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PCB-Belastung

Angler bestürzt über Verzehrwarnung von Aalen in NRW

17.07.2012 | 19:00 Uhr
Angler bestürzt über Verzehrwarnung von Aalen in NRW
Verdorbener Aalschmaus. Das Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz warnt vor dem Verzehr von selbstgefangenen Aalen.

Lünen/Münster.   Dass der in heimischen Gewässern inzwischen selten gewordene Aal wegen hoher PCB- und Dioxinbelastungen nicht mehr verzehrt werden soll, sorgt Angler an der Lippe. Der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe warnt vor Panikmache, fordert aber weitergehende Untersuchungen.

Vor ein paar Wochen noch, haben die Angler vom ASV Brambauer einen ein Kilogramm schweren Aal aus der Lippe gezogen. „Ein Prachtexemplar“, sagt Jürgen Plenge, Vorsitzender des Lüner Vereins – geschmeckt hat es auch. Im Rückblick verdirbt die jüngste Nachricht des Landesamtes für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz (Lanuv) allerdings den Appetit: Untersuchungen haben hohe Belastungen mit Dioxin und dioxinähnlichem PCB ergeben. Weil diese Stoffe in hohen Dosen schädlich sind, rät das Lanuv, Aale aus NRW-Gewässern nicht zu essen.

„Das ist total frustrierend“, schließlich sei der Aal in NRW immer seltener. „Der Mensch macht alles kaputt“, klagt Plenge. Weil Fischer vor den europäischen Küsten jahrzehntelang im großen Stil junge Aale als Delikatesse gefangen hätten und Kraftwerksturbinen in den Flüssen dem wandernden Aal den Weg abschnitten, seien die Bestände extrem zurückgegangen. „Und nun ist diese gefährdete Spezies auch noch belastet. Das macht einen Angler unendlich traurig.“

Welches Gewicht seine Anglerkollegen der Lanuv-Warnung beimessen, kann Plenge nicht abschätzen. „Früher, als die Zechen noch ihren Dreck in die Flüsse gepumpt haben, half die Nasenprobe: Stank ein Fisch nach Petroleum kam er nicht auf den Tisch.“

Die Dioxin und PCB-Belastung jedoch kann man nicht riechen – und so ist auch der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe bestürzt. „Solche Verunreinigungen von Fisch sind besorgniserregend, gilt er doch als hochwertiges Lebensmittel“, sagt Carsten Nolting, Fischerei-Biologe beim Verband in Münster. Von Panikmache hält er allerdings wenig: „Solche Warnungen sind zu Recht Vorsichtsmaßnahmen. Es geht darum, die generelle Schadstoffbelastung, der wir als Menschen immer und überall ausgesetzt sind, nicht noch durch den Verzehr belasteter Lebensmittel anzuheben.“

Fischereiverband fordert weitere Messungen

Es sei allerdings fraglich, inwieweit die Messungen von Aalen in einzelnen, eher größeren Gewässern (darunter die Lippe, die Ruhr und die Sieg) übertragbar seien auf Bestände in anderen Flüssen, Stauseen und Kanälen in NRW. Der Aal, der die Rückstände im üppigen Fettgewebe speichert, sei vermutlich ein Sonderfall. „Ob aber andere Fischarten belastet sind oder nicht, ist Kaffeesatzleserei. Wir brauchen mehr Daten“, fordert der Biologe des Fischereiverbandes. So plant der Verband, auch eigene Untersuchungen in Auftrag zu geben.

Hintergrund
Langlebige Giftstoffe reichern sich in Fischen an

„Die Wasserqualität ist in den vergangenen Jahren immer besser geworden“, sagt Carsten Nolting vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe. Weiterhin gibt es jedoch Probleme mit langlebigen Schadstoffen, wie Dioxin.

Nach dem PCB-Skandal der Firma Envio im Dortmunder Hafen galt für das Hafenbecken und den angrenzenden Dortmund-Ems-Kanal eine Verzehrwarnung. Während Hecht, Rotauge, Brasse, Schleie und Flussbarsch wieder als unbedenklich gelten, blieben die PCB-Grenzwerte bei hier überprüften Aale überschritten.

Eine weitere einschränkte Verzehrempfehlung von Fisch hat das Lanuv wegen hoher Belastung durch Perfluorierte Tenside (PFT) im Möhnesee und in der Ruhr ausgesprochen. So sollte Fisch, der oberhalb der Möhne gefangen wurde, nur einmal im Monat verzehrt werden.

Trotz seiner Seltenheit als Fangfisch weiß Nolting um die Sprengkraft der Verzehrwarnung: „Der Aal ist für viele ein sehr interessanter Angelfisch, man fängt ihn nachts, und als weit gereister Fisch fasziniert er auch durch seine Biologie.“

Entsprechend sieht der Fischereiverband auch davon ab, seinen Mitgliedern eine Empfehlung auszusprechen, wie sie mit der Warnung umgehen sollen: „Die Entscheidung, ob er einen selbst gefangenen Aal verzehrt, muss jeder Angler selbst treffen.“

So wie Jürgen Plenge, der „vorsichtig sein will“, sich aber seinen sowieso seltenen Aalschmaus nicht entgehen lassen wird – solange die Nase nichts Verdächtiges wittert.

Florentine Dame

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2012-07-17 19:00
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