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Arno Schreer aus Dortmund lebt mit einem Spenderherz

25.05.2012 | 17:51 Uhr
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Arno Schreer aus Dortmund lebt mit einem Spenderherz
Arno Schreer aus Dortmund lebt seit 20 Jahren mit einem fremden Herzen - und ist fit: nicht nur auf dem Ergometer im Rehazentrum.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Der Bundestag hat einer Neuregelung zur Organspende zugestimmt, damit die Zahl der Spender steigt. Denn die werden dringend benötigt, weiß Arno Schreer aus Dortmund aus eigener Erfahrung.

Arno Schreer hat sein Herz verloren. Vor zwanzig Jahren. Aber: Jemand hat ihm ein Neues geschenkt. Das schlägt noch heute unbeirrbar in seiner Brust. Und macht den Dortmunder damit zu einem besonderen Menschen.

„Ich will damit nicht angeben“, macht sich der breitschultrige, gut trainierte Mann verbal klein. „Das hat ja auch mit Glück zu tun“, winkt er ab. Und setzt einen Halbsatz hinterher: „Glück im Unglück“.

Den Verdacht auf Herzmuskelentzündung hatte er mit 23, 24 Jahren noch auf die leichte Schulter genommen. Als ihn die endgültige Diagnose mit Anfang 30 traf, „wollte ich im ersten Moment durchs Fenster springen“. Schweißausbrüche, Atemnot – die ersten drohenden Anzeichen. Und dann die Gewissheit: Maximal zwei Jahre noch. „Transplantation?“ – die steckte damals noch in den Kinderschuhen, malte Bilder von Rollstuhl und Siechtum in den Kopf des Sportlers.

„Spenderherz oder sterben“

Die Ärzte brachten das Wenn und Aber auf einen sehr sachlichen Punkt: „Spenderherz oder sterben“. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe machte Schreer damals Mut. „Die waren alle fit.“ Von dem Moment an ging der Blick nach vorne, und Angst, sagt er heute, „Angst hatte ich eigentlich nie.“ Weil’s ja auch nur die eine Alternative gab.

INFO
Zahl der Organspender

Die Zahl derjenigen, die nach ihrem Tod Organe gespendet und damit schwer kranken Menschen geholfen haben, ist 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent gesunken.

1200 Organspenden konnten 2011 bundesweit durchgeführt werden. Das sind 96 Spender weniger als 2010.

Die Zahl der Organspender pro eine Million Einwohner ist damit von 15,9 auf 14,7 zurückgegangen. Allein die Region Ost verzeichnet mit einer Steigerung von 7,1 Prozent eine positive Entwicklung.

Folgerichtig ist auch die Zahl der gespendeten Organe von 4205 auf 3917 um knapp 7 Prozent zurückgegangen. Konnte in 2010 noch 4326 Menschen mit einer Transplantation von Organen aus dem Eurotransplant-Verbund geholfen werden, waren es in 2011 mit 4054 deutlich weniger.

Bundesweit warten immer noch rund 12 000 Patientinnen und Patienten auf ein lebensrettendes Organ.

(Zahlen: Deutsche Stiftung Organtransplantation, DSO)

Sechs Monate musste er warten, „ab April ging’s mir richtig schlecht“. Operation: An einem bedeutungsschweren Tag, dem 1. Juni, Tag der Organspende. Er zwinkert: „Ich will damit 30 Jahre leben, habe ich denen damals gesagt. Und da haben sie gelacht.“ Fünf bis zehn Jahre – das war die durchschnittliche Erwartung für einen Herztransplantierten. Herz 180 – „wir haben da alle Nummern“ – schlägt auch nach 20 Jahren noch ohne Rumpler.

Klar, er muss seine Medikamente nehmen. „So ein fremdes Herz wird vom Körper ja nie wirklich angenommen.“ Also wird das Immunsystem künstlich aufgebaut. Das Krebsrisiko ist 500fach erhöht, sagt Schreer, heute 54, so ganz nebenbei. Und zuckt die Achseln: „Und wenn ich mal ‘ne Grippe habe, nehm ich eine Tablette und gut ist.“

Vielleicht ist auch das sein „Herzmittel“: seine positive Lebenseinstellung. Die steht ihm eigentlich unentwegt ins Gesicht geschrieben, blitzt durch jedes Augenzwinkern, jedes Lächeln. Und ist in einer Kiste daheim gebunkert. „Ich bin jetzt nicht so der Typ, der sich die Dinger an die Wand hängt...“

Mehrfacher Meister bei den Organtransplantierten

Die Dinger – sind seine Medaillen. Gesammelt zwischen 1996 und 2005 auf der halben Welt. So an die 40 Mal war er Deutscher Meister, genauso oft Europameister im Schwimmen, Laufen, Werfen – bei den Organtransplantierten. Den Triathlon, er malt die Anführungszeichen mit den Fingern in die Luft, „habe ich bei den ‘Normalen’ mitgemacht“. 750 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen. „Ich war immer hinten“, grinst er. „Aber ich hab’s gemacht.“ Bis ins Ziel. „Und Letzter war ich nicht!“

Lebenslust als „Herzmittel“

Manchen seiner Sportkameraden aus der Transplantierten-Liga gibt es nicht mehr. Von der Herzlichkeit untereinander, von den bewegenden Verabschiedungen in jedem Jahr brummt er. Er selbst ist auf jeden Fall eines: ein Kämpfer. 54 Jahre alt inzwischen mit einem fremden Herzen. Einem Herzen, das vielleicht sieben Jahre jünger ist, als er selbst. Oder auch älter. Und von dem er nicht weiß, wer’s ihm geschenkt hat.

„Ein liebenswerter Mensch jedenfalls“, sagt er. Der ihm das 24 Stunden Radrennen auf dem Nürburgring ermöglicht hat. „Mach’ ich nie wieder. Aber geschafft hab ich’s trotzdem.“ Aufs Rad steigt er weiter, nicht mehr so exzessiv, trainiert im Fitnessstudio, regelmäßig. Die Liebe zum Fußball hat er heute noch auf seinem Armband eingraviert, ein Dortmunder eben, durch und durch. Ein lebenslustiger dazu.

Man könnte sagen: Einer mit einem Herzen am rechten Fleck.

Anja Schröder

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