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Interview

Autor Horst Eckert über Frauenbelästiger und Fremdenhasser

17.01.2016 | 10:07 Uhr
Autor Horst Eckert über Frauenbelästiger und Fremdenhasser
Bestseller-Autor Horst Eckert.Foto: Michael Kleinrensing

Hagen/Düsseldorf.  In seinen Thrillern geht es um arabische Terroristen und deutsche Rechtsradikale. Buch-Autor Horst Eckert spricht über die Silvesternacht von Köln.

Bestseller-Autor Horst Eckert schreibt Polizeithriller, die zu den spannendsten und best-recherchierten in Deutschland gehören, so loben auch Kriminalisten. Die Themen des Düsseldorfers sind arabische und rechtsradikale Milieus, Einwandererkinder, die zu Terroristen werden, und überforderte Polizeibeamte.

Wegen ihrer Aktualität sind Eckerts Bücher immer ein Kommentar zur Gegenwart. Im Interview spricht der 56-Jährige über Frauenbelästiger und Fremdenhasser.

Silvester-Übergriffe
Der Silvester-Alptraum von Köln - eine Chronik

Für zahllose Frauen wurde die Silvesternacht in Köln zum Alptraum. Die massiven Übergriffe lösten Aufregung und Verunsicherung aus - bundesweit.

Die Geschehnisse in der Silvesternacht von Köln könnten direkt aus einem Ihrer Krimis stammen. Wie fühlt sich ein Autor, wenn die Realität die Phantasie überholt?

Horst Eckert: Köln macht mir Angst, auf vielen Ebenen. Nicht nur um die Sicherheit auf den ­Straßen. Besonders wütend macht es mich, wenn Leute, die angeblich „die deutsche Frau“ vor übergriffigen Nordafrikanern beschützen wollen, der Bundeskanzlerin in den sozialen Netzwerken eine ­Vergewaltigung wünschen. Da wird das Thema Frauenrechte zum bloßen Vorwand für Fremdenhasser.

Geht es darum auch in Ihrem neuen Roman „Wolfsspinne“, der im September erscheinen wird?

Ja, es geht um das NSU-Trio, das 2011 aufflog, und um die Gefahr eines neuen „NSU 2.0“ vor dem Hintergrund der Flüchtlingszuwanderung. Ein Mord an einer Restaurantchefin in Düsseldorf führt meinen Kommissar Vincent Veih zu Neonazis, die Terrorakte planen. Parallel erzähle ich die Geschichte eines ehemaligen Verfassungsschützers, der mit dem NSU zu tun hatte. Dazu nur so viel: In meinem Thriller werden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Wohnmobil in Eisenach ermordet.

Die Bundesanwaltschaft geht aber von Selbstmord aus.

Was da als Ermittlungsergebnis ausgegeben wird, ist für mich auch nur eine Art Verschwörungstheorie. Es wurde so vieles weggelassen und plattgebügelt, was nicht ins gewünschte Bild passte. Man muss sich das einmal vorstellen: Als das Bundeskriminalamt annimmt, dass zwei Rechtsradikale zehn Morde verübt haben, fragt es beim Bundesamt für Verfassungsschutz nach Erkenntnissen über mögliche Helfer. Und was macht der Verfassungsschutz? Er schreddert die Akten zu den V-Männern. Das legt nahe, dass man über die Morde Bescheid wusste, aber der Polizei nichts mitgeteilt hat. Ein Skandal.

Sie schreiben über einen neuen NSU. Wie realistisch ist die Gefahr Ihrer Meinung nach?

Jüngst stand in der „Süddeutschen Zeitung“, dass derzeit in Deutschland 372 mit Haftbefehl gesuchte rechte Straftäter nicht gefasst werden können, weil sie untergetaucht sind. Und Gewalttaten von Neonazis ereignen sich am laufenden Band. Soviel zum Thema Realität.

Silvester-Übergriffe
Jäger hatte schon Neujahr Hinweis auf Silvester-Exzesse

NRW-Innenminister Ralf Jäger hat am Donnerstag zugegeben, dass er bereits am Neujahrstag über die sexuellen Übergriffe in Köln informiert wurde.

Es gibt die These, dass die sexuellen Angriffe auf Frauen in der Silvesternacht geplant waren. Halten Sie das für möglich?

Vielleicht haben sich die Täter per SMS zusammengerufen: Komm her, hier ist was los, und Frauen sind auch da. Mich würde interessieren: Wie sah die Verabredung konkret aus? Was wissen die Behörden? Warum wurde die Polizei vor Ort nicht verstärkt?

In Ihrem Buch „Sprengkraft“ hält der junge Nordafrikaner Rafi alle Frauen, die kein Kopftuch tragen, für Nutten und Freiwild.

Es gibt solche Typen, wie es auch früher unter Deutschen Sprüche gab, dass eine Frau selbst Schuld sei, wenn sie belästigt wird, nach dem Motto: Dann hätte sie eben keinen Minirock anziehen sollen. In diese Zeiten dürfen wir nicht zurückfallen. Wer aber alle Nordafrikaner über einen Kamm schert, tut den meisten von ihnen unrecht.

Kriminalität
Kölner Polizei fasst Verdächtige nach Silvester-Antanztrick

In der Silvesternacht haben mehrere Täter in Köln Dutzende Frauen bedrängt und bestohlen. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe gebildet.

Wie soll man die Straßen wieder unter Kontrolle bekommen?

Es ist Sache der Polizei, das durchzusetzen. Und deshalb muss man das Kaputtsparen der öffentlichen Verwaltung rückgängig machen. Überall ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten gekürzt worden, auch bei der Bildung, beim sozialen Wohnungsbau. Statt hier aufzustocken, ruft man nach härteren Gesetzen, weil es billiger ist.

Wie recherchieren Sie über junge Einwanderer?

Ein befreundeter Sozialarbeiter, der aus Marokko stammt, erzählt mir, wie diese Leute ticken. In meinem neuen Roman kommt zur Abwechslung ein marokkanisch-stämmiger Polizist vor, denn ich will Migranten nicht nur als Bösewichte schildern. Er heißt Hamid und sieht sich als Deutscher. Doch für die Kollegen ist er der Marokkaner. Schubladen werden Menschen nicht gerecht, auch das möchte ich zeigen.

www.horsteckert.de

Monika Willer

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Autor Horst Eckert über Frauenbelästiger und Fremdenhasser
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2016-01-17 10:07
Westfalen