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WR-Bürgerpreis

Beherzte Lebensretter

14.04.2012 | 06:00 Uhr
Die Abiturientin Miriam Borrmann (18) und Industriekaufmann Daniel Link (22) aus Wetter gewinnen den Bürgerpreis der WR in der Kategorie "Junge setzen sich ein". Sie retteten einem 89-jährigen Mann das Leben, der am Steuer seines Wagens einen Herzinfarkt erlitten hatte. Fotos: Klaus Pollkläsener / Iris-Medien

Wetter.   Der WR-Bürgerpreis in der Kategorie „Junge setzen sich ein“ geht an Miriam Borrmann und Daniel Link aus Wetter, die einem Mann das Leben retteten, und an die Kamenerin Birte Braun, die sich um ein todkranke Kinder kümmert.

Eigentlich wollten sie nur schnell vom Griechen etwas zu Essen holen – doch dann mussten sie plötzlich das unter Beweis stellen, was sie wenige Wochen zuvor beim Erste-Hilfe-Kurs gelernt hatten. Daniel Link (22) und Miriam Borrmann (18) handelten schnell – und erfolgreich: Sie retteten einem alten Mann das Leben. Deshalb war für die Jury klar: Das Paar aus Wetter, das sich seit Jahren mit viel Herzblut in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, hat dafür den WR-Bürgerpreis „Junge setzen sich ein“ verdient.

Schon von weitem hatten sie an jenem Abend des 17. Januar gesehen, dass etwas nicht stimmt, als sie auf dem Weg nach Hause waren. Ein Auto war in eine Mauer gefahren, um das Fahrzeug herum standen mehrere Menschen – und der Fahrer saß leblos hinter dem Steuer. „Machen Sie Platz, wir sind von der Feuerwehr“, sagte Daniel – und die Augenzeugen waren offenbar froh, dass jemand aktiv wurde. „Der Mann atmete nicht mehr“, erinnert sich der Industriekaufmann..

„Wir müssen ihn aus dem Auto bekommen!“, forderte er seine Freundin auf. Mit vereinten Kräften holten sie das Opfer aus dem Fahrzeug und legten es auf den Boden. „Ich habe alle Vitalfunktionen geprüft“, schildert der junge Mann. „Atmung, Puls.. .da war nichts mehr.“ Zum Überlegen blieb keine Zeit. Sofort begannen sie mit der Reanimation. Während Daniel Link die Herz-Druck-Massage übernahm, stellte sich seine Freundin auf die Mund-zu-Mund-Beatmung ein – und dann holte der alte Mann plötzlich Luft und riss die Augen auf. „Atmung und Puls waren wieder da“, blickt Daniel zurück. So brachten sie ihn in die stabile Seitenlage, entfernten noch sein Gebiss, weil er röchelte, und hüllten ihn in eine Decke, die ein Anwohner brachte, bis die Polizei kam. „Das dauerte vermutlich nur drei Minuten“, erinnert sich Miriam, „aber es war eine gefühlte Ewigkeit.“

Autofahrer hatte am Steuer einen Herzinfarkt erlitten

„Hier alles in Ordnung?“ fragte der Polizist, der zuerst am Einsatzort erschien. „Ja“, sagte Daniel, „wir haben gerade reanimiert.“ Das teilte er auch dem überraschten Notarzt mit, dem er den Verletzten schließlich übergab. Doch dass sie gerade einem Menschen das Leben gerettet hatte, das war den beiden engagierten Helfern noch nicht so richtig bewusst. Schließlich meldete sich in diesem Moment noch ihr Pieper und sie eilten zum Feuerwehrgerätehaus – um sich anschließend mit ihrer Löschgruppe genau zur Absicherung jener Unfallstelle auf den Weg zu machen, wo sie vorher schon „privat“ im Einsatz waren. Bei dem Verunglückten, so erfuhren sie schließlich, handelte es sich um einen 89-Jährigen, der offenbar zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatte – und der, dank der beiden engagierten Helfer, überlebt hatte.

Doch ungetrübte Freude stellte sich bei den beiden da noch nicht ein. „Das hat mich schon mitgenommen“, gibt Miriam zu. Deshalb war sie froh, dass sie auch die Hilfe von der PSU (Psycho-soziale Unterstützung für Einsatzkräfte) in Anspruch nehmen konnte. Bis in die Nacht redeten das Paar noch über das, was geschehen war. Was für die beiden eigentlich selbstverständlich gewesen war. Und was doch all die anderen Menschen, die vor ihnen am Unfallort waren, nicht getan hatten.

Wohl auch deshalb hat Iris Borrmann ihre Tochter und deren Freund für den Bürgerpreis vorgeschlagen. „Sie kamen zufällig an der Unfallstelle vorbei und haben in diesem Moment richtig gehandelt. Obwohl mehrere Passanten schon am Unfallort waren, haben diese zwar den Rettungswagen alarmiert, aber bezüglich des Mannes nichts unternommen. Sie haben festgestellt, dass der Mann keinen Puls hatte. Haben diesen dann vorsichtig aus dem Auto gezogen und ihn dann mit einer Herzdruckmassage wiederbelebt. Diese haben dies Beiden hervorragend gemeistert. ich habe meinen Hut davor gezogen“, schrieb Iris Borrmann der WR-Redaktion - und überzeugte damit auch die Jury.

„Wir haben nur unsere Pflicht getan“

Die beiden jungen Erwachsenen selbst jedoch haben sich nach jenem Vorfall gar nicht als stolze Lebensretter gefühlt – obwohl sie später bei der Jahresdienstbesprechung von der Feuerwehr-Leitung und von vielen Kameraden für ihren Einsatz gelobt wurden. „Aber ich fand das gar nicht als etwas besonderes“, gibt Daniel zu. „Es war eine besondere Situation – aber wir haben nur unsere Pflicht getan.“

Sind seit vielen Jahren mit Leib und Seele bei der Freiwilligen Feuerwehr Wetter, Löschgruppe Grundschöttel, im Einsatz: Daniel Link und Miriam Borrmann.

Und doch: Als Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr tun sie zweifellos mehr als andere. Mindestens zweimal die Woche werden sie zu einem Einsatz gerufen, opfern zudem Zeit für Übungen und Weiterbildungen. Der Grundsatz „Retten, löschen, bergen, schützen“ ist für sie zu einer Art Lebensmotto geworden. „Die Feuerwehr ist wie eine eine kleine Familie“, sagt Miriam, die gerade ihr Abitur macht. „Und es muss doch Menschen geben, die sich engagieren und auch nachts aufstehen, wenn es irgendwo brennt“, bestätigt ihr Freund.

Deshalb hat Daniel Link nur einen Wunsch, als er gefragt wird, was ihm an diesem Artikel wichtig ist: „Schreiben Sie, dass die Feuerwehr Nachwuchs braucht“, sagt er. „Egal in welcher Stadt.“

Die Laudatio im Dortmunder U

Miriam Borrmann (18) und Daniel Link (22) aus Wetter hatten einen 89-jährigen Mann nach einem Verkehrsunfall reanimiert. „Dank Ihnen beiden hat dieser Mann überlebt“, hob NRW-Ministerpräsidentin Kraft hervor. „Sie setzen sich ein – in akuter Situation und auch bei der Freiwilligen Feuerwehr, die dringend Nachwuchs braucht.  Ich hoffe, dass viele Ihrem Beispiel folgen und auch so beherzt zugreifen und sich engagieren - und dazu beitragen, dass es in unserem Land menschlich zugeht.“ Als das Paar an jenem Januar-Abend auf dem Nachhauseweg spontan einem Unfallopfer das Leben rettete, hatte es  sich darüber freilich keine Gedanken gemacht. „Es macht nur klick,  und dann fliegen die Finger“, antwortete Daniel Link auf die Frage des stellvertretenden Chefredakteurs Frank Fligge, ob man in solch einer akuten Situation überhaupt noch überlegen könne.

WR-Bürgerpreis 2012

Hannelore Kraft hatte sich zwar ganz bewusst die jungen Menschen ausgesucht, um die WR-Bürgerpreise persönlich zu überreichen, ihr Dank und ihr Lob galt jedoch allen Preisträgern am Montagabend: „Ohne diese Menschen“, sagte sie in ihrer Rede, „wäre Nordrhein-Westfalen  nicht das Land, das es heute ist: solidarisch und lebenswert.“

Die anderen Preisträger

Peter Führing

Bettina Landgrafe

Birte Braun

Kathrin Lange und Hans Stumm

Katja Sponholz



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