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Fußball-EM

Auf Lewandowskis Spuren

01.06.2012 | 17:20 Uhr
Auf Lewandowskis Spuren
Jola Lorenz unterrichtet Polnisch bei der VHS in Iserlohn und vermittelt das Vokabular für Fußballfans.

Iserlohn.  Für deutschen Fans, die bei der EM nicht sprachlos neben ihren Gastgebern stehen wollen, hatte die VHS Iserlohn nun einen ganz besonderen Kurs im Angebot: Polnisch für Fußballfans.

Na, wer hätte gedacht, dass die deutsche Nationalmannschaft eines Tages von Lukas Podolskis Sprachschatz profitieren könnte. Jetzt, wo es doch ab Freitag in seinem Heimatland Polen um die EM-Krone geht. Nun kann er für Jogy, Schweini und Co. den Navigator zum Stadion mimen: Jak dojsc do stadionu (Wie komme ich zum Stadion)? Kann den Imbiss für Zwischendurch klar machen: Gdzie mozna dobrze zjesc (Wo kann man hier gut essen)? Oder kann Selbstvertrauen verkörpern: My jestesmy druzyna turniejowa (Wir sind eine Turniermannschaft)! „Polnisch, deutsch, mit den Händen. Hauptsache, der Pass kommt, und der Ball ist im Tor“, hat Poldi mal schlicht gedichtet. Zugegeben: Fußball, das ist in der Tat kein Spiel der vielen Worte.

Ganz anders neben dem Platz, auf der Tribüne, da wo tausendfach gefachsimpelt wird, wo ausgiebig gemotzt und leidenschaftlich gejubelt wird, da reden sie. Über, na klar, Fußball. Für die deutschen Fans, die bei der EM nicht sprachlos neben ihren Gastgebern stehen wollen, hatte die VHS Iserlohn nun einen ganz besonderen Kurs im Angebot: Polnisch für Fußballfans. Ein Besuch im „pole karne“, im Strafraum, in der Gefahrenzone der Fußballsprache.

Mitreden und Emotionen nicht in den falschen Hals bekommen

Hans-Ulrich Bistrosch, einer von zehn Teilnehmern, überlegt kurz und raunt dann: „rzut karny!“ Elfmeter. Gut. „Dobre“, antwortet Jola Lorenz, die Frau, die den Männern den Fußball übersetzt. Bistrosch ist BVB-Fan und damit zwangsläufig Polen-Sympatisant – siehe „Polonia Dortmund“ mit Lewandowski, Blaszczykowski, Piszczek. Und Bistrosch fährt zur EM. Karten hat er für Tschechien gegen Polen, immerhin.

Warum er hier spätabends sitzt und Vokabeln büffelt? „Ich will nichts in den falschen Hals kriegen und die Emotionen verstehen“, sagt der Iserlohner. Er meint solche Sätze wie „Nie bylo spalonego!“ („Das war kein Abseits!“) oder „Sedzio, gdzie masz oczy!“ („Schiri, mach die Augen auf!"). Wer sich die Sätze bis zur EM nicht merken an: Wenn die Augen der Polen vor Wut überquillen, die Stimmen erregt und die Gesten wild sind, dann war vermutlich was mit Abseits.

„Der Ball ist rund und es gibt zwei Tore“

„Wer die Leute in ihrer Sprache begrüßt, öffnet überall auf der Welt Türen“, sagt Jola Lorenz. Würde sie Türen durch Stadiontore ersetzen, hätte sie auch damit Recht. Ohnehin seien Deutsche gern gesehen in Polen, weiß die Iserlohnerin: „Der Mann mit Hut und Tennissocken: Dieses Bild haben immer weniger Polen im Kopf.“ Der Deutsche werde eher als akkurat, aber zugleich als plump und ohne Fingerspitzengefühl im Nachbarland beschrieben. Unser Spitzname: der „Schwabe“! Na, vielen Dank auch, liebe Popolskis...

Zurück an die Taktiktafel der polnischen Sprache: Jola Lorenz sagt langsam „Pilka nozna“, was ausgesprochen nach „piuka noschna“ klingt und Fußball heißt. Erklärt, das Tor sowohl mit „gol“ (der Treffer) als auch mit „bramka“ (der Kasten) übersetzt werden kann. Und erzählt, dass der Herberger-Satz „Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten“ in Polen von Kazimierz Górski stammt und mit „Der Ball ist rund und es gibt zwei Tore“ zu übersetzen ist.

Und am Ende gewinnen immer die Deutschen... – dieses Fußballesetz kennen sie sogar in Polen. Nur auf polnisch eben. Aber „Poldi“ wird das notfalls schon übersetzen.

Dennis Betzholz


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