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Baby Anori – der gut versteckte Star

09.02.2012 | 16:40 Uhr
Baby Anori – der gut versteckte Star
Das kleine Eisbärjungtier „Anori“ erfreut sich bereits großer Aufmerksamkeit.

Wuppertal.  Der Eisbär-Nachwuchs aus Wuppertal hat denselben Vater wie „Knut“. Nur eine Überwachungskamera und Mutter Vilma kommen ihm nahe.

Das Geburtsregister am Infobrett des Wuppertaler Zoos endet am 11. Dezember 2011 mit der glücklichen Niederkunft einer Goldbauchmangabe. Kein Wort von Anori. Kein Wegweiser zu dem in der Königspinguinanlage gut versteckten Bildschirm mit Bildern aus der Geburtshöhle. Nichts. Fast scheint es so, dass möglichst wenig Wind gemacht werden soll um das Eisbärbaby, das am stürmischen 4. Januar in Wuppertal zur Welt kam. Im Frühjahr könnte Anori, was in der Eskimosprache so viel wie „Wind“ bedeutet, allerdings selbst einen Sturm entfachen. Einen der Begeisterung.

Der Zoodirektor spricht nur vom „Bärchen“. Das scheint eine angemessene Form von puscheliger Zuneigung, gepaart mit wissenschaftlicher Neutralität. Denn wenn man ehrlich ist, ist bislang nicht mal das Geschlecht des Eisbärbabys wirklich sicher. Wahrscheinlich ein Weibchen, sagt Direktor Ulrich Schürer. Aber niemand wird vorerst näher treten, um das zu prüfen. Denn Anori wird scharf bewacht von einer höchst ausgewachsenen Eisbärin. Von Mutter Vilma.

Draußen läuft Vater Lars auf und ab, wie es einer eben tut, dem seine Gefährtin abhanden gekommen ist. Er wäre viel zu aggressiv, um ihn jetzt mit Vilma und dem Baby zusammenzubringen. Lars ist nicht irgendein Eisbär in der deutschen Zoolandschaft. Er ist der Vater von Knut. Und der war, ganz Deutschland erinnert sich, der Rockstar der hiesigen Zoos. Das Bärchen aus Berlin, mit der Flasche aufgezogen vom Tierpfleger Thomas Dörflein, hunderttausenfach fotografiert, heiß geliebt, als Plüschtier in Kinderbetten zerknuddelt – früh verstorben wie so viele Legenden. Aus dieser Linie stammt auch Anori. Thomas Gottschalk hat sie/ihn schon in seine neue Vorabendshow eingeblendet. Und auch wenn’s die miesen Quoten nicht besser gemacht hat: So beginnen in Deutschland Traumkarrieren.

Grobkörniges Schwarz-Weiß-Bild

Ulrich Schürer stapelt tief. „So einen Hype wie um Knut gab es nur einmal“, sagt er. Und: „Es ist ja nicht das erste Mal, dass bei uns ein Eisbär zur Welt kommt. Es ist das zehnte Mal seit 1958.“ Doch jeder weiß: Wenn’s „Bärchen rauskommt“ in Wuppertal, so ungefähr Ende April, Anfang Mai, wird im Eisbärengehege nichts mehr so sein, wie es einmal war.

Anori ist bislang nur als grobkörniges Schwarz-Weiß-Bild ins Leben der Menschen getreten. Weil frühzeitig eine Überwachungskamera in der Geburtshöhle installiert wurde, kann auch im strengen Winter schon der Bilderhunger der Eisbärfans gestillt werden. Jana (4) und ihr Bollerwagen ziehender Opa sind schon mal hingegangen in den winterlichen Zoo: Bärchen gucken, bevor man später nirgends mehr einen Platz am Zaun findet. Jana hat sich bislang mehr für kleine Elefanten interessiert. Das in den Fellfalten der Mutter meist kaum zu erkennende Puschelchen aus dem Geschlecht derer von Knut findet vorerst auch nur mäßiges Interesse bei ihr. Ein noch kleineres Kind aus dem Hintergrund fragt, als Mutter Vilma groß ins Bild kommt: „Ist das das Baby? Kann man das streicheln.“ Väter fühlen sich jetzt zu längeren Antworten genötigt, erklären irgendwas von Kameras, die Bilder übertragen. Mütter sagen einfach: „Nein!“

Anori wird kein Plüschtier

Fast scheint es, als fürchte Zoodirektor Ulrich Schürer einen Plüschalarm. In der örtlichen Presse, die das weitgehend unsichtbare Baby Anori bereits als „Wuppertals neuen Weltstar“ feierte, lehnten Schürer und sein Mitarbeiterstab schon mal prohylaktisch den Verkauf von Eisbär-Plüschtieren aus eigener Herstellung ab. Anfragen muss es jedenfalls schon gegeben haben.

Eisbär Lars, der Vater von Anori, vertreibt sich viel Zeit mit Rückenschwimmen. Mindestens ein Jahr wird er von Vilma getrennt bleiben, bis Anori groß genug ist, um in einen anderen deutschen Zoo weitervermittelt zu werden. Zu Zuchtzwecken. Am kleinen Wasserfall über Lars’ Bassin klebt Gefrorenes fest. Die Außentemperatur verdient sich die Bezeichnung arktisch.

Gute Zeiten für Eisbären sind das im Moment in Deutschland. Doch Ulrich Schürer, ganz Wissenschaftler, dämpft noch einmal alle Erwartungen. Noch ist die Phase nicht überstanden, in der etwas schief gehen kann in der Geburtshöhle. Noch ist „das Bärchen“ nicht über’n Berg. Aber: „Wir sind guter Dinge.“ Und „wenn’s Bärchen rauskommt“, im Frühjahr, dann sei wirklich das Gröbste geschafft.

Jürgen Potthoff

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