbetrug und Selbstironie zusammensetzt. Eine, wie sie Tausende fettleibige Menschen erzählen könnten, sich aber nicht trauen. „Ich bin aus Scham nie auf die Waage gegangen“, erzählt sie. Sie, der Cola-Junkie. Sie, die mit dem Auto hinterherfuhr, wenn die Clique an Sommertagen radelte. Sie, die nicht verhüten musste, weil ihre Körpermasse eh keine Schwangerschaft zuließ. Dabei wünschte sie sich so sehr Nachwuchs.

Siepmann als Double von Cindy aus Marzahn

Irgendwann zu Karneval verkleidete sie sich als Cindy aus Marzahn, das blonde Comedy-Moppelchen – und wurde sogleich von einem Agenten entdeckt. Als offizielles Double. Ein zweifelhaftes Kompliment, nun gut. Was sie allemal vereint: der bittere und beißende Hohn gegen sich selbst. „Früher musste ich anziehen, was die Zeltabteilung anbot“, spottet die 31-Jährige.

Es ist ja nicht so, als habe sie nie versucht, abzuspecken. Es endete nur stets mit demselben Ergebnis: 25 Kilo runter, 30 Kilo wieder rauf. Eines Tages dann sah sie diese neue TV-Show, eine die weißgott nicht zimperlich mit ihren Kandidaten umging und sie halbnackt auf die Waage stellte. Jene Waage, die so viel Scham in Jennifer Siepmann hervorrief.

Und trotzdem wollte sie dort mitmachen, ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen – und nicht nur die Tiefkühlpizza. „Es hat mich wahnsinnig fasziniert, wie die Kandidaten der ersten Staffel, die vorher nicht mal 100 Meter laufen konnten, am Ende einen Halbmarathon gepackt haben“, schwärmt sie. Drei Bewerbungen liefen zunächst ins Leere. Wer ins Fernsehen will, muss halt nicht nur dick sein, sondern auch auffallen. Also legte sie diesmal Fotos bei. Sie zeigen Jennifer Siepmann als Cindy aus Marzahn. Die Zusage des Senders kam rasch.

Abnehm-Camp in Andalusien

Die erste Etappe führte sie und die anderen 23 Kandidaten in ein Camp in Andalusien. Die Regeln sind so branchenüblich wie knallhart: Wer am wenigsten abnimmt, fliegt raus. Heulend stand sie nach bis zu fünf Stunden Sport dort auf dem Laufband und kam doch zu der Erkenntnis: „Wenn du nicht mehr kannst, gehen immer noch drei Wiederholungen.“

Lernte, was gesunde Ernährung bedeutet und setzte das neu gewonnene Wissen konsequent um: Geflügel, Gemüse, Obst. „Bei mir wurde alles auf den Kopf gestellt. Aber von der ersten Sekunde an hatte mich der Ehrgeiz gepackt.“ Allein in Andalusien verlor Jennifer Siepmann fast 40 Kilo – „das hat mich stark gemacht“. Nach acht Monaten waren es 61,4 Kilo. Platz zwei. Welch eine Verwandlung!

Schäm-Foto soll ewig abschrecken

Nur die 50 000 Euro Siegprämie blieben ihr vorenthalten.„Das wäre ein schönes Kinderzimmer gewesen!“ Wie bitte? „Ja, ich bin schwanger, in der zwölften Woche. Der nächste Traum geht in Erfüllung.“ Die 25 Kilo, die sie noch abnehmen will, müssen deshalb noch warten. Da ist die Frauenärztin unerbittlich: nicht zu viel Sport.

Die Aschebergerin hört auf den Rat und gesteht doch: „Wenn ich keinen Sport treibe, krieg ich Panik.“ Ihr Lachen füllt erneut den Raum, als könne sie selbst nicht glauben, dass der innere Schweinehund längst nur noch hinter ihrer Disziplin herhechelt.

Um auf keinen Fall rückfällig zu werden, bat sie den Sender um ein Bild: Jene Szene, als sie erstmals vor der Kamera auf einer Waage stand, mit Doppelkinn und Schamesröte, obenrum nur gewandet in einem Bustier. „Das hat mich geprägt. Und das wird großformatig auf meinen Kühlschrank geklebt, damit ich mir drei Mal überlege, ob ich was esse“, sagt sie. Die Show sei zwar zu Ende, aber: „’The Biggest Loser’ geht für mich immer weiter, mein Leben lang.“

Dennis Betzholz

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Kommentare
29.05.2012
22:58
Bei „The Biggest Loser“ verloren - und doch alles gewonnen
von lapadulle | #3

@#jmeller...das sollte witzig sein, oder?

Hast DU schon jemals so etwas geschafft?
Anstatt zu spotten solltest du mal nachdenken, was diese Frau in nur 8 Monaten geschafft hat.
31 Jahre Fehlernährung in 8 Monaten auf einen anderen Weg zu bringen ist enorm. (Wobei die ersten 13-17 Jahre als Fehler bei den Eltern lagen)
Das erfordert Charakter, Stärke, Willenskraft, Glauben an sich selbst, Ehrgeiz, unglaubliches Durchhaltevermögen.
Davor habe ICH uneingeschränkten Respekt.
Dagegen Leute, die dümmliche Witze reißen, tun mir eher leid. Die haben nix kapiert, nix erlebt, nix erreicht, was SOviel Anstrengung erfordert hätte.

29.05.2012
12:17
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.05.2012
10:13
Bei „The Biggest Loser“ verloren - und doch alles gewonnen
von jmeller | #1

"Wenig ist geblieben von der behäbigen Frau. Um genau zu sein: 101 Kilo."

Die arme Frau, wigt nur noch 101 Kg. Jetzt kann sie sich bei Heidi Klum anmelden.

1 Antwort
...
von sebas | #1-1

von wegen arme Frau...

Eine ganz tolle Frau!!

Bei Klum melden sich dagegen doch eher die armen und doofe Frauen an

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